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Neue Wagenknecht-Partei? Politikerin ruft zu „populärer Linken“ auf

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Von: Andreas Schmid

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Sahra Wagenknecht  redet bei einer Wahlkampfkundgebung in Bonn
Ein, wenn nicht das, Gesicht ihrer Partei: Sahra Wagenknecht © RAINER UNKEL/IMAGO

Sahra Wagenknecht polarisiert. Nun scheint auch eine neue Partei nicht ausgeschlossen. „Wir werden im Herbst über das Wie weiter diskutieren“, sagt sie Merkur.de.

Erfurt/Berlin - Der Parteitag der Linken ist sieben Tage alt, seine Nachwehen aber immer noch spürbar. Eine Woche nach dem Treffen in Erfurt dreht sich in der krisengebeutelten Partei vieles einmal mehr um Sahra Wagenknecht. Dabei war die frühere Fraktionschefin gar nicht anwesend.

Parteitag der Linken: Wagenknecht als Verliererin?

Wagenknecht sagte den Parteitag krankheitsbedingt ab. Aus der Ferne musste die populäre wie streitbare Politikerin erleben, wie ihre politischen Ideen abgeschmettert wurden. Im Interview mit IPPEN.MEDIA attackierte Wagenknecht Parteichefin Janine Wissler und fordert einen „Neuanfang“ auch an der Spitze: „Wir brauchen frische, überzeugende Gesichter.“ Ein Aufruf zur Unterstützung von Gegenkandidatin Heidi Reichinnek, die mit 35,8 Prozent der Stimmen letztlich an Wissler scheitern sollte (57,5 Prozent).

Ferner wurde ein maßgeblich von Wagenknecht initiierter Antrag zur linken Außenpolitik klar abgelehnt. Darin sollte die Position zu Russland sprachlich abgeschwächt werden. Zwar bezeichnet auch das Wagenknecht-Lager den Ukraine-Krieg als „völkerrechtswidrig“, pocht gleichzeitig aber auch darauf, in die Parteiposition Kritik an Nato und USA zu integrieren. Der Satz „Wir verurteilen den verbrecherischen Angriffskrieg Russlands aufs Schärfste“ sollte zudem entfernt werden.

Neue Wagenknecht-Partei? „Aufruf für eine populäre Linke“

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sah Wagenknecht im Nachgang einen „Affront gegen einen relevanten Teil der Partei, dem man auf diesem Parteitag signalisiert hat, dass er nicht mehr erwünscht ist“. Sie müsse sich nun erst einmal über die politische Zukunft der Partei nachdenken. „Ich denke, wir werden aus dem Aufruf für eine populäre Linke ein organisiertes Netzwerk machen.“ Klingt das nach Parteigründung?

„Der Parteitag hat sich ausdrücklich für ein Weiter so entschieden“, sagt Wagenknecht auf Anfrage von Merkur.de von IPPEN.MEDIA. „Wir werden uns verständigen, wie wir darauf reagieren.“ Unmittelbar zu verkünden sei noch nichts. „Eine Überlegung ist, erst einmal auf Basis des Aufrufs für eine populäre Linke ein Netzwerk zu schaffen und im Herbst auf einer größeren Konferenz über das Wie weiter zu diskutieren.“

Neue Wagenknecht-Partei? Gysi winkt ab: „Illusionen“

Innerhalb der Linkspartei werden diese Ankündigungen – wie so oft bei der Causa Wagenknecht – gespalten wahrgenommen. Parteigrande Gregor Gysi ist skeptisch. „Es ist nicht so einfach, eine Partei zu spalten, und es ist auch nicht so einfach, eine neue zu gründen. Da machen sich manche auch Illusionen“, schrieb Gysi auf Twitter. Der 74-Jährige hat nach wie vor viel Einfluss in der Partei. Seinem gewonnenen Direktmandat in Berlin hat es die Linke zu verdanken, überhaupt noch im Bundestag zu sitzen. Eigentlich war die Partei bei der Bundestagswahl unter die Fünf-Prozent-Hürde gefallen. Weil insgesamt drei Direktmandate geholt wurden, griff die sogenannte Grundmandatsklausel.

Im Wagenknecht-Lager sieht man das freilich anders. Es sei „alles offen“, meint Ex-Linke-Vorstand Ralf Krämer auf Facebook. Er gehört zur Wagenknecht-nahen Parteiströmung Sozialistische Linke. „Wenn wir vielleicht eine neue Partei gründen wollen, müssen das möglichst viele gemeinsam tun.“

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