Umtriebig: Die von der Polizei nachgezeichnete, europaweite Reiseroute einer internationalen Einbrecherbande. Quelle: Innenministerium, Grafik: Fernando Diaz

Polizei-Kongress

Auf Einbruchstour durch Europa

München - Die Zahl der Einbrüche steigt und steigt. Die Polizei holt zum Gegenschlag aus und stellt ein internationales Ermittlungsprojekt auf die Beine. Doch die Beamten brauchen Hilfe.

Das Muster ist immer das gleiche: akribische Vorbereitung, lange im Voraus. Wie lange, das will Hermann Utz, leitender Kriminaldirektor des Polizeipräsidiums München, nicht verraten. Eingebrochen wird nur, wenn die Streifenwägen gerade anderswo im Einsatz sind. Dann ab ins Haus, schnell rein, schnell raus. Die Beute gut verstecken. Davor und danach: Unauffällig bleiben. Egal ob im Mietwagen, Taxi oder dem eigenen Auto. Selbst eine Polizeikontrolle lässt sich meistern. Die haben sie schon oft überstanden. So hört sich das an, wenn ein professioneller Einbrecher auspackt. Und sein Wissen mit Utz und dessen Mitarbeitern teilt.

Internationale Einbrecherbanden, im Polizeijargon „reisende Tätergruppen“, stellen nicht nur die bayerischen Beamten vor enorme Probleme. Die Schäden sind immens. 2013 stieg die Zahl der Einbrüche im Vergleich zum Vorjahr um 11,8 Prozent. 2014 war die Zunahme noch größer. Aufgeklärt werden nur etwa 15 Prozent der Fälle. Mit einem länderübergreifenden EU-Projekt wollen Europas Polizeibehörden den Tätern dichter auf die Fersen rücken. Das ist das Ergebnis einer Konferenz von europäischen Polizeichefs in München.

An Bord sind Österreich, Bulgarien, Rumänien und Serbien, dazu Europol als internationale Behörde. Dass sich gerade diese Nationen kurzschließen, hat einen Grund: Besonders in Süd-Osteuropa finden die Banden einen florierenden Absatzmarkt für Diebesgut. Und dort will man ansetzen. Konkret planen die Polizeibehörden, „die länderübergreifende Zusammenarbeit weiter zu verbessern“, wie Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer am Ende der dreitägigen Konferenz erläutert. Das Expertentreffen in München soll der Startschuss für das sogenannte DPCP-Projekt (Danube Property Crime Project) sein: Mit gemeinsam erstellten Lagebildern wollen die Fahnder die Reise- und Absatzwege der Täter nachzeichnen. Ein internationales Netzwerk von Ermittlungsbeamten soll es erleichtern, Informationen über aktuelle Banden zu erhalten.

Wie das aussieht, wenn sich so eine Einbrecherbande auf Europatour begibt, zeigt Hermann Utz anhand einer Grafik: eine Europakarte voller roter Punkte. Von Italien über Frankreich und Deutschland bis nach Skandinavien. Ein straffer Reiseplan, absolviert innerhalb von zehn Tagen. Die Täter waren äußerst umtriebig – „und die waren nicht auf Urlaubsreise“, so Utz. Entlang der aufgezeichneten Route wurden jede Menge Einbrüche begangen.

Grundsätzlich gilt: Um solche Gruppen auffliegen zu lassen, ist nicht nur international koordinierte Polizeiarbeit nötig, sondern – und das ist laut Utz fast noch wichtiger – das wachsame Auge des Bürgers. „Der Erfolg beginnt auf der Straße.“ Utz berichtet von einem aktuellen Fall, bei dem mit Hilfe serbischer Einsatzkräfte über 200 Einbrüche im Raum München und Ingolstadt nachgewiesen werden konnten. Auch ein Teil des Diebesguts konnte in Serbien sichergestellt werden. Den Stein ins Rollen brachte ein aufmerksamer Zeuge. Er meldete der Polizei ein verdächtiges Fahrzeug.

Der Bürger ist die eine Stütze. Die andere ist die Politik. Hier erhofft sich Schmidbauer Unterstützung. Zum einen müsse das Strafrecht angepasst werden, mit einem höheren Strafrahmen für schweren Bandendiebstahl. Zum anderen fordert Schmidbauer, Telefonüberwachungen bei möglichen Einbrechern zu erlauben. Bisher ist das nur in Fällen von Bandendiebstahl möglich. Ob eine organisierte Gruppe am Werk war, ließe sich aber oft erst durch die Überwachung eines Einzelnen feststellen. „Hier beißt sich die Katze in den Schwanz.“

Die Staatsregierung hat bereits reagiert. Heute wird eine entsprechende Gesetzesinitiative im Bundesrat vorgestellt. Wie die Chancen für eine Zustimmung stehen, lässt sich erst nach den Ausschussberatungen abschätzen. Für Staatskanzleileiter Marcel Huber (CSU) ist klar: „Wir müssen unseren Strafverfolgungsbehörden ein wirksames Instrument an die Hand geben.“ Sonst bleibt das bewährte Einbruchsmuster weiterhin so erfolgreich.

Dominik Göttler

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