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Polizeigewerkschafts-Chef Oliver Malchow (v.r.) neben Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Justizminister Heiko Maas.

Kein „direkter Zusammenhang“

Polizeigewerkschafts-Chef: Kein Generalverdacht gegen Flüchtlinge

Berlin - Nach den Sexualstraftaten an zwei jungen Frauen in Bochum hat der Vorsitzende der GdP, Oliver Malchow, eindringlich vor einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge gewarnt.

"Die Taten sind abscheulich und grausam, aber daraus einen direkten Zusammenhang zu der Flüchtlingswelle herzustellen, missbraucht die Opfer ein zweites Mal", sagte Malchow den Zeitungen der Funke-Mediengruppe vom Mittwoch

In Freiburg war ein 17 Jahre alter Flüchtling aus Afghanistan im Fall der ermordeten Studentin Maria L. als dringend tatverdächtig festgenommen worden. In Bochum wird ein 31-jähriger Asylbewerber aus dem Irak verdächtigt, sich im August und im November an zwei chinesischen Studentinnen vergangen zu haben. Vor allem der Fall in Freiburg löste insbesondere in den sozialen Netzwerken heftige Diskussionen aus. Zum Teil wurden Zusammenhänge mit der Flüchtlingspolitik hergestellt.

„Sexualdelikte bei allen von Zuwanderern begangenen Straftaten bei unter einem Prozent“

GdP-Chef Malchow mahnte, die Straftaten in Freiburg und Bochum ließen keine Verallgemeinerungen zu. Er untermauerte dies auch mit Zahlen: "Wir hatten im Jahr 2015 über 7000 Vergewaltigungsfälle, das war die niedrigste Zahl seit 2001." Zudem liege der Anteil von Sexualdelikten bei allen von Zuwanderern begangenen Straftaten bei unter einem Prozent.

Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) nannte manche Reaktionen in sozialen Netzwerken oder in E-Mails "ekelerregend". Es zeuge von "geistiger Armut", Pauschalurteile zu fällen, sich über Menschen lächerlich zu machen, die anderen Menschen helfen. Probleme dürften deshalb aber nicht verschwiegen werden. Als Beispiel nannte er das Frauenbild von manchen Flüchtlingen.

Salomon wandte sich entschieden dagegen, Zusammenhänge zwischen dem Mordfall und der Flüchtlingspolitik herzustellen. "Stellen Sie sich vor, es wäre ein amerikanischer Tourist gewesen - hätte man dann gesagt: Wenn es keine amerikanischen Touristen gäbe, wäre so etwas nicht passiert?", fragte der Grünen-Politiker. Weiter gab er zu bedenken, ob die Freizügigkeit in der EU in Frage gestellt würde, wenn es ein junger Pole oder Tscheche gewesen wäre. "Das ist doch Unsinn."

Die Freiburger hätten im vergangenen Jahr großartig gezeigt, dass sie Menschen, die Schutz suchen, genommen hätten, wie sie seien - "als Menschen, die dringend Hilfe benötigen". Sie seien aber keine "Gutmenschen, die Ausländer für bessere Menschen halten". Diese seien in einem ähnlichen Maß kriminell wie Deutsche.

Mindestens vier Tote bei Untergang eines Flüchtlingsboots vor Marokko

Beim Untergang eines Flüchtlingsboots vor Marokko sind mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. 34 aus dem südlichen Afrika stammende Flüchtlinge hätten gerettet werden können, meldete die amtliche marokkanische Nachrichtenagentur MAP am Mittwoch unter Berufung auf örtliche Behörden. Demnach verunglückte das Schlauchboot auf der Höhe von Al-Hoceima im Nordosten des Landes.

Bei einem gemeinsamen Einsatz von Gendarmerie, Marine und Zivilschutz wurden demnach 34 Flüchtlinge gerettet, darunter fünf Frauen. Al-Hoceima befindet sich auf halber Strecke zwischen den spanischen Exklaven Melilla und Ceuta.

Flüchtlinge, die nach Europa gelangen wollen, versuchen dies zunehmend über die Straße von Gibraltar oder sie versuchen, die Grenzen nach Melilla und Ceuta zu überwinden. Die beiden Exklaven haben die einzigen EU-Außengrenzen auf dem afrikanischen Kontinent. Deren Überwachung wurde aber in den vergangenen Jahren sowohl von Spanien als auch von Marokko verstärkt.

AFP

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