Kreml-Chef bestreitet Schuld

Im Gas-Konflikt: Putin spottet über deutsche Energiespar-Pläne – „was für ein Blödsinn“

  • VonBedrettin Bölükbasi
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Putins Angriffskrieg in der Ukraine sorgt für Befürchtungen einer Gaskrise in Europa. Der Kreml-Chef spottete nun über Sparpläne, die dies verhindern sollen.

München – Europäische Länder fürchten aktuell eine schwere Gas-Krise. Hintergrund ist der Ukraine-Krieg. Russlands Machthaber Wladimir Putin drosselt Lieferungen – wohl nicht zuletzt, um Europa über dessen Energieabhängigkeit unter Druck zu setzen.

Um auf den Fall der Fälle – ein Komplett-Stopp von russischem Gas – vorbereitet zu sein, entwerfen viele Länder Energiespar-Pläne. Die EU-Kommission verkündete ebenfalls einen Gasnotfallplan. Auch Deutschland will Energie sparen. Putin hat sich nun über demonstrativ über die EU-Energiespar-Pläne lustig gemacht.

Wladimir Putin spottete über Deutschlands Energiespar-Pläne. (Archivbild)

Putin spricht von „Blödsinn“ bei deutschen Gas-Sparplänen – Kreml-Chef spottet

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte zuletzt verschiedene Pläne und Maßnahmen gegen Energieengpässe vorgestellt. Unter anderem rief er Haushalte dazu auf, Energie zu sparen, da „jede Kilowattstunde“ zähle. Er selbst dusche etwa kürzer, verriet der Minister. Immerhin sei dies eine Empfehlung seines Ministeriums.

Solche Vorschläge stoßen bei Putin jetzt auf Spott. Er habe kürzlich ein Schaubild gesehen, auf dem Menschen nahe gelegt werden, nur noch bestimmte Körperstellen zu waschen, um warmes Wasser zu sparen und auf diese Weise ihm zu schaden, sagte er der Agentur Interfax zufolge. „Nun, was soll denn das?“, führte der Kremlchef an und fügte hinzu: „Sie sind völlig verrückt geworden. Sparen Sie Wasser, sparen Sie Strom. Was für ein Blödsinn ist das denn einfach?“

Der Ukraine-Krieg in Bildern – Zerstörung, Widerstand und Hoffnung

Am 24. Februar beginnt Russland mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine. Die Stadt Tschuhujiw wird bereits am ersten Tag des Krieges bombardiert. Helena, eine 53 Jahre alte Lehrerin, steht dort vor einem Krankenhaus.
Das „Z“ findet sich, wie hier am Kontrollpunkt Perekop nahe der Halbinsel Krim, auf nahezu allen Militärfahrzeugen der russischen Armee. Es wird im weiteren Verlauf zum Symbol für den Überfall Russlands auf die Ukraine.
Zu Beginn des Ukraine-Kriegs kommt es wie hier in Moskau in zahlreichen Städten Russlands zu Demonstrationen. Die Staatsmacht im Kreml geht mit aller Härte gegen die Teilnehmenden vor. Tausende Personen werden verhaftet.
Weltweit gehen die Menschen gegen den Ukraine-Krieg auf die Straßen. Eine Demonstrantin in Montreal (Kanada) macht deutlich, wen sie für das Leid in der Ukraine verantwortlich macht: Russlands Präsidenten Wladimir Putin.
Der Ukraine-Krieg in Bildern – Zerstörung, Widerstand und Hoffnung

Putin macht westliche Politiker für Gasprobleme verantwortlich – „Russland hat nichts damit zu tun“

Putin warf westlichen Politikern zudem vor, für eigenes Fehlverhalten Russland verantwortlich zu machen: „Da haben sie selbst Fehler gemacht, wissen nicht, was sie tun sollen und suchen Schuldige.“ In vielen Ländern sei es bereits „zur Mode“ geworden, etwa im Energiesektor herumzuspekulieren, behauptete der russische Präsident. „Sie machen den Menschen mit diesen Problemen Angst, und dann treffen sie Entscheidungen, die unvernünftig und unberechenbar sind. Und der nächste Schritt ist: Sie suchen nach Schuldigen“, so Putin.

Als Energielieferant werde Russland verantwortlich gemacht, obwohl es damit nichts zu tun habe. Allerdings: Das russische Staatsunternehmen Gazprom drosselte zuletzt Lieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1. Begründet hatte Gazprom das mit einer fehlenden Siemens-Turbine, die aufgrund von Sanktionen zwischenzeitlich in Kanada fest hing. In Europa sprach man allerdings von einem politisch motivierten Verhalten Russlands.

Mittlerweile ist die Turbine EU-Angaben zufolge bereits auf dem Weg nach Russland. Putin unterstellte Kanada nun, es habe die Turbine angeblich aus reinem Eigennutz einbehalten wollen. Kanada wolle seine eigene Gasproduktion erhöhen und den europäischen Markt für sich erschließen. Inzwischen will Moskau nach den Wartungen an Nord Stream 1 offenbar wieder Gas liefern, jedoch auf einem deutlich niedrigeren Niveau. (bb mit dpa)

Rubriklistenbild: © Mikhail Klimentyev/picture alliance/dpa

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