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Ukrainische Gegenoffensive ein Desaster für Russland: Wie Putin unfreiwillig zum Waffenlieferanten wurde

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Von: Michelle Brey

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Wolodymyr Selenskyj erzielt Erfolge mit einer großen Gegenoffensive. Russland musste dabei offenbar etliche Waffen zurücklassen - zum Vorteil der Ukraine.

Charkiw/München - Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine scheint längst nicht vorbei. Doch die Truppen bewegen sich im September teils in die andere Richtung. Die Gegenoffensive ukrainischer Truppen zeigt sich erfolgreich. Strategisch wichtige Städte und Regionen konnten zurückerobert, russische Streitkräfte vertrieben werden. So etwa in Charkiw. Was bleibt, sind Schutt und Asche, vollkommen zerstörte Städte – und Waffen aus Russland. Wladimir Putin ist so ungewollt zu einem Waffenlieferanten für die Ukraine geworden.

Ukraine-Krieg: Russische Truppen von Gegenoffensive überrascht - sie flüchteten

Ukrainische Soldaten fahren auf einem gepanzerten Fahrzeug auf einer Straße.
Ukrainische Soldaten fahren auf einem gepanzerten Fahrzeug auf einer Straße. © Leo Correa/dpa

Einige geordnet, andere in „offensichtlicher Panik“: So schilderte der britische Geheimdienst die Flucht einiger Truppen von Kreml-Chef Wladimir Putin aus Gebieten in der Region Charkiw. Schon zuvor gab es Berichte über abrupte russische Rückzüge in vormals besetzten Gebieten. Dabei sollen die russischen Truppen innerhalb der ersten fünf Tage der Gegenoffensive beachtliche Mengen an Waffen zurückgelassen haben, wie das Magazin Forbes berichtete. Darunter sollen sich etwa folgende Waffen befinden:

Auch das Projekt Warspotting berichtet von einer beachtlichen Menge an erbeuteter Waffen durch die Ukraine. Dort werden Bilder aus öffentlichen Quellen ausgewertet - und auf diese Weise eine Statistik erstellt. So zählte das Projekt seit Beginn des Kriegs im Februar beispielsweise 372 erbeutete russische Panzer und etliche Mengen an Artillerie-Geschützen.

Putins Truppen ließen bei Gegenoffensive Waffen einfach zurück - „Nicht mal die Mühe gemacht, sie zu sprengen“

Wie es im Lagebericht (19. September) des Thinktanks Institute for the Study of War (ISW) in Washington heißt, würden ukrainische Truppen ihre Gruppierung in Charkiw mit „erbeuteten“ russischen T-72 Panzern verstärken. Das deute darauf hin, dass die Gegenoffensive der Ukraine „russische Truppen dazu veranlasste, hochwertigere und funktionsfähige Ausrüstung aufzugeben“ – als noch im April nach ihrem Rückzug aus Kiew.

Eine ähnliche Einschätzung traf Militärexperte Dr. András Rácz von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Gegenüber ZDFheute sagte er: „Ganze Munitionsdepots wurden intakt vorgefunden. Die sich zurückziehenden russischen Truppen haben sich nicht einmal die Mühe gemacht, sie zu sprengen.“ Angesichts der Menge an Waffen, sehe es so aus, als seien „die Russen davongelaufen“. Der Nutzen für die Ukraine bestehe darin, dass sie sich mit der Technik der russischen Panzer besser auskenne, als mit Waffensystemen aus dem Westen, so Rácz weiter.

„Kann Russland nicht einfach ausgleichen“: Putins Truppen ließen Waffen bei ukrainischer Gegenoffensive zurück

„Die Verluste an militärischem Material und an Fahrzeugen kann Russland nicht einfach ausgleichen“, schätzte indes Militärexperte Christian Möllig gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) ein. Nachschub zu produzieren, würde „sehr lange dauern“ – Russland würden wesentliche Bauteile zur Herstellung fehlen.

Präsident Putin forderte indes am Dienstag (20. September) eine deutliche Steigerung der Rüstungsproduktion. „Die Organisationen der Rüstungsindustrie müssen in kürzester Zeit die Lieferung der nötigen Waffen, Technik und Bekämpfungsmittel an die Streitkräfte gewährleisten“, forderte er auf einer Sitzung mit den Chefs der russischen Rüstungsunternehmen. Gleichzeitig sei es nötig, bei der Waffenproduktion völlig auf Importe zu verzichten.

Eine etwas andere Einschätzung trifft Oberst Markus Reisner. Der Militärexperte und Offizier des österreichischen Bundesheeres, erklärte gegenüber dem RND, Russland schaffe es zunächst noch, „die Verluste zu kompensieren“. So sorge Moskau für Nachschub mit „ein bis zwei Militärzügen“ pro Woche, „die Kriegsgerät an die Front bringen“. Eine maßgebliche Unterstützung im Kampf gegen die russischen Truppen scheinen die erbeuteten Waffen für die Ukraine dennoch allemal zu sein. (mbr mit dpa)

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