+
Carles Puigdemont (r), der Ex-Regierungschef von Katalonien, spricht mit Journalisten im belgischen Exil. Foto: Thierry Roge/BELGA/Archiv

Konfliktregion Katalonien

Puigdemont macht Weg frei für Alternativ-Kandidaten

Carles Puigdemont wirft das Handtuch. Der Chef der katalanischen Separatisten geht einen Schritt zur Seite, damit die Befürworter der Unabhängigkeit in der spanischen Konfliktregion nach dem Wahlerfolg vom Dezember endlich eine Regierung bilden können.

Madrid (dpa) - Zehn Wochen nach der Neuwahl in Katalonien kann die spanische Konfliktregion auf eine Wiederbelebung der stockenden Gespräche zur Bildung einer neuen Regierung hoffen. Der umstrittene Separatisten-Chef Carles Puigdemont erklärte am Donnerstagabend seinen Verzicht auf die Regionalpräsidentschaft und machte so den Weg für einen Alternativ-Kandidaten frei.

Puigdemont hält sich seit Monaten in Belgien auf, um den Ermittlungen der spanischen Justiz unter anderem wegen Rebellion zu entkommen. Deshalb waren sowohl die Zentralregierung in Madrid als auch die Justiz gegen seine Kandidatur für die Regionalpräsidentschaft.

In einem auf Twitter geposteten Video nannte Puigdemont seinen Verzicht allerdings "vorläufig". Das sei "unter den aktuellen Umständen der einzige Weg, eine neue Regierung" in Katalonien bilden zu können, erklärte der 54-Jährige. Er rief auch kämpferisch: "Wir werden nie aufgeben, wir werden nie abtreten."

Nach einem illegalen Unabhängigkeitsreferendum und einem Beschluss zur Abspaltung von Spanien war Puigdemont Ende Oktober 2017 von der Zentralregierung als Regionalpräsident abgesetzt worden. Bei der Neuwahl kurz vor Weihnachten errangen die von ihm angeführten Unabhängigkeitsbefürworter aber wieder die absolute Mehrheit der Sitze im Parlament von Barcelona. 

Unmittelbar nach seiner Amtsenthebung hatte sich Puigdemont nach Brüssel abgesetzt, um der spanischen Justiz zu entkommen. Gegen ihn wird unter anderem wegen Rebellion ermittelt. Da ihm bei einer Rückkehr in die Heimat die sofortige Inhaftierung droht, hatte er bisher vor, Katalonien von Belgien aus zu regieren.

Nach Medienberichten haben sich die drei für die Unabhängigkeit Kataloniens eintretenden Parteien hinter den Kulissen bereits auf Jordi Sánchez als neuen Kandidaten für die Regionalpräsidentschaft geeinigt. Das Problem: Der 53 Jahre alte frühere Präsident der Separatisten-Organisation Katalanische Nationalversammlung (ANC) sitzt wegen "aufrührerischen Verhaltens" in Untersuchungshaft. Es gilt als sehr fraglich, dass die Justiz seine Kandidatur zulässt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Senator McCain bezeichnet Trumps Auftritt mit Putin als historischen "Tiefpunkt"
Donald Trump und Wladimir Putin treffen sich am Montag zum mit großer Spannung erwarteten Gipfel in Helsinki. Wir berichten im News-Ticker.
Senator McCain bezeichnet Trumps Auftritt mit Putin als historischen "Tiefpunkt"
Neue Einigkeit zwischen EU und China
Im Schatten des Handelsstreits mit Trump: Erstmals seit Jahren machen die EU und China wieder Fortschritte in wichtigen Handelsfragen.
Neue Einigkeit zwischen EU und China
Schlechte Umfragewerte: Markus Söder distanziert sich von Horst Seehofer
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat ein wichtiges Datum im Visier: die Landtagswahlen am 14. Oktober. Die Umfragewerte sind jedoch mies und Söder hat …
Schlechte Umfragewerte: Markus Söder distanziert sich von Horst Seehofer
Merkel im Altenheim: Pflegeberuf durch gute Löhne stärken
In ihrer letzten Videobotschaft nannte die Kanzlerin Pflegende "Helden des Alltags". Nun besucht sie einen solchen Alltagshelden und betont: Dem Personalmangel muss mit …
Merkel im Altenheim: Pflegeberuf durch gute Löhne stärken

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.