Demonstrierende gehen bei dem Protest gegen Rassismus nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd aus Solidarität auf die Knie.
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Demonstrierende gehen bei dem Protest gegen Rassismus nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd aus Solidarität auf die Knie.

„I can‘t breathe“

Skandal-Festnahme in USA: Polizist schaufelt fixiertem Mann Schnee in Mund - Unfassbares Video

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    vonAnna-Katharina Ahnefeld
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Ein erneuter Fall von Polizeigewalt sorgt für Aufregung im Bundesstaat Ohio. Körperkameras der Polizei zeigen erschreckende Aufnahmen.

Akron, Ohio - Polizeigewalt und die Vereinigten Staaten: Eric Garner, Michael Brown, Breonna Taylor, George Floyd. Vier Schwarze US-Amerikaner:innen, die in den vergangenen Jahren durch die tödliche Gewalteinwirkung von Polizist:innen ihr Leben lassen mussten. Nach Floyds Tod am 25. Mai 2020 und den 9 Minuten und 29 Sekunden, die der weiße Ex-Polizist Derek Chauvin auf seinem Hals kniete, ging sein verzweifelter Satz „I can‘t breathe“ um die Welt.

Ohne Todesfolge, dafür mit erschreckenden Body-Cam-Aufnahmen: Ein Fall von Polizeigewalt sorgt in Akron, Ohio, einer knapp 200.000 Einwohner-Stadt im Nordosten des Bundesstaates, aktuell für Aufregung. Die Lokalzeitung Akron Beacon Journal berichtete über die Festnahme eines 26-jährigen Schwarzen Mannes am 7. Februar - und veröffentlichte unter anderem auf ihrem YouTube-Kanal Videoaufnahmen der Körperkamera (Vorsicht, diese Aufnahmen könnten verstörend wirken), die von der örtlichen Polizei zur Verfügung gestellt wurden.

Skandal-Festnahme in Akron, Ohio: Polizist schaufelt Schnee in den Mund eines Schwarzen Mannes

Zu sehen ist, wie Charles Hicks bei einem Polizeieinsatz von mehreren Polizisten überwältigt wird. Mit nacktem Oberkörper liegt Hicks auf dem Boden - während ein Polizist ihm immer wieder Schnee in den Mund schaufelt. Der Mann schnappt hörbar nach Luft, sagt mehrmals „I can‘t breathe“.

Die Polizei wurde den Angaben der Lokal-Zeitung zufolge zum Haus des 26-Jährigen gerufen, da ein Notruf wegen häuslicher Gewalt einging. „Ich hatte nur das Gefühl, sie wollten mich töten“, sagte Hicks gegenüber der Zeitung später. „Es war einer der gruseligsten Momente meines Lebens.“ Besagter Polizist schied im Anschluss an den Vorfall freiwillig aus dem Dienst. Die Behauptung Hicks, dieser habe ihm zusätzlich noch sein Knie in den Nacken gerammt, konnte jedoch widerlegt werden.

Polizeigewalt in den USA: 2020 kamen 1127 Menschen ums Leben - mehr als jede vierte Person war Schwarz

Polizeigewalt, die im schlimmsten Fall tödlich endet, ist ein verbreitetes Phänomen in den USA. Aus Ermangelung umfassender Bundesdaten, versuchen Datenbänke wie „Mapping Police Violence“ die Lücke zu schließen. Die Selbstdefinition des gemeinnützigen Projekts ist folgende: „Wir können nicht darauf warten, das wahre Ausmaß der Polizeigewalt gegen unsere Gemeinden zu erfahren. In einem Land, in dem jeden Tag mindestens drei Menschen von der Polizei getötet werden, können wir nicht darauf warten, dass die Polizeibehörden uns diese Antworten geben.“ Im Jahr 2020 starben laut „Mapping Police Violence“ 1127 Menschen durch Polizeigewalt, bei 28 Prozent handelte es sich um Schwarze US-Amerikaner:innen. Das bedeutet, mehr als jede vierte Person, die durch Gewalteinwirkung verstarb, gehörte der Schwarzen Bevölkerung der Vereinigten Staaten an; und das, obwohl diese Gruppe dem Datensatz zufolge nur 13 Prozent der Bevölkerung ausmacht.

Auch die Washington Post hat ein eigenes Daten-Projekt und berichtet über 985 Polizei-Opfer vergangenes Jahr. Die Differenz lässt sich damit erklären, dass die Zeitung nur Fälle, in denen ein Mensch erschossen wurde, listet, nicht aber Todesfälle beispielsweise durch den Würgegriff oder durch Off-Duty-Polizist:innen. Doch auch sie liefert dasselbe düstere Ergebnis: Afro-Amerikaner:innen werden von der Polizei mehr als doppelt so häufig erschossen wie weiße US-Bürger:innen. Die transnationale Bewegung „Black Lives Matter“ setzt sich gegen die verbreitete Gewalt gegen People of Color ein. (aka)

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