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Bewohner des Dorfes Berevoiesti.

38 Festnahmen

Polizei befreit 40 Arbeitssklaven aus Fängen von Roma-Clans

Bukarest - 8 Festnahmen nach Befreiung von Arbeitssklaven in Rumänien In einem rumänischen Dorf sollen Roma-Clans jahrelang wehrunfähige Menschen wie Sklaven gehalten und misshandelt haben, so die Staatsanwaltschaft.

Die rumänische Polizei hat nach der Befreiung von Arbeitssklaven einer Bande 38 Tatverdächtige festgenommen. Sie wurden am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt. Die Bande soll laut Ermittlungen der Staatsanwaltschaft seit 2008 mindestens 40 teilweise geistig behinderte Männer und Frauen wie Sklaven gehalten, gefoltert und zur Arbeit gezwungen haben. Unter den Opfern seien zwei Kinder.

Die meisten Tatverdächtigen sind Roma - einige rumänische Medien veröffentlichten daraufhin rassistische Kommentare. Der für Roma-Fragen zuständige Staatssekretär Ciprian Necula verurteilte das. „Kriminalität hat keine ethnische Qualität“, erklärte Necula, der innerhalb des Ministeriums für EU-Finanzierungen die Nationale Kontaktstelle für Roma leitet. „Es gibt keinerlei Sitte bei den Roma, Sklaven zu halten, im Gegenteil, bis vor 160 Jahren waren sie selbst Opfer dieses Phänomens“, schrieb Necula weiter. Auch im aktuellen Fall waren Roma unter den Opfern, wie der Aktivist Gelu Duminica, Direktor des Nichtregierungsvereins Impreuna, der Tageszeitung „Adevarul“ sagte.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren Roma in den rumänischen Fürstentümern Sklaven und wurde als solche wie Tiere auf Märkten gehandelt. In Rumänien leben heute etwa zwei Millionen Roma.

Die Polizei hatte am Mittwoch im Zuge einer Razzia im südlichen Vorkarpaten-Dorf Berevoiesti fünf Opfer - darunter die beiden Kinder - in Ketten gefesselt vorgefunden und befreit. Die Opfer seien unter anderem dazu gezwungen worden, illegal Holz zu fällen und zu betteln. Viele seien vorher entführt, andere verlockt worden.

Zu den Foltern hätten brutale Schläge gehört, Fesseln sowie der Entzug von Nahrung und hygienischer Versorgung. Frauen seien vergewaltigt worden und mussten nackt vor ihren Peinigern tanzen. Kinder seien gezwungen worden, sich gegenseitig zu verprügeln.

Der Bürgermeister von Berevoiesti, Florin Proca, sagte, er habe bereits im vorigen Jahr den Verdacht gehabt, dass im Roma-Viertel seines Orts Menschen illegal zur Arbeit gezwungen würden - das habe er der Polizei angezeigt. Die gesamte Dimension der Vorgänge, einschließlich der Folter der Sklaven, habe er aber nicht gekannt.

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In Nizza hat sich am Donnerstagabend ein mutmaßlicher Terror-Anschlag ereignet: Ein Lkw raste am Nationalfeiertag in eine Menschenmenge, 84 Menschen wurden getötet, möglicherweise auch Deutsche. Alle Infos im News-Ticker.

dpa

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