Nach Polizeiangaben hatten in Gießen rund 700 Schüler und Studenten zunächst für bessere Bildung demonstriert.
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Nach Polizeiangaben hatten in Gießen rund 700 Schüler und Studenten zunächst für bessere Bildung demonstriert.

Polizei geht gegen demonstrierende Studenten vor

Berlin/Gießen - Einen Tag nach Beginn des bundesweiten Bildungsstreiks ist es in Gießen zu einem Polizeieinsatz gegen demonstrierende Schüler und Studenten gekommen.

Wie die Polizei berichtete, wurden rund 80 Demonstranten von den Beamten weggetragen, nachdem sie eine Straße blockiert hatten. Nach Angaben der Organisatoren könnte der eigentlich bis Freitag befristete Bildungsstreik in der kommenden Woche fortgesetzt werden. “Eine zweite Streikwoche ist möglich, wenn sich die lokalen Bündnisse vor Ort dafür entscheiden“, sagte ein Mitarbeiter des Bildungsstreik-Presseteams am Dienstag in Berlin.

Wenn die Ziele nicht erreicht würden, halte man sich diese Option offen. Höhepunkt der fünftägigen Aktionswoche sollen am Mittwoch bundesweite Demonstrationen sein, zu denen 150.000 Menschen erwartet werden. Die größten Kundgebungen erwarten die Organisatoren in Berlin , Köln, Düsseldorf und Hamburg mit jeweils rund 15.000 Teilnehmern, wie Tobias Schumann vom Presseteam sagte.

Demonstranten blockierten Straße

Nach Polizeiangaben hatten in Gießen rund 700 Schüler und Studenten zunächst für bessere Bildung demonstriert. Nachdem der Versammlungsleiter die Demonstration gegen 13.00 Uhr für beendet erklärt habe, hätten rund 200 Demonstranten eine Straße in der Nähe der Innenstadt blockiert. Der Aufforderung der Polizei, die Fahrbahn zu räumen, kamen die Demonstranten nicht nach. Daraufhin wurden die Demonstranten von der Polizei weggetragen. Bei sechs Demonstranten wurden die Personalien festgestellt.

Ein 20-Jähriger aus Gießen wurde vorläufig festgenommen. Er soll nach Polizeiangaben die übrigen Demonstranten aufgefordert haben, ein Einkaufszentrum zu beschädigen. Zu einer Kundgebung in Hildesheim kamen nach Angaben der Organisatoren rund 3.000 Menschen, in anderen Städten wurden erneut Institute der Universitäten besetzt. Unter anderem in Dresden , München und Flensburg wurden alternative Veranstaltungen angeboten.

Missstände im Bildungssystem

Der fünftägige Bildungsstreik mit Kundgebungen, Debatten und Besetzungen von Hochschulgebäuden, der am Montag startete, findet den Angaben zufolge in 80 Städten statt. Ziel ist es, auf die Missstände im Bildungsbereich aufmerksam zu machen. So wird unter anderem gefordert, die Bachelor- und Masterstudiengänge in der derzeitigen Form abzuschaffen. Das gilt ebenso für das mehrgliedrige Schulsystem und die verkürzte Oberstufe beim achtjährigen Gymnasium.

Gefordert werden kleinere Klassen, die Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen sowie die Abschaffung von sämtlichen Bildungsgebühren wie Studien-, Ausbildungs- und Kita-Gebühren. Kritisiert wird vor allem, dass Rettungspakete für das Bankensystem und die Wirtschaft geschnürt, die Bildungseinrichtungen aber mit vergleichsweise wenig zusätzlichen Investitionen abgespeist würden. Für Donnerstag sind bundesweit symbolische Banküberfälle geplant. Die am Freitag in Berlin tagende Kultusministerkonferenz soll mit Blockaden gestört werden.

Die Gewerkschaften und das globalisierungskritische Netzwerk Attac unterstützen die Streikenden. Der stellvertretende ver.di-Vorsitzender Frank Werneke sagte: “Wir fordern ein Grundrecht auf Ausbildung und freien Zugang zu den Hochschulen.“ Auch die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt , sagte, sie unterstütze die Proteste. Die Forderung nach einer Bildungsoffensive sei richtig. Es müssten mehr Investitionen fließen und die Gebührenfreiheit von der “Kita bis zur Hochschule“ festgeschrieben werden, sagte die SPD -Abgeordnete aus Dortmund der AP in Berlin .

ap

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