+
Marla Quinones sieht sich in San Juan mit einem Vergrößerungsglas ihren Stimmzettel an. Bei einer Volksabstimmung entschied sich eine Mehrheit dafür, ein vollwertiger US-Staat zu werden. Foto: Carlos Giusti

Volksabstimmung

Puerto Rico will ein US-Staat werden

Die Puertoricaner sind US-Bürger, aber sie haben nicht die selben Rechte wie ihre Landsleute in den 50 US-Staaten. In einer Volksabstimmung fordert die Mehrheit, dass die Insel ein vollwertiger US-Staat wird. Die Entscheidung liegt aber in Washington.

San Juan (dpa) - Die Bürger von Puerto Rico haben sich in einer Volksabstimmung mit einer überwältigenden Mehrheit dafür ausgesprochen, dass ihre Karibikinsel der 51. US-Staat werden soll. Allerdings ist das Referendum nicht bindend, denn diese Entscheidung kann nur der Kongress in Washington treffen.

Bislang ist die frühere spanische Kolonie lediglich assoziierter Freistaat der USA. "Heute haben wir, die Puertoricaner eine starke und deutliche Botschaft an den US-Kongress und an die Welt geschickt, und beanspruchen unser gleiches Recht als US-Bürger", zitierte der Sender CNN aus einer Mitteilung von Gouverneur Ricardo Rosselló.

Die Wahlbeteiligung lag auch wegen eines Boykottaufrufs der Opposition bei knapp 23 Prozent der 2,3 Millionen Wahlberechtigten. Nach Auszählung von 99 Prozent der abgegebenen Stimmen stimmten 97,2 Prozent für die Umwandlung in einen US-Staat. Den Wählern stand auch die Unabhängigkeit als weitere Option offen, doch gab es dafür lediglich 1,5 Prozent der Stimmen. Für die Beibehaltung des Status als assoziierter Freistaat votierten 1,32 Prozent der Stimmberechtigten.

Es ist schon das fünfte Plebiszit über die Zukunft der östlich der Dominikanischen Republik gelegenen spanischsprachigen Insel mit rund 3,4 Millionen Einwohnern. Bisher hatte der Status quo dreimal gesiegt, beim Plebiszit vor fünf Jahren hatte sich eine knappe Mehrheit für eine Zukunft als US-Staat ausgesprochen. Doch blieb die Entscheidung des US-Kongresses aus.

Die Puertoricaner sind US-Bürger, aber sie dürfen nicht an der Präsidentenwahl teilnehmen, und ihre Delegierten im US-Kongress haben kein Stimmrecht. Kritiker sprechen von einem kolonialen System, das die regierende Neue Progressive Partei (PNP) nun ändern will.

Es geht auch um Geld: Puerto Rico ist praktisch pleite. Als US-Bundesstaat könnte sich die Insel nach US-Insolvenzrecht für zahlungsunfähig erklären, wie es etwa die Stadt Detroit getan hat.

Ergebnisseite Wahlkommission CEE, Span.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nach Präsidentenwahl in Kenia: Opposition legt Einspruch ein
Kenias Opposition will das Wahlergebnis von vor rund einer Woche nicht anerkennen. Die Computer seien manipuliert worden, lautet einer der Vorwürfe. 
Nach Präsidentenwahl in Kenia: Opposition legt Einspruch ein
Rechte „Identitäre“ in Barcelona nicht willkommen
Nach dem Terroranschlag von Barcelona marschierten Mitglieder der Identitären Bewegung in der Stadt auf. Passanten stellten sich den Rechten entgegen.
Rechte „Identitäre“ in Barcelona nicht willkommen
Terror-Fahrer von Barcelona war erst 17 und kündigte die Tat an
Sein Anschlag tötete 14 Menschen und wollte offenbar noch viel mehr treffen - über den Attentäter von Barcelona gibt es mittlerweile nähere Erkenntnisse.   
Terror-Fahrer von Barcelona war erst 17 und kündigte die Tat an
Merkel zu Erdogan: „Wir verbitten uns jede Art von Einmischung“
Der türkische Präsident Erdogan hat die türkischstämmigen Wähler zum Boykott bei der Bundestagswahl aufgerufen. Bundeskanzlerin Angela Merkel übt an der Einmischung …
Merkel zu Erdogan: „Wir verbitten uns jede Art von Einmischung“

Kommentare