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Das oberste Gericht in Kenia hat die Präsidentschaftswahlen vom 8. August annulliert. Foto: Ben Curtis

Umstrittene Präsidentenwahl

Premiere in Afrika: Kenias Oberstes Gericht annulliert Wahl

Kenias Opposition spricht von einer Zeitenwende auf dem Kontinent. Zur Überraschung vieler erklärte das Oberste Gericht die Präsidentenwahl vom 8. August für null und nichtig. Oppositionsführer Odinga wittert die Chance seines Lebens.

Nairobi (dpa) - Das Oberste Gericht in Kenia hat die umstrittene Präsidentenwahl vom 8. August annulliert und damit einen historischen Präzedenzfall für ganz Afrika geschaffen.

Die Richter ordneten in ihrem überraschenden Urteil an, dass die Wahl in dem ostafrikanischen Land innerhalb von 60 Tagen wiederholt werden muss. Oppositionsführer Raila Odinga (72) hatte seine Niederlage gegen Amtsinhaber Uhuru Kenyatta (55) vor Gericht angefochten. Die Abstimmung sei nicht in Übereinstimmung mit der Verfassung und dem entsprechenden Gesetz erfolgt, "was das Ergebnis ungültig, null und nichtig macht", sagte der Vorsitzende Richter David Maraga am Freitag in Nairobi zur Begründung.

"Erstmals in Afrikas Geschichte wurde eine Präsidentenwahl annulliert - das ist ein wegweisendes Urteil!", sagte Oppositionsführer Odinga nach dem Urteil. Kenyatta, dem keine Schuld an den Unregelmäßigkeiten gegeben wurde, will die Entscheidung respektieren - auch wenn er nicht mit ihr übereinstimmt. "Wir sind bereit", sagte er in einer Rede an die Nation, "Lasst Kenias Bevölkerung entscheiden." Auch die Afrikanische Union (AU) empfahl den Wählern, das Urteil anzuerkennen. Die Wahlbehörde kündigte eine interne Untersuchung an.

Bei der Wahl am 8. August hatte sich Staatschef Kenyatta laut Wahlkommission mit 54,27 Prozent der Stimmen eine zweite Amtszeit gesichert. Herausforderer Odinga erhielt 44,74 der rund 15 Millionen Stimmen. Odinga warf seinem Kontrahenten Wahlmanipulation vor.

Nach der Verkündigung der Wahlausgangs im August war es zu tödlichen Protesten in Oppositionshochburgen in Nairobi und im Westen des Landes gekommen. Polizisten erschossen laut einer Untersuchung von Menschenrechtlern mindestens zwölf Menschen. Rund 100 weitere wurden verletzt, wie aus einem Bericht der Organisation Human Rights Watch hervorgeht. Die Polizei bestritt die Vorwürfe und erklärte, Kriminelle hätten die Situation zu ihrem Vorteil ausgenutzt.

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