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Putin droht mit Atomwaffen - so schlecht wäre Deutschland auf einen Angriffsfall vorbereitet

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Was wäre, wenn Deutschland von einer ausländischen Macht angegriffen würde wie die Ukraine von Russland? Laut Experten ist der Katastrophenschutz kaum vorhanden.

München/Moskau - Es sind Drohgebärden, wie man sie eigentlich nur mit den Zeiten des Kalten Kriegs in Erinnerung bringt: Russlands Präsident Wladimir Putin hat im Ukraine-Krieg (Chronologie) als Antwort auf die westlichen Sanktionen den Einsatz von Atomwaffen in den Raum gestellt und dadurch eine eindeutige Botschaft an den Westen gesandt. Dies tat der Kreml-Chef, indem er die strategischen Raketentruppen, die Nord- und Pazifikflotte sowie die Langstreckenflotte der Luftstreitkräfte Russlands in erhöhte Alarmbereitschaft versetzte. Was aber passiert nun in Deutschland, sollte das Unmögliche tatsächlich geschehen? Wären wir überhaupt auf einen Katastrophenfall vorbereitet?

Die kurze Antwort lautet: Nein. „Wir haben erheblichen Nachholbedarf, was den Katastrophenschutz insgesamt angeht“, sagte Gerd Landsberg vom Deutschen Städte- und Gemeindebund der Welt.

Zentrale Punkte des Katastrophenschutzes fehlten hierzulande, so Landsberg: „Es existiert kein bundesweites Lagebild und kein Alarmsystem, um die Bevölkerung zu informieren. Es gibt keine Depots, in denen haltbare Lebensmittel und Notstromaggregate bereitgehalten werden, um die Bevölkerung in größerem Umfang damit zu versorgen. Und es wurden viele Jahre keine umfassenden Katastrophenschutzübungen mehr abgehalten.“

Ukraine-Krieg: Es gibt keine öffentlichen Bunker mehr in Deutschland

Landsberg weiter: „Hinzu kommt, dass die meisten Bürger die Eigenvorsorge vernachlässigt haben. Kaum einer verfügt über Reserven an Wasser und Nahrungsmitteln für einen längeren Zeitraum. Viele haben nicht mal ein Radio, das mit Batterien funktioniert.“ Auch laut dem Vorsitzenden des Zukunftsforums Öffentliche Sicherheit, Albrecht Broemme gibt es „Nachrüstungsbedarf gegen die Bedrohung durch ABC-Waffen“. Das erklärte er laut Welt bei einer Expertenanhörung des Bundestags im Vorjahr.

Öffentliche Bunker gibt es keine im ganzen Land. Während des Kalten Krieges gab es noch 2000 dieser Schutzräume, doch 2007 entschied sich die Bundesregierung, diese aufzugeben. Laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ist ein Grund hierfür, dass von einem „Schadenszenario ohne Vorwarnzeit“ ausgegangen wird. „Im Ergebnis stehen in Deutschland keine öffentlichen Schutzräume mehr zur Verfügung“, so ein Sprecher Bundesanstalt für Immobilienaufgabe. 9000 private Schutzräume gibt es zwar - doch die sind eben nicht für jeden zugänglich.

Folgt im Ukraine-Konflikt ein Atomkrieg? Dieser könnte schließlich apokalyptische Folgen für das Leben auf der Erde haben. (Symbolbild)
Folgt im Ukraine-Konflikt ein Atomkrieg? Dieser könnte schließlich apokalyptische Folgen für das Leben auf der Erde haben. (Symbolbild) © dpa

Wie sollte man sich als Bürger also schützen? Vor einer Atombombe aus dem russischen Arsenal* ist natürlich kaum jemand gefeit, und Deutschland wäre machtlos gegen einen solchen Angriff. „Gegen die beispielsweise in der Region Kaliningrad stationierten Kurz- und Mittelstreckenraketen gibt es trotz der Raketenabwehrsysteme so gut wie keine Verteidigung. Sie erreichen Berlin in wenigen Minuten“, so Franz-Stefan Gady, Politikberater und Analyst am Institute for International Strategic Studies.

Ukraine-Krieg: Bundesamt rät Deutschen, für Notfall Vorräte anzulegen

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät jedem Bürger, Vorräte für Krisenzeiten anzulegen, und hat eine entsprechende Checkliste ersonnen. Zehn Tage soll man ohne Einkaufen und Wasserzufuhr überleben können, egal um welche Katastrophe es sich handelt. Auch bei der Flutkatastrophe im Ahrtal oder bei der Corona-Pandemie waren viele Bürger nicht auf den Ernstfall vorbereitet. Zwei Liter pro Person und Tag an Trinkwasser sollten bereitstehen, ebenso wie Batterie-Radios und Essenskonserven. Zwei Drittel der Menschen in Deutschland sind laut dem Amt nicht auf einen Katastrophenfall vorbereitet.

Zum Glück heißt Putins Drohung jedoch nicht, dass ein solcher Fall demnächst eintritt. „Die Alarmbereitschaft für die sogenannten Abschreckungswaffen bedeutet nicht, dass Russland kurz davor steht, Atomwaffen einzusetzen“, so Carlo Masala, Militärexperte an der Universität der Bundeswehr in München, im ARD-„Brennpunkt“. Am Ende wolle der russische Machthaber damit nur folgende Botschaft an den Westen versenden: Haltet euch raus. „Diese Alarmbereitschaft ist die zweite von vier Eskalationsstufen, Putin hatte sie bereits im Zuge der Annexion der Krim 2014 ausgerufen.“

Ähnlich auch Experte Gustav Gressel im Interview mit Merkur.de die Gefährdung durch Putins Atomdrohung eingeschätzt. Es bleibt zu hoffen, dass auch diesmal keine weitere Eskalation erfolgt. (cg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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