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Die Dalit Kaste in Indien demonstriert gegen Gerichtsurteil. 

Angst vor Diskriminierung

Proteste von Indiens niedrigster Kaste fordern zahlreiche Tote

Unmut über die drohende Lockerung eines Antidiskriminierungsgesetzes hat in Indien zu gewaltsamen Protesten mit etlichen Todesopfern geführt.

Neu Delhi - Zahlreiche Angehörige der früher als "Unberührbare" verschrienen Kaste Dalit gingen am Montag in fünf Bundesstaaten auf die Straße und brachten den Verkehr zum Erliegen. Zwei Tage zuvor soll ein Dalit totgeprügelt worden sein, weil er entgegen althergebrachter Regeln ein Pferd besaß.

Bei den Protesten kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Demonstranten attackierten Busse und Regierungsgebäude und blockierten Züge und Straßen. Der Polizeichef des zentralindischen Bundesstaats Madhya Pradesh, Rishi Kumar Shukla, bestätigte vier Todesopfer. Mittlerweile seien die Proteste aber "unter Kontrolle" gebracht worden. Berichte über weitere Tote in Madyha Pradesh bestätigte die Polizei nicht. In Teilen der Stadt Gwalior wurden nach Angaben des örtlichen Polizeichefs Anshuman Yadav eine Ausgangssperre verhängt.

Zudem meldete die Polizei in den Bundesstaaten Uttar Pradesh und Rajastan jeweils ein Todesopfer bei den Protesten. In Muzaffarnagar in Uttar Pradesh seien bei den Protesten zudem rund 30 Polizisten und zwischen 30 und 35 Demonstranten verletzt worden, einer von ihnen schwer, teilte die Polizei mit. Aus Rajasthan wurden etwa 20 Verletzte gemeldet.

„Indien stilllegen“ lautete das Motto einiger Demonstranten

Unruhen gab es auch in der Hauptstadt Neu Delhi und den Bundesstaaten Punjab und Bihar. Dalit-Aktivisten hatten zu den Protesten unter dem Motto "Indien stilllegen" ("Bharat Bandh") aufgerufen. Die Wut richtet sich gegen ein Urteil des Obersten Gerichtshofes. Dieses hatte die obligatorische Inhaftierung von Verdächtigen bei Verstößen gegen ein Antidiskriminierungsgesetz aus dem Jahr 1989 aufgehoben.

Die drohende Lockerung eines Gesetzes, das die Rechte zahlreicher Menschen schützt, löste den Protest aus

Das Gesetz soll die Rechte der rund 200 Millionen Dalit als niedrigste Kaste Indiens sowie andere gesellschaftliche Gruppen vor Diskriminierung schützen. Heimatminister Rajnat Singh sagte, seine Regierung lege Berufung ein gegen die Gerichtsentscheidung. Zugleich rief er die Bevölkerung zur Ruhe auf.

Das Ausmaß der Diskriminierung der Dalit zeigt ein Fall im westlichen Bundesstaat Gujarat: Dort ist offenbar ein Landwirt wegen des Besitzes eines Pferdes zu Tode geprügelt worden. Der Vater des 21-jährigen Dalit gab nach Polizeiangaben vom Samstag an, die Täter hätten seinem Sohn den Besitz des Reittieres verübelt. In Indien gelten Pferde als Symbol für Macht und Wohlstand.

Der Vater sagte laut Polizei aus, er habe seinem Sohn das Pferd vor acht Monaten gekauft. "Seine Liebe zu Pferden hat zu dem Mord geführt", sagte er. Drei Verdächtige seien festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Die Männer aus der oberen Kshatriya-Kaste würden befragt.

AFP

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