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Die Vorsitzende der protestantisch-unionistischen DUP, Arlene Foster. Die DUP hat die Wahlen in Nordirland hauchdünn vor der katholisch-republikanischen Sinn-Fein-Partei gewonnen. Foto: Brian Lawless

DUP hauchdünn vor Sinn-Fein

Nordirland droht nach Wahl komplizierte Regierungsbildung

Mitten in den Brexit-Wirren wählten die Nordiren ein neues Parlament. Wenn sich die beiden großen Parteien nach dem extrem engen Wahlausgang nicht zusammenraufen, gibt es nur zwei Lösungen.

Belfast (dpa) - Nordirland steht nach einem extrem knappen Wahlsieg der protestantisch-probritischen Partei DUP vor einer schwierigen Regierungsbildung. Die DUP (Democratic Unionist Party) kam nach großen Stimmverlusten nur noch auf 28 Sitze, die katholisch-republikanische Sinn Fein auf 27.

Das gab das nordirische Wahlamt am Morgen in Belfast bekannt. Der Vorsprung soll lediglich etwas über 1000 Stimmen betragen.

Die Parlamentswahl hat mitten in den Brexit-Wirren eine besondere Bedeutung für das fragile Nordirland, das zum Vereinigten Königreich Großbritannien gehört. Künftig wird dort - an der Grenze zur Republik Irland - die EU-Außengrenze verlaufen. Schärfere Kontrollen könnten alte Wunden in den Ex-Bürgerkriegsregionen aufreißen und den Handel beeinträchtigen.

Die völlig zerstrittenen Parteien DUP und Sinn Fein stecken nun in einem Dilemma: Nach dem Karfreitagsabkommen von 1998, das offiziell Frieden schuf, muss die Regionalregierung aus einer Koalition der beiden größten katholischen und protestantischen Fraktionen gebildet werden. Für die Verhandlungen haben sie drei Wochen Zeit.

Die Parteien hatten sich wegen eines aus dem Ruder gelaufenen Förderprogramms für erneuerbare Energien zerstritten. Dabei waren umgerechnet fast 500 Millionen Euro Steuergelder verschwendet worden.

Sollten sich Sinn Fein und DUP nicht wieder zusammenraufen, könnte die Region eventuell vorübergehend aus London regiert werden. Eine andere Option wären erneute Wahlen.

Sinn Fein hatte die bisherige Regierungschefin Arlene Foster von der DUP für den Skandal verantwortlich gemacht und ihr Arroganz bei der Aufarbeitung vorgeworfen. Schließlich ließ Sinn Fein die Koalition platzen. Schon zuvor hatte sich das Bündnis aber oft gestritten.

Bei der Wahl 2016 hatte die DUP (38 Sitze) noch einen Vorsprung von zehn Sitzen gegenüber Sinn Fein (28 Sitze) erreicht. Bei der Abstimmung am Donnerstag gaben etwa 65 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab - die höchste Beteiligung seit 1998. An der Wahl vor zehn Monaten hatten nur rund 55 Prozent der 1,2 Millionen Wahlberechtigten teilgenommen.

Einen Platz in dem auf 90 Sitze verkleinerten Regionalparlament sicherte sich neben DUP-Chefin Foster auch die neue Sinn-Fein-Chefin Michelle O'Neill. Auf Platz drei landete die Ulster Unionist Party (zwölf Sitze), deren Vorsitzender Mike Nesbitt seinen Rücktritt bekanntgab. Die Social Democratic Labour Party kam auf zehn Sitze.

Nordirland leidet unter den Folgen des jahrzehntelangen Bürgerkriegs. Damals kamen mehr als 3600 Menschen ums Leben, fast 50 000 wurden verletzt, eine halbe Million Menschen sind psychisch traumatisiert.

Die Krise in Nordirland kommt für die britische Regierung wegen des geplanten Brexits zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt. Der Austritt aus der Europäischen Union samt des EU-Binnenmarktes und der Zollunion könnte den Friedensprozess in Nordirland gefährden.

Die Wahlen zur Northern Ireland Assembly finden regulär alle fünf Jahre statt. Zuletzt wurde in Nordirland im Mai 2016 gewählt.

Regierungswebseite Nordirland zu den Wahlen - Englisch

Karfreitagsabkommen - Englisch

Nordirland - jahrzehntelang Bürgerkriegsland

Der Nordirland-Konflikt

Die Leiden Nordirlands

- Nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs zwischen pro-irischen Katholiken und pro-britischen Protestanten in Nordirland wird am 10. April 1998 mit dem sogenannten Karfreitagsabkommen offiziell Frieden geschaffen.

- In dem Vertrag regeln Großbritannien, die Republik Irland und Führer nordirischer Parteien in Belfast, dass Protestanten und Katholiken gemeinsam eine Regionalregierung stellen.

- Die Bevölkerungen Nordirlands und Irlands stimmen später in Referenden dem Abkommen zu. Die pro-irische IRA und pro-britische Loyalisten legen in der Folge ihre Waffen nieder. Dennoch kommt es bis in die jüngste Zeit zu einzelnen Gewaltakten auf beiden Seiten.

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