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Die türkische Polizei drängt im Juli 2013 regierungskritische Demonstranten mit Wasser zurück.

Nur seine Pflicht getan

Polizist will Demonstrant für Erdogan getötet haben

Kayseri - Der Polizist, der am Tod eines regierungskritischen Demonstranten schuld sein soll, hat sich vor Gericht auf Äußerungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan berufen.

Ein türkischer Polizist, der wegen des Todes eines regierungskritischen Demonstranten vor Gericht steht, hat sich zur Rechtfertigung auf Präsident Recep Tayyip Erdogan berufen. Präsident, Ministerpräsident und Innenminister des Landes hätten die Gezi-Proteste des vergangenen Jahres als Staatsstreich bezeichnet, sagte der Polizeibeamte Mevlüt Saldogan laut Medienberichten am Mittwoch vor Gericht. Er habe bei der Niederschlagung dieses Putsches seine Pflicht getan. Saldogan forderte einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft verlangte dagegen lebenslange Haft.

Der Student Ali Ismail Korkmaz war im vergangenen Juni im westtürkischen Eskisehir bei einer Demonstration zur Unterstützung der Gezi-Proteste zu Tode gekommen. Bilder von Überwachungskameras zeigten, wie der Student von mehreren Polizisten und Zivilisten zusammengeschlagen wurde. Der Prozess wurde aus Sicherheitsgründen von Eskisehir ins zentralanatolische Kayseri verlegt.

Die Staatsanwaltschaft beantragte am Mittwoch neben der lebenslangen Haftstrafe für den Hauptangeklagten Saldogan außerdem lange Haftstrafen von bis zu 16 Jahren für drei weitere Angeklagte. Zwei Polizisten sollten aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden.

Korkmaz, der mehr als einen Monat nach den Schlägen seinen schweren Verletzungen erlag, ist eines von mindestens acht Todesopfern der letztjährigen Proteste, die vom Istanbuler Gezi-Park ausgingen und das ganze Land erfassten. Erdogan hatte das im In- und Ausland als unverhältnismäßig kritisierte Vorgehen der Polizei als "Heldenepos" gelobt.

AFP

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