Anti-Putin-Demos: Hunderte Festnahmen 

Moskau - Bei neuen Protesten gegen den Ausgang der russischen Parlamentswahl haben Sicherheitskräfte in Moskau und St. Petersburg am Dienstag mehrere hundert Menschen festgenommen.

Unter den Festgenommenen war nach Angaben der Agentur Interfax der Regierungskritiker und frühere Vize-Regierungschef Boris Nemzow. In Gewahrsam kamen auch der Skandalautor Eduard Limonow sowie mehrere Journalisten und Menschenrechtler. Der international ausgezeichnete Bürgerrechtler Oleg Orlow von der Organisation Memorial wurde erst auf einer Polizeistation wieder freigelassen.

“Das Volk glaubt Putin nicht“, riefen Demonstranten in Sprechchören. Die Wahlkommission hatte der Partei Geeintes Russland von Regierungschef Wladimir Putin den Sieg bei der Abstimmung zugesprochen. Für Putin demonstrierten unterdessen mehrere tausend Mitglieder der Kremljugend.

Protestaktion vor dem Kreml gegen Putin

Protestaktion vor dem Kreml gegen Putin

Der Oppositionspolitiker Sergej Mitrochin von der liberalen Jabloko-Partei bestätigte am Rande der nicht genehmigten Kundgebung seine Festnahme. Die Jabloko-Partei hatte bei der von Fälschungsvorwürfen überschatteten Dumawahl vom Sonntag den Einzug ins Parlament verpasst.

Für Aufsehen in Moskau sorgte zudem die Verurteilung des prominenten Bloggers Alexej Nawalny zu 15 Tagen Arrest. Der Anwalt hat eine tausende Mitglieder zählende Fangemeinde und wird von Beobachtern als möglicher Präsidentenkandidat gehandelt.

Das Innenministerium hatte schon am frühen Nachmittag Truppen im Zentrum der russischen Hauptstadt zusammengezogen. Am Vorabend hatten dort mehr als 6000 Menschen protestiert. Im Anschluss an die genehmigte Kundgebung hatte es etwa 300 Festnahmen gegeben.

dpa

Rubriklistenbild: © Wladimir Putin

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