Rechte Miliz wütend auf einstiges Vorbild

Nach Begnadigungswelle: Rechtsextreme Proud Boys rechnen mit Donald Trump ab - „totaler Reinfall“

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    vonAnna-Katharina Ahnefeld
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Noch vor wenigen Wochen zählten die rechtsextremen Proud Boys zu Donald Trumps treuesten Unterstützern. Doch bei den Begnadigungen gingen sie leer aus - sie fühlen sich betrogen.

  • Bei der Stürmung des Kapitols am 6. Januar waren Mitglieder der rechten Miliz Proud Boys dabei.
  • Sie gaben sich Donald Trump gegenüber treu ergeben.
  • Doch Begnadigungen erhielten sie dafür nicht - und sind nun wütend.

Washington, D.C - Nach der Stürmung des Kapitols kam Nancy Pelosi der erschreckende Gedanke. Die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses wollte dringend ein zweites Impeachment-Verfahren - auch um zu verhindern, dass Donald Trump auf den letzten Metern seiner Präsidentschaft Teile eines rechten Mobs begnadigt. Eben jene Menschen, die bis ins Herzstück der US-amerikanischen Demokratie vorgedrungen waren und sich nun dafür verantworten müssen.

Sie hätte sich nicht fürchten müssen. Zwar löste Trump in seinen letzten Stunden als Präsident eine Begnadigungswelle aus. Doch auf dieser surften Reiche, Korrupte und einige, von denen Donald Trump profitierte. Nicht aber der rechtsextreme Teil der Trump-Basis, der am 6. Januar das Kapitol verwüstete. Und das, obwohl mehrere Randalierer ihn nach Begnadigungen ersuchten. Diese werden sich nun der Justiz stellen müssen. Für zahlreiche seiner Anhänger:innen dürfte dies ein Schlag ins Gesicht sein. Und für die rechtsextreme Gruppierung Proud Boys ist das einstige Vorbild seit dem Machtwechsel im Weißen Haus eines: Ein „kompletter Reinfall“.

Donald Trump löste Begnadigungswelle aus - Doch rechter Mob bei Stürmung Kapitol geht leer aus

Einen der eindrücklichsten Anblicke lieferte Jacob Chansley: Gekleidet in Tierfell, mit einem Speer in den Händen und den freien Oberkörper voller Tattoos erschien der QAnon-Anhänger wie eine Schreckensgestalt, die Trump zum Leben erweckt hatte. Seine Anwältin forderte Trump dazu auf, „jene friedvollen Anhänger:innen, die dem Ruf des Präsidenten gefolgt waren, zu begnadigen“. Eine weitere Kapitol-Invasorin sagte dem FBI: „Wir alle verdienen eine Begnadigung.“ Nun ist klar: Donald Trump hat sie nicht erhört.

NameProud Boys
BeschreibungRechtsradikale Organisation, bestehend ausschließlich aus Männern
Gründung2016, Anführer Enrique Tarrio
ZielWiderstand gegen die staatlichen Institutionen, sie glauben, dass weiße Männer vor der Auslöschung stehen.

Unter jenen, die sich nun nach der Erstürmung des Kapitols verantworten müssen, sind Mitglieder der Männer-Gruppierung Proud Boys. Dass der ehemalige US-Präsident Donald Trump sich nicht für sie einsetzte, stößt denen nun übel auf. Dabei hatten sie ihm im Kampf um das Amt des US-Präsidenten ihre „unsterbliche Loyalität“ zugesichert. Das ist vorbei. Trump sei „schwach“, ein „Lockvogel“ und „wird als totaler Reinfall untergehen. “ Das soll der New York Times zufolge im gleichnamigen Telegram-Channel der Proud Boys gepostet worden sein.

Proud Boys: Rechtsextreme Männer-Gruppierung wütend auf Trump - „totaler Reinfall“

In anderen Chatforen von Telegram und Gab, einer weiteren bei Rechten beliebten Plattform, wurde Donald Trump als „außergewöhnlich schwach“ beschrieben, berichtet das Blatt. Eine bemerkenswerte Kehrtwende. Denn die paramilitärische Miliz unter ihrem Anführer Enrique Tarrio war dem ehemaligen US-Präsidenten bislang treu ergeben. Bei einer Wahlkampfveranstaltung hatte Trump die „Proud Boys“ sogar aufgefordert, „bereit zu stehen“. Zum blanken Entsetzen der Öffentlichkeit.

Doch die Amtsübergabe an Joe Biden, die - verspätete - Verurteilung der Kapitol-Erstürmung und wohl auch das Aus Trumps bei der Kommunikationsplattform Twitter, über die er bislang mit seinen Anhänger:innen kommunizierte, hat den Graben zwischen ihm und den Proud Boys vertieft. Dass er nun noch nicht mal, so offenbar das Gedankenspiel der rechten Gruppe, jene begnadigte, die sich der Justiz stellen müssen, machte aus dem Graben einen klaffenden Abgrund.

Sogar ein Willkommensgruß an den 46. US-Präsidenten Joe Biden war im Proud-Boys-Telegram-Kanal zu lesen: „Diese Regierung ist zumindest ehrlich, was ihre Absichten betrifft.“ Was Donald Trump seiner einst loyalen Basis in seiner Abschiedsrede zurief? „Habt ein schönes Leben!“ Und weg war er in Richtung des Sunshine-States Florida.(aka)

Rubriklistenbild: © Carol Guzy via www.imago-images.de

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