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Proteste nicht erlaubt: Harter Kurs der Taliban gegen Meinungsfreiheit und Frauenrechte

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Taliban-Kämpfer stehen für ein Foto in der Provinz Pandschir zusammen
Taliban-Kämpfer stehen für ein Foto in der Provinz Pandschir zusammen © Mohammad Asif Khan / dpa

Kurz nach der Aufnahme ihrer Regierungsarbeit haben die Taliban einen harten Kurs gegen Meinungsfreiheit und Frauenrechte eingeschlagen.

Kabul - Proteste seien "bis auf Weiteres" nicht erlaubt, erklärten die Islamisten am Mittwochabend, nachdem es in mehreren Städten des Landes einzelne Demonstrationen gegen die neuen Herrscher am Hindukusch gab. Zudem wird Frauen das Arbeiten verboten beziehungsweise Frauen bekommen ihre Gehälter einfach nicht gezahlt. Frauen dürften ohne männliche Begleitung das Haus nicht mehr verlassen, krisitierte die UNO.

"Ich habe meine Arbeit aufgegeben, weil es kein Gehalt gibt. Es gibt überhaupt kein Gehalt mehr", sagte Latifa Alisada, die vor der Machtübernahme der Taliban als Krankenschwester in einem Krankenhaus in Kabul arbeitete. "Wenn ich dorthin gehe, sagen sie: 'Arbeite nicht mit in dieser Kleidung. Arbeite nicht mit Männern. Arbeite mit Frauen'. Das ist unmöglich", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP auf einem Markt in Kabul. Es gebe in ihrer medizinischen Arbeit keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen.

Alisada war die Ernährerin ihrer Familie: Sie versorgte ihre drei Söhne und ihren arbeitslosen Ehemann. Nun muss die Familie sehen, wie sie durchkommt.

"Wir erhalten jeden Tag Berichte über Rückschritte bei den Frauenrechten", sagte die in Kabul ansässige UN-Frauenrechtlerin Alison Davidian am Mittwoch in einer Videokonferenz der Vereinten Nationen.

Die Taliban haben seit ihrer Machtübernahme wiederholt versichert, ihre Herrschaft werde sich von ihrer Zeit an der Macht in den 1990er Jahren unterschieden. Damals mussten Afghaninnen zu Hause bleiben, die meisten Unterhaltungsangebote waren verboten und es wurden Strafen wie Steinigungen und öffentliche Hinrichtungen verhängt. Speziell zu Frauenrechten erklärten die Islamisten nun, diese würden "im Rahmen des Islam" respektiert.

Derweil steigen die Lebenmittel- und die Treibstoffpreise in Afghanistan. Die Möglichkeiten zum Geldverdienen sind eingeschränkt. In vielen Branchen reduzierten die Taliban zudem die Gehälter. Viele staatliche Dienste funktionieren nicht mehr, Banken sind geschlossen.

"Es wird befürchtet, dass Nahrungsmittelknappheit, höhere Inflation und ein Verfall der Währung zu einer Verschärfung der humanitären Notlage im ganzen Land führen werden", warnte die UNO. Währenddessen wird international debattiert, wie mit Afghanistan umgegangen werden soll. Dringend benötigte Hilfszahlungen, von denen Afghanistan in den vergangenen Jahren anhängig war, fließen nicht.

Am Dienstag hatten die Taliban ihre neue Regierung für Afghanistan vorgestellt. Im Kabinett finden sich ausschließlich Männer mit langjähriger Zugehörigkeit zu der islamistischen Bewegung.

mkü/yb

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