1. Startseite
  2. Politik

Nach schweren Vorwürfen im TV-Duell: Frankreich-Umfrage zeigt Macron vor Le Pen

Erstellt:

Kommentare

Im einzigen TV-Duell vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich haben Amtsinhaber Macron und seine rechte Konkurrentin Le Pen um die besten Konzepte für das Land gerungen.

Update vom 21. April, 7.22 Uhr: Einer Umfrage zufolge ist Frankreichs Präsident Emmanuel Macron als Sieger aus der TV-Debatte mit seiner rechten Kontrahentin Marine Le Pen hervorgegangen. Etwa zwei von drei Zuschauern gaben in der Befragung des Instituts Elabe am Mittwochabend an, der liberale Staatschef sei überzeugender gewesen.

Insgesamt wurden dafür nach Schluss der mehr als zweieinhalbstündigen Debatte 650 Menschen befragt, die das Duell (siehe Erstmeldung) verfolgt hatten. Wann mit einem Ergebnis der Frankreich-Wahl zu rechnen ist, lesen Sie hier*.

Präsidentschaftswahl in Frankreich: Macron wirft Le Pen in TV-Duell Abhängigkeit von Russland vor

Erstmeldung vom 20. April: Paris - Vier Tage vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich* haben sich Staatschef Emmanuel Macron* und seine Herausforderin Marine Le Pen* in einem TV-Duell einen harten Schlagabtausch geliefert. Beide Kandidaten waren dabei am Mittwochabend aber um eine sachliche Debatte bemüht. Die rechte Le Pen, die immer wieder strahlend lächelte, stellte sich als Anwältin der einfachen Franzosen dar und war um einen sympathischen Auftritt bemüht. Der Mitte-Politiker Macron, der sich um eine zweite Amtszeit bewirbt, war zunächst der aktivere in der Debatte und räumte auch Fehler und Versäumnisse in der zurückliegenden Amtszeit ein.

Präsidentschaftswahl in Frankreich: Macron und Le Pen ringen um Streitthema Rente

Bei der Kaufkraft - einer permanenten Sorge der Franzosen und dem Schlüsselthema im Wahlkampf - legten Macron und Le Pen konträre Konzepte vor. Zum Auftakt der mit Spannung erwarteten einzigen Fernsehdebatte stellte Macron Erhöhungen der Rente und des Mindestlohns sowie ein Festhalten an der Deckelung der Preise von Gas und Strom in Aussicht. Außerdem gelte es, die Arbeitslosigkeit weiter zu senken, ein eigener Lohn sei die beste Stärkung der Kaufkraft. Le Pen schlug das Senken der Mehrwertsteuer auf Energie sowie einen Wegfall der Steuern auf 100 Grundprodukte des täglichen Bedarfs vor.

Beim Streitthema Rente, um das in Frankreich immer wieder gerungen wird, pochte Le Pen auf einen Renteneintritt mit 60 bis 62 Jahren. Wer bereits mit 16 bis 20 Jahren in den Beruf einsteige, solle mit 60 Jahren in Rente gehen können, die übrigen Beschäftigten wie bisher üblich mit 62 Jahren. „Die Rente mit 65 Jahren ist eine absolute Ungerechtigkeit“, meinte Le Pen zu Macrons Plan eines höheren Renteneintrittsalters. Macron betonte, eine Rente ab 65 Jahren solle nicht für alle Beschäftigten gelten, ausgenommen seien etwa Menschen in besonders anstrengenden Berufen. Angesichts einer gestiegenen Lebenserwartung müsse das Rentensystem gegenfinanziert werden.

Emmanuel Macron (l), Präsident von Frankreich und Spitzenkandidat der zentrischen Partei «La Republique en Marche (LREM)», und Marine Le Pen, Präsidentschaftskandidatin der rechtsextremen Partei Rassemblement National (RN), nehmen an einer TV-Debatte teil.
Emmanuel Macron (l), Präsident von Frankreich und Spitzenkandidat der zentrischen Partei «La Republique en Marche (LREM)», und Marine Le Pen, Präsidentschaftskandidatin der rechtsextremen Partei Rassemblement National (RN), nehmen an einer TV-Debatte teil. © Ludovic Marin/dpa

TV-Duell in Frankreich: Macron wirft Le Pen Abhängigkeit zu Russland vor

Macron warf seiner rechten Widersacherin vor, sich von Russland abhängig gemacht zu machen. „Sie hängen von der russischen Macht und sie hängen von Herrn Putin ab. Sie reden nicht mit anderen Führungspersönlichkeiten, sie reden mit ihrem Bankier, wenn sie von Russland reden“, warf Macron Le Pen an den Kopf. Macron bezog sich dabei auf einen Kredit, den Le Pen 2014 von einer tschechisch-russischen Bank aufnahm. Le Pen verteidigte sich damit, dass französische Banken ihr eine solche Finanzhilfe nicht genehmigen wollten. „Finden Sie das nicht skandalös?“, entgegnete Le Pen und sprach von einem demokratischen Defizit der Banken.

Macron betonte die Verankerung Frankreichs in der Europäischen Union und legte ein Bekenntnis zur deutsch-französischen Kooperation ab. „Ich glaube an Europa und ich glaube an das französisch-deutsche Paar. Ich denke, dass es das französisch-deutsche Paar ist, dass es uns ermöglicht hat, Abkommen zu erreichen.“ Der Präsident warf Le Pen vor, sich aus der EU verabschieden zu wollen, ohne dies klar zu sagen. Le Pen meinte, es gebe keine europäische Souveränität, weil es kein europäisches Volk gebe. „Ich verteidige das Europa der Nationen.“ Sie wolle nicht aus der EU aussteigen, wenn das so wäre, würde sie es sagen. Ihre gehe es um Veränderungen der Union.

Bereits vor der Präsidentschaftswahl 2017 hatten Macron und Le Pen sich in einem TV-Duell gegenüber gesessen, dabei war die Diskussion von Beschimpfungen und persönlichen Angriffen geprägt gewesen. Nun zeigte Macron sich als Zuhörer, der seiner Kontrahentin bei einigen Feststellungen recht gab - um sich aber im Anschluss zu bemühen, deren Schlussfolgerungen oder Forderungen zu widerlegen. Le Pen konzentrierte sich ebenfalls auf die Aussagen ihres Gegners und versuchte etliche Darstellungen des Präsidenten zu widerlegen. (dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare