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Polizei bestraft 20 Gaffer: Ist das Durchgreifen richtig?

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Seit Ende Mai gilt es als Straftat, bei Unglücksfällen vorsätzlich Einsatzkräfte zu behindern, die Hilfe leisten oder leisten wollen. In einem Fall griff die Polizei drastisch durch. Ein Kommentar von Alexander Weber.

Gut, dass die Polizei einmal in größerem Rahmen Ernst gemacht und 20 Gaffern an einer Unfallstelle auf der Autobahn ein Bußgeld von jeweils 60 Euro aufgebrummt hat (und in einigen Fällen zusätzlich noch einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei). Nur wenn die im Mai beschlossene Strafverschärfung für solch rücksichtsloses Verhalten auch angewendet wird, kann sie ihre erhoffte abschreckende Wirkung entfalten.

Sensationsgieriges Gaffen verletzt nicht nur die Würde des Menschen, es kann auch dazu führen, dringend notwendige Hilfeleistungen zu behindern und zu verzögern. Trifft letzteres zu, sollten Richter auch nicht davor zurückschrecken, den gesamten Rahmen des Gesetzes, nämlich eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr, auszuschöpfen.

In der heutigen Zeit hätten Polizeibeamte eigentlich Wichtigeres zu tun – etwa die Jagd auf Terroristen und Einbruchsbanden – als dieser Art menschlichen Fehlverhaltens im Straßenverkehr Zeit zu opfern und nachzugehen. Und doch sind der Aufwand und das harte Durchgreifen richtig. Auch im Sinne der Notärzte, Sanitäter und Feuerwehrler. Viele von ihnen sind ehrenamtlich engagiert und fragen sich zu Recht, wenn sie in ihrer Arbeit behindert werden: Warum tue ich mir das eigentlich an? Auch um ihrer Willen gehören Gaffer hart bestraft.

Sie erreichen den Autor unter Alexander.Weber@merkur.de

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