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Die Lebenserwartung steigt. Sollte deshalb auch länger gearbeitet werden?

Unsozial?

Junge Union: Forderung nach längerer Lebensarbeitszeit

Berlin - Arbeiten bis zum Umfallen? Die Nachwuchspolitiker von CDU und CSU wollen, dass die Menschen immer später in Rente gehen. Richtig, sagen Unternehmer. Unsozial, schimpft die Linke.

Die Junge Union fordert eine ständige Erhöhung der Lebensarbeitszeit. Wenn Altersarmut verhindert werden solle, könne es bei der Rente mit 67 Jahren nicht bleiben, sagte der Vorsitzende der Nachwuchsorganisation von CDU und CSU, Paul Ziemiak.

Stattdessen müsse das Renteneintrittsalter an die statistische Lebenserwartung gekoppelt werden - gestaffelt nach Dekaden. "Wenn etwa für die Menschen der Jahrgänge 1980 bis 1990 eine höhere Lebenserwartung von 2,5 Jahren prognostiziert wird als in der Dekade davor, soll ihr Renteneintrittsalter um ein Viertel, sprich um 7,5 Monate erhöht werden", sagte Ziemiak.

Der Vorsitzende der Senioren Union, Otto Wulff, äußerte sich skeptisch. Er sagte der dpa: "Jetzt schon eine genaue Prognose für die nächsten 20 Jahre zu stellen, halte ich für sehr schwierig. Zumal man nicht weiß, wie sich die Geburtenzahl und die Integration der Flüchtlinge entwickeln wird." Aus der CDU-Spitze verlautete, Alterssicherung und Bekämpfung der Altersarmut seien wichtige Themen für die Volkspartei. Auf Ziemiaks Vorschlag reagierte die Parteiführung von Kanzlerin Angela Merkel nicht konkret.

Linksfraktionsvize Jan Korte sagte, wer Altersarmut verhindern wolle, müsse den Mindestlohn deutlich erhöhen und in das Rentensystem auch Selbstständige, Beamte und Politiker einbeziehen. Er mahnte: "Während manche Menschen bis zum Umfallen arbeiten müssen, haben andere zu wenig oder gar keine Arbeit."

Ziemiak sagte: "Wir haben immer weniger Beitragszahler bei immer längerer Lebensdauer. Wenn wir nichts ändern, werden Rentner in 30 bis 40 Jahren vielleicht noch 30 Prozent ihres vorherigen Durchschnittseinkommens erreichen. Davon werden sie nicht leben können." Die kapitalgedeckte Altersvorsorge werde an Wert verlieren, weil die Rückstellungen wegen der sinkenden Zinsen nicht mehr ausreichten. Die gegenwärtige Zinspolitik der Europäischen Zentralbank werde von vielen noch unterschätzt. Die von der SPD durchgesetzte Rente mit 63 sei ein Fehler und die geplante solidarische Lebensleistungsrente gehe in die falsche Richtung.

"Wir haben immer weniger Beitragszahler bei immer längerer Lebensdauer. Wenn wir nichts ändern, werden Rentner in 30 bis 40 Jahren vielleicht noch 30 Prozent ihres vorherigen Durchschnittseinkommens erreichen", sagt Paul Ziemiak.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Junger Unternehmer, Hubertus Porschen, pflichtete Ziemiak bei. Er sagte der dpa, mit "diversen Rentenpakete dieser Jahre" bedienten Union und SPD ihre - älteren - Wähler. "Für die Jungen wird gleichzeitig die Möglichkeit eines privaten Altersvorsorge-Aufbaus erschwert, weil die große Koalition die Frankfurter Niedrigzinspolitik geschehen lässt. Längere Arbeitszeiten helfen, aber sie reichen nicht. Und es reicht auch nicht, wenn sie erst diejenigen treffen werden, die bereits jetzt die Opfer des nicht ehrlich angelegten "Generationenvertrages" sind." Auch der Präsident des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, Alexander Erdland, erklärte: "Schon wegen der steigenden Lebenserwartung sollten wir darüber reden, wann und wie wir die durchschnittliche Lebensarbeitszeit ausdehnen. Wir sollten den Menschen gegenüber ehrlich sein und die Folgen der längeren Lebenserwartung frühzeitig diskutieren."

Die stellvertretende FDP-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sagte: "Aufgrund der Tatsache, dass kaum jemand bis 67 arbeitet und dies in vielen handwerklichen Berufen aufgrund der körperlichen Beanspruchung auch gar nicht zumutbar ist, bedeutet jedes Jahr eines späteren Renteneintritts eine faktische Rentenkürzung." Nötig seien ein flexibles Rentenmodell und die Abschaffung einer starren Altersgrenze. "Hierbei soll jeder Versicherte die Bezüge erhalten, die er sich mit seinen Beiträgen erworben hat."

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