+
Polizisten sichern am 7. Juli eine Zufahrt zum Schanzenviertel in Hamburg. Während des G20-Gipfels kam es zu schweren Krawallen. Foto: Daniel Bockwoldt

G20-Gipfel in Hamburg

Polizeichef: Beamte verweigerten zunächst Krawall-Einsatz

"Ja, aber nicht wir nicht" - Einheiten der Polizei sollen sich aus Angst um ihr Leben geweigert haben, auf das von Randalierern dominierte Schulterblatt vorzurücken. Weil Spezialeineinheiten erst zusammengezogen werden mussten, konnte die Situation so außer Kontrolle geraten.

Hamburg (dpa) - Während der schweren Ausschreitungen beim G20-Gipfel haben Polizeieinheiten nach Angaben des Hamburger Polizeipräsidenten einen Einsatz in dem von Randalierern dominierten Schanzenviertel zunächst verweigert.

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer sagte "Spiegel online": "Als die ersten Feuer brannten, hat Einsatzleiter Hartmut Dudde die Einheiten planmäßig aufgefordert, auf das Schulterblatt vorzurücken." Aber verschiedene Einheiten hätten gesagt, da bestehe Lebensgefahr. "Da mussten Spezialeinheiten her, um die Angreifer von den Dächern zu holen."

Randalierer hatten dort an einer Engstelle Steine gehortet, um anrückende Beamte damit zu bombardieren. Sie hatten stundenlang plündern und Feuer legen können, bis ein schwerer bewaffnetes Spezialeinsatzkommando die Häuser stürmte und die Polizei die Kontrolle über die Straßenzüge zurückgewann.

Es sei natürlich ein Konflikt, "wenn der Einsatzführer sagt, wir müssen da jetzt rein. Und die Einheiten sagen: Ja, aber nicht wir", erklärte Meyer. Die Gefahren für die Polizeibeamten wie für alle Menschen im Viertel seien aber nicht zu kalkulieren gewesen, ohne dass die Angreifer von den Dächern geholt werden. "Dieses Ausmaß an Gewalt haben wir alle noch nicht erlebt."

Das Vorrücken ins Viertel von einer anderen Seite sei ohne Erfolg probiert worden. "Es ging nicht, die Einheit wurde massiv, auch von erhöhten Positionen aus, angegriffen und musste sich zurückziehen", sagte Meyer. Bis die Spezialeineinheiten am Ort gewesen seien, habe es so lange gedauert, weil sie nicht für Demo-Einsätze vorgesehen waren. "Wir mussten sie erst zusammenziehen und hinbringen."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trump greift Frauen auf Twitter an: „Ihr werdet bezahlt um mich schlecht zu machen“
US-Präsident Donald Trump hat eine harte Gegenattacke gegen Frauen gefahren, die ihm sexuelle Übergriffe vorwerfen.
Trump greift Frauen auf Twitter an: „Ihr werdet bezahlt um mich schlecht zu machen“
Nicht nur Seehofer: Auch Mehrheit der CDU hält Kramp-Karrenbauer für gute Merkel-Nachfolgerin
CSU-Chef Horst Seehofer findet lobende Worte für die zukünftige CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer. Außerdem warb er erneut für einen positiven Ausgang des …
Nicht nur Seehofer: Auch Mehrheit der CDU hält Kramp-Karrenbauer für gute Merkel-Nachfolgerin
Trump offen für bessere Überprüfung bei Waffenverkäufen
Der Protest gegen die laschen Waffengesetze in den USA wächst. Auch vor dem Weißen Haus machen Jugendliche ihrem Unmut Luft - und Promis unterstützen sie. Donald Trump …
Trump offen für bessere Überprüfung bei Waffenverkäufen
US-Sonderermittler erhebt Anklage gegen Anwalt
Washington (dpa) - In der Russland-Affäre in den USA hat Sonderermittler Robert Mueller Anklage gegen einen Mann erhoben, der gegenüber Ermittlern gelogen haben soll.
US-Sonderermittler erhebt Anklage gegen Anwalt

Kommentare