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Bayerns Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU).

Neue Vorwürfe

Haderthauer: Wie lange mussten Kranke schuften?

München - In der sogenannten Modellbauaffäre hat einem Zeitungsbericht zufolge ein Zeuge die bayerische Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU) weiter belastet.

Wie die "Bild"-Zeitung (Freitagsausgabe) berichtet, mussten demnach psychisch kranke Straftäter in einer Klinik im bayrischen Ansbach acht und mehr Stunden täglich hochwertige Modellautos für eine Firma der Eheleute Christine und Hubert Haderthauer bauen. Ein ehemaliger Insasse der Klinik sagte der "Bild", es habe "von 8 bis 16 Uhr, fünf Tage die Woche" gearbeitet werden müssen. "Wenn ein Modellauto fertig werden musste, ging es schon mal bis 18, 19 Uhr. Manchmal sogar bis 22 Uhr."

Ex-Stoiber-Berater zu Haderthauer: "Verkommen"

Der Ex-Insasse hatte nach eigenen Angaben über Jahre in der Modellauto-Fertigung der Klinik für Haderthauers damalige Firma Sapor Modelltechnik gearbeitet, wie es weiter hieß. Er beschrieb dem Bericht zufolge ein streng organisiertes System mit langen Arbeitszeiten und hohem Produktionsdruck und Belohnungen. So habe er aus dem geschlossenen Vollzug "mehrfach auf Spielwarenmessen nach Frankfurt, Nürnberg und Pforzheim" reisen dürfen.

"Bild": 16 Insassen arbeiteten in Fertigung

Außerdem hätten weit mehr Häftlinge für Haderthauers Firma gearbeitet als bisher bekannt. Laut "Bild" sollen dem Zeugen zufolge zwölf bis 16 Insassen an der Fertigung beteiligt gewesen seien. Er habe damals maximal 250 Mark im Monat bekommen.

Zuvor hatte sich ein zweiter ehemaliger Kompagnon gegen die Politikerin gestellt. Im Bayerischen Rundfunk widersprach Haderthauers ehemaliger Mitgesellschafter der Sapor Modelltechnik, Friedrich Sager, der Darstellung, die Firma habe aus Idealismus gehandelt. "Es ging nur darum, möglichst schnell die Fahrzeuge fertigzustellen und sie zu verkaufen, dass die Investitionen wieder zurückkommen und das Geld verdient wird", sagte Sager dem BR-Magazin "Kontrovers".

Sager und der ehemalige Mitgesellschafter Roger Ponton sagten, es sei wichtiger Teil des Geschäftsmodells gewesen, dass die psychisch kranken Mitarbeiter der Modellbaugruppe extrem niedrige Stundenlöhne erhalten.

Die Sapor Modelltechnik hat die Luxus-Modellautos für zum Teil mehrere tausend Euro verkauft. Ponton erstattete Anzeige gegen das Ehepaar Haderthauer, weil er sich von diesem über die Gewinne getäuscht und bei seinem Ausstieg zu niedrig abgefunden fühlt. Die Staatsanwaltschaft München I führt in der Sache deshalb ein Ermittlungsverfahren gegen die CSU-Politikerin. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hält trotz der Vorwürfe an ihr fest.

Staatsanwaltschaft ermittelt mit Hochdruck im Fall Haderthauer

Bei den Betrugsermittlungen gegen Haderthauer ist vorerst kein Ende in Sicht. Die Staatsanwaltschaft München II wollte am Freitag keine Prognose abgeben, wie lange die Überprüfung der Vorwürfe gegen Haderthauer noch dauern könnte. „Die beteiligten Ermittlungsbehörden arbeiten mit Hochdruck, um den Fall aufzuklären“, sagte Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich.

In der CSU-Spitze herrscht die Hoffnung, dass die Ermittlungen eher Wochen als Monate dauern und möglicherweise im September abgeschlossen sein könnten. Sollte sich das Verfahren länger hinziehen, halten mehrere CSU-Politiker den Sturz der Staatskanzleichefin für unvermeidlich. Die Opposition forderte Ministerpräsident Horst Seehofer ein weiteres Mal auf, Haderthauer zu entlassen.

Das ist Seehofers Kabinett

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AFP

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