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Umstrittene Versöhnung: Nach dem Friedensgipfel rumort es in der CSU-Fraktion.

Nach Spitzentreffen in München

Pro-Merkel-Kurs: CSU hadert mit der Versöhnung

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Nach der Versöhnung der CSU-Spitze mit der Kanzlerin rumort es in der Landtagsfraktion. Sogar von Parteiaustritten ist die Rede.  

München– In der CSU gibt es kurz nach dem Friedensgipfel mit der CDU massive Bedenken gegen den Pro-Merkel-Kurs der Parteispitze um Horst Seehofer. In der Sitzung der Landtagsfraktion meldeten sich nach Informationen unserer Zeitung zahlreiche Kritiker zu Wort, die von Unmut an der Basis berichteten. Es gebe Parteiaustritte, die Moral für den anstehenden Wahlkampf sei denkbar schlecht. Dagegen mahnten etliche erfahrene Politiker zu Geschlossenheit.

Die lange, sehr ernst geführte Debatte ist Ausdruck einer wachsenden Verunsicherung in der Partei. Angesichts der rasant wachsenden Zustimmung für die SPD und ihren Kanzlerkandidaten Martin Schulz ärgert es viele Abgeordnete auch, dass sie am Sonntag mit Frank-Walter Steinmeier einen SPD-Politiker zum Bundespräsidenten wählen müssen. Es herrsche derzeit eine „Überdosis“ SPD, hieß es.

Markus Söder kritisierte in der Sitzung die stark internationale Ausrichtung Merkels. Das allein genüge nicht, um die Wähler zu überzeugen. „Die Kanzlerin muss zeigen, dass ihr Deutschland am Herzen liegt“, sagte der Finanzminister. „Es geht nicht nur um die Obergrenze, sondern auch darum, was im Land los ist.“

münchen.tv-Video zur Krönung der Kanzlerin durch die CSU

Horst Seehofer kennt die Bedenken der Basis. Die Partei sei ungefähr zur Hälfte in Gegner und Anhänger von Merkel gespalten, sagte er. Es gebe aber aus strategischer Sicht keine Alternative. Man müsse sich wieder annähern. „Alles andere wäre die blanke Katastrophe – das sage ich als Parteivorsitzender in aller Deutlichkeit.“ Man könne ihn „nach der Wahl köpfen“, aber er glaube nicht, dass es dazu komme. Die SPD, nicht Merkel sei der Gegner. Seine Fraktion forderte er auf, Ideen für drei oder vier Leuchtturmthemen zu entwickeln. „Wir sind noch nicht in der Performance, Wahlen zu gewinnen.“

Anfang der Woche hatten die Präsidien von CDU und CSU in einer zweitägigen Debatte Merkel als Kanzlerkandidatin nominiert. In der CSU sorgt auch der lustlose Auftritt der CDU-Vorsitzenden bei der abschließenden Pressekonferenz für Unmut.

Video: snacktv

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