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Akuter Rekruten-Mangel? Jetzt soll sogar „Putins Koch“ aktiv um „Mörder und Räuber“ werben

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Von: Franziska Schwarz

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Der auch als „Putins Koch“ bekannte russische Geschäftsmann Jewgeni Prigoschin im Jahr 2016 in St. Petersburg
Auch als „Putins Koch“ bekannt: Jewgeni Prigoschin (Archivbild von 2016) © ITAR-TASS/Imago

Jewgeni Prigoschin wurde laut Beobachtern wirtschaftlich so erfolgreich, weil ihn Wladimir Putin begünstigte. Außerdem soll er enge Verbindungen zur Söldnertruppe Wagner haben.

München - Warum der Beiname von Jewgeni Prigoschin „Putins Koch“ lautet, ist schnell erzählt: Er soll den Kremlchef in einem seiner Restaurants kennengelernt haben. Viel wichtiger im Ukraine-Krieg: Der 61-jährige steht auf der EU-Sanktionsliste, weil er nach deren Auffassung wichtiger Geldgeber und inoffizieller Chef der Söldner-Gruppe Wagner ist - und deren Mitglieder soll er nun selbst in Straflagern rekrutieren. 

Das berichtet die unabhängige russischsprachige Website Mediazona. „Es sieht so aus, als ob Jewgeni Prigoschin persönlich Söldner in den Kolonien rekrutiert“, hieß es am 6. August. Ein Strafgefangener berichtete dem Portal demnach, Prigoschin interessiere sich „zuallererst für Mörder und Räuber“, bei der Anwerbung von Drogenabhängigen oder Vergewaltigern sei er skeptisch.. 

Die russische Söldnertruppe Wagner füllt beim russischen Angriffskrieg auf die Ukraine wohl zunehmend die Lücken. So schätzte es der britische Geheimdienst im Juli ein. So hätten die Wagner-Kämpfer in jüngsten Gefechten in der Ukraine eine zentrale Rolle gespielt.

Putins Rekruten - schlechte Ausbildung als Risikofaktor für den Ukraine-Krieg?

Die Geheimdienstler gehen allerdings auch davon aus, dass die Söldnertruppe schwere Verluste hinnehmen musste. Das führe zu niedrigeren Standards bei der Rekrutierung neuer Kämpfer, unter denen verurteilte Kriminelle und zuvor abgelehnte Bewerber seien. Diese neuen Rekruten würden nur sehr eingeschränkt ausgebildet, was die Schlagkraft der Truppe und damit ihren Wert als Unterstützung für das russische Militär vermutlich verringern werde. Der Chef der Gruppe Wagner äußert sich zu einem dazu veröffentlichten Video in bemerkenswerter Weise.

Zu Spannungen zwischen Söldnern und regulären militärischen Einheiten könnte laut den britischen Experten führen, dass Prigoschin für den Einsatz der Truppe in der Region Luhansk die Auszeichnung als „Held der Russischen Föderation“ erhalten habe. „Das kommt zu einer Zeit, in der eine Reihe sehr hochrangiger Kommandeure ausgetauscht werden“, schrieben sie in ihrem regelmäßigen Ukraine-Krieg-Update. Die Moral der russischen Truppen könne davon negativ beeinflusst werden.

Putin-Freund klagt gegen EU-Sanktionen - erstes Urteil gefallen

Das Gericht der Europäischen Union hatte indes am 1. Juni eine Klage Prigoschins abgewiesen. Die Richter sahen es nach einem Urteil als nicht erwiesen an, dass die Strafmaßnahmen gegen den Vertrauten von Wladimir Putin unzureichend begründet sind und auf unzulässigen Beweisen beruhen.

Prigoschin werden seit 2020 Verstöße gegen das UN-Waffenembargo gegen Libyen vorgeworfen. Seit April 2022 fällt er auch unter EU-Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs. Prigoschin bekommen nach dpa-Informationen vom russischen Staat lukrative Verträge für die Schulspeisung und Versorgung von Kindergärten. Auch eine Trollfabrik in St. Petersburg, die im Internet gezielt Falschnachrichten verbreitet, wird mit ihm in Verbindung gebracht. (frs mit Material von AFP und dpa)

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