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Putin-Gegner Boris Beresowski hat sich möglicherweise umgebracht.

War es Selbstmord?

Putin-Gegner Boris Beresowski tot

Moskau - Der russische Oligarch und Putin-Gegner Boris Beresowski (67) ist tot. Das teilten Familienangehörige am Samstag russischen Staatsmedien zufolge mit.

Der in London lebende Multimilliardär galt als erbitterter Gegner von Kremlchef Wladimir Putin. Beresowskis Leiche war nach Medienberichten am Samstagmorgen im Badezimmer seines Hauses in der Nähe von London gefunden worden. Ein Familienmitglied sprach den russischen Berichten zufolge von einem möglichen Selbstmord. Lord Tim Bell, ein enger Freund Beresowskis, bestätigte die Todesnachricht am Samstag.

Die zuständige Thames Valley Police teilte lediglich mit, ein 67 Jahre alter Mann sei tot in seiner Wohnung in Ascot gefunden worden. Die Umstände seien ungeklärt. Das Areal um das Haus wurde weiträumig abgesperrt.

Beresowski war 2000, im Jahr von Putins Machtantritt, ins Exil nach Großbritannien gegangen, wo ihm wenig später politisches Asyl eingeräumt wurde. Seither hatte er aus dem Ausland die russische Opposition massiv finanziell unterstützt.

Medien hatten zuletzt allerdings über schwere finanzielle Probleme Beresowskis geschrieben. Unter anderem soll er mehrere Werke aus seiner großen Kunstsammlung zum Verkauf angeboten haben. Ein Werk von Andy Warhol, das Beresowskis Besitz zugerechnet wurde, war erst in der vergangenen Woche beim Auktionshaus Christie's für 133 000 britische Pfund unter den Hammer gekommen.

Im vergangenen Jahr hatte Beresowski in London einen spektakulären Prozess gegen seinen Landsmann, den Oligarchen Roman Abramowitsch, verloren. Beresowski hatte umgerechnet mehr als 3,5 Milliarden Euro gefordert, weil Abramowitsch ihn zum übereilten Verkauf von Öl-Aktien unter Preis überredet haben soll. Am Ende ging Beresowski leer aus und musste noch erhebliche Anwaltskosten zahlen. Nach Informationen des Magazins „The Lawyer“ belief sich die Rechnung für Anwalts- und Gerichtskosten insgesamt auf mehr als 100 Millionen Pfund.

Beresowski hatte nach dem Zerfall der Sowjetunion in Russland Milliarden verdient, unter anderem mit dem Import westlicher Autos. Zur Amtszeit von Boris Jelzin galt er als graue Eminenz im Kreml, war aber bereits damals unter anderem wegen Geschäften in Tschetschenien im Visier der Justiz. Dem neuen Präsidenten Wladimir Putin verhalf er nach eigenen Worten ins Amt, überwarf sich aber wenig später mit ihm im Streit um die politische Ausrichtung eines Fernsehsenders.

Beresowski war auch ein enger Vertrauter des in London mit radioaktivem Polonium vergifteten Ex-Spions Alexander Litwinenko. Russland legte ihm nach seiner Übersiedlung zahlreiche Wirtschaftsverbrechen zur Last und forderte von Großbritannien seit Jahren die Auslieferung. Unter anderem wurden mehrere Jachten Beresowskis beschlagnahmt.

Die Regierung in London hatte eine Auslieferung stets abgelehnt. Auch wegen Beresowski - der mehrmals reklamiert hatte, sein Leben werde bedroht - sind die britisch-russischen Beziehungen massiv gestört. Erst vor einer Woche hatten sich die Außen- und Verteidigungsminister beider Länder in London getroffen.

dpa

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