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Hier kommentiert Christian Deutschländer. 

Nur „Nafri“ war nicht glücklich gewählt

Kommentar zur Kölner Polizei: Deeskalation durch Stärke

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Kölns Polizei hat in dieser Silvesternacht vieles richtig gemacht. Massive Präsenz und Kontrollen haben Übergriffe und Gewalt eingedämmt. Trotzdem: „Nafri“ als Begriff war ein Fehler. Ein Kommentar. 

Die Nacht war für die Beamten, die anders als alle Feiernden nicht freiwillig vor Ort waren, kein einfacher Einsatz. Augenzeugen beschreiben die Atmosphäre als teils aufgeheizt, aggressiv und alkoholgetränkt. Das Konzept, fokussiert nordafrikanische Gäste zu kontrollieren, war richtig.

Das ist an sich weder Schikane noch Rassismus, sondern die traurige Lehre aus den Täterstrukturen. Polizeiarbeit im Einsatz funktioniert nicht nach Gender- und Proporzregeln, sondern nach Fallzahlen und Risiken. Wen sollen die Beamten denn kontrollieren – Großmütter mit Gehwägelchen? 

Experten sehen eine Szene nordafrikanischer Intensivtäter. Genau die musste Kölns Polizei im Blick behalten, wenn sie nicht ihr 2015er-Desaster – unterbesetzt und überfordert – wiederholen wollte. Nur eines wirkt da in der Nachschau unglücklich: die verkürzende Wortwahl „Nafri“ für Nordafrikaner. Das mag im Fachjargon der NRW-Polizei gängig sein, in der öffentlichen Debatte kann „Nafri“ als herabwürdigend aufgefasst werden. In unserer akut polarisierten Gesellschaft müssen staatliche Repräsentanten ihre Worte sehr vorsichtig wägen.

Dürfen nun Teile von Grünen und SPD dies und den Einsatz kritisieren? Dürfen sie. Polizei braucht keine blinde Loyalität der Politik, sondern kritische Solidarität. Da ist Raum für politische Differenzen. Wer beharrlich glauben mag, dass Deeskalation durch Stärke eine falsche Taktik wäre, darf das tun. Eine andere Frage ist, ob vor allem Grünen-Chefin Simone Peter mit ihrer scharfen Kritik diesmal den Nerv trifft. In der Gesellschaft dürften Sorgen um die Opfergruppe von 2015 – junge Frauen – doch überwiegen. Noch etwas sollten NRWs regierende Rot-Grüne zumindest beim Maß ihrer Kritik einrechnen: Für die Polizeibeamten ist es demotivierend, wenn sie für alle gesellschaftlichen Fehlentwicklungen den Kopf hinhalten und dafür politisch jedes Mal abgewatscht werden.

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