Schub für Atommeiler-Rückbau?

Neuer Castor-Behälter genehmigt

Berlin - Geht es nun voran mit dem bisher stockenden Rückbau der Atommeiler? Für mehrere Reaktoren musste erst ein neuer Castor genehmigt werden. Nun gibt es endlich grünes Licht.

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat einen dringend benötigten neuen Castor-Behälter für Atommüll genehmigt. „Nachdem der Antragsteller Ende Juli die letzten notwendigen Antragsunterlagen eingereicht hatte, stand einer zügigen Genehmigung nichts mehr im Wege“, sagte BfS-Sprecher Florian Emrich am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Dabei geht es um den Castor-Typ V52 für deutsche Siedewasserreaktoren, der aufgrund veränderter Anforderungen der Internationalen Atomenergiebehörde modernisiert werden musste.

Ohne Genehmigung hätte ein Betriebsstopp beim Atomkraftwerk Gundremmingen in Bayern gedroht. Zudem könnte sonst nicht der Brennstoff in den stillgelegten Anlagen Krümmel, Brunsbüttel und Isar I entfernt werden. „Die drängen, die wollen mit dem Rückbau beginnen“, sagte der Geschäftsführer der für die Castor-Fertigung zuständigen Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), Hannes Wimmer, der dpa. „Gundremmingen braucht den V/52 als erstes. Sonst muss die Anlage abgeschaltet werden, weil die Lagerbecken dann voll sind mit abgebrannten Brennelementen“, betonte Wimmer. In der Mülheimer GNS-Anlage werden bis zu 80 Behälter im Jahr fertiggestellt.

Insgesamt erfordert der Atomausstieg eine hohe Menge an Castor-Behältern, um den Brennstoff zunächst in Zwischenlagern „zu parken“. Ein Endlager gibt es bisher nicht, bis 2031 soll eines in Deutschland gefunden sein. Die Zeit drängt, da Zwischenlager und Castor-Behälter nur für 40 Jahre genehmigt sind. 2011 waren acht Anlagen stillgelegt worden, neun weitere werden bis 2022 schrittweise abgeschaltet. „Bis zur Brennstofffreiheit aller deutschen Anlagen werden noch gut 220 Castor-Behälter für Siedewasserreaktoren und rund 300 Castoren für Druckwasserreaktoren gebraucht“, betont Wimmer.

Sicherheitsproblem bei 44 Castor-Behältern

Ein anderes, auch am Freitag bekannt gewordenes Problem ist laut GNS nicht gravierend. Dabei geht es um 44 Castor-Behälter vom Typ V19 für Druckwasserreaktoren. Sie dürfen wegen möglicher Prüffehler vorerst nicht benutzt werden, allerdings sind vier Behälter bereits mit hoch radioaktivem Abfällen beladen. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hat die Benutzung untersagt, weil es Bedenken bei den Haltevorrichtungen (Tragstutzen) für das Anheben mit einem Kran gibt. Einen entsprechenden Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ bestätigte die GNS. „Es gibt aber nur ein formales Problem“, sagte Sprecher Michael Köbl. „Beanstandet wurde die Durchführung der Ultraschall-Prüfungen der Tragzapfen-Halbzeuge.“

Die Tragevorrichtungen müssen viel aushalten - ein Castor-Behälter wiegt rund 100 Tonnen. „Es liegen keine Erkenntnisse vor, dass es Materialfehler gibt“, so Köbl. Die schon beladenen Castor-Behälter stehen im Zwischenlager des niedersächsischen AKW Unterweser. Sobald sie wieder bewegt werden, sollen die Tragstutzen ausgetauscht werden. 13 der 44 Behälter seien ohnehin noch nicht ausgeliefert worden.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Donald Trumps Amtseinführung: So läuft der Inauguration Day ab
Washington - Am 20. Januar findet die Vereidigung von Donald Trump statt. Hier finden Sie alle Informationen zum Ablauf am sogenannten „Inaguration Day“ und wie Sie den …
Donald Trumps Amtseinführung: So läuft der Inauguration Day ab
Berichte: Trump besetzt letzten Kabinettsposten
New York (dpa) - Der künftige US-Präsident Donald Trump hat Medienberichten zufolge seinen letzten noch offenen Kabinettsposten besetzt.
Berichte: Trump besetzt letzten Kabinettsposten
Gambias Armee sagt sich von Ex-Präsident los
Eine Eingreiftruppe steht an der Grenze zu Gambia bereit. Präsident Jammeh scheint jedoch nicht zum Amtsverzicht bereit. Sein Nachfolger Barrow will trotzdem den Amtseid …
Gambias Armee sagt sich von Ex-Präsident los
Björn Höcke: Ein politischer Grenzgänger
Dresden - Heimspiel für Höcke: In Dresden prangert der Thüringer AfD-Politiker die deutsche Schuld-Kultur nach Krieg und Holocaust an. Der beurlaubte Geschichtslehrer …
Björn Höcke: Ein politischer Grenzgänger

Kommentare