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„Putins Geständnis“ zu Ziel im Ukraine-Krieg: Russlands Machthaber lässt in Rede tief blicken

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Von: Richard Strobl

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Wladimir Putin, Präsident von Russland, nimmt nach einem gemeinsamen Treffen an einer Pressekonferenz mit dem Präsident von Turkmenistan teil.
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Wladimir Putin, Präsident von Russland, nimmt nach einem gemeinsamen Treffen an einer Pressekonferenz mit dem Präsident von Turkmenistan teil. (Archiv) © Yury Kochetkov/dpa

Wladimir Putin hat nun in einer Rede interessante Einblicke in seine Ambitionen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg gegeben.

Sankt Petersburg - Von einer „Zeitenwende“ hatte Kanzler Olaf Scholz im Zusammenhang mit dem eskalierten Ukraine-Konflikt gesprochen. Begründung: Russland erkennt die europäischen Grenzen, auf die man sich geeinigt hatte, seit dem Einmarsch in der Ukraine nicht mehr an. Doch was sind die genauen Ziele Wladimir Putins?

Russlands Machthaber lässt sich sehr selten in die Karten blicken oder gibt gar seine Gedanken preis. Doch nun hat Putin in einer Rede sehr deutlich erkennen lassen, wie seine Sichtweise auf den Ukraine-Krieg ist - und was seiner Vorstellung nach nach einem Ende des Krieges stehen solle.

Putin gibt Einblick in seine Gedanken - „Wir leben in einer Ära des Wandels“

Putin hielt diese Rede kürzlich bei einem Treffen mit jungen Unternehmern, Ingenieuren und Wissenschaftlern in Sankt Petersburg. Das Skript wurde veröffentlicht und enthält einige interessante Formulierungen des russischen Präsidenten: „Wir leben in einer Ära des Wandels, das ist für jeden offensichtlich“, beginnt Putin und erklärt dann, dass man, „um irgendeine Art von Führung zu beanspruchen“, seine Souveränität sicherstellen müsse. Denn es gebe lediglich zwei Arten von Staaten: Souveräne Länder oder Kolonien - es gibt „keinen Zwischenstaat“.

Putin sieht die Welt in der Rede in einem permanenten „harten geopolitischen Kampf“, in dem Kolonien „keine historische Perspektive“ haben. Souveränität muss ein Land demnach in den Bereichen Sicherheit, Wirtschaft und Technik und Sozialwesen herstellen, um keine Kolonie mehr zu sein. Das passt zu Putins Erzählung, dass die Ukraine lediglich ein Marionetten-Staat des Westens sei - ergo eine Kolonie und damit kein Selbstbestimmungsrecht habe.

Doch Wladimir Putin geht in der Rede noch weiter und zeigt auch, in welcher Situation er Russland im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg sieht - und auch sich selbst. Dabei vergleicht er sich indirekt mit Zar Peter dem Großen und meint: „Es hat sich fast nichts geändert. Es ist eine bemerkenswerte Sache. Du kommst zu dieser Erkenntnis, diesem Verständnis.“

Russlands Ziele im Ukraine-Krieg: Putin lässt tief blicken

Dann folgt ein pikanter historischer Vergleich, der mit Blick auf den Ukraine-Krieg tief blicken lässt: „Peter der Große führte 21 Jahre lang den Großen Nordischen Krieg. Auf den ersten Blick befand er sich im Krieg mit Schweden und nahm ihm etwas weg … Er nahm nichts weg, er kehrte heim. So war es. Die Gebiete rund um den Ladogasee, wo St. Petersburg gegründet wurde. Als er die neue Hauptstadt gründete, erkannte keines der europäischen Länder dieses Territorium als Teil Russlands an; jeder erkannte es als Teil Schwedens an. Seit jeher lebten dort jedoch die Slawen zusammen mit den finno-ugrischen Völkern, und dieses Gebiet stand unter russischer Kontrolle. Dasselbe gilt für die westliche Richtung, Narva und seine ersten Feldzüge. Warum sollte er dorthin gehen? Er kehrte heim und verstärkte sich, das tat er.“

Dann folgt der Link in die Gegenwart: „Natürlich fiel es uns auch zu, heimzukehren und uns zu verstärken. Und wenn wir davon ausgehen, dass diese Grundwerte unsere Existenzgrundlage bilden, werden wir unsere Ziele mit Sicherheit erreichen.“

Putin sieht Ukraine-Invasion als „Heimkehr“ Russlands

Ein klarer Hinweis auf Putins Selbstverständnis einerseits: Er sieht sich persönlich in der Tradition großer russischer Eroberer, wie Peter dem Großen. Daneben scheint für ihn klar: Russland befindet sich in einem Überlebenskampf und muss die eigene Sicherheit herstellen - die er durch die Nato-Osterweiterung in Gefahr sieht. Und: Gewinnt er diesen Krieg, werden die westlichen Staaten die Eroberungen von ukrainischem Land früher oder später anerkennen. Außerdem wird klar: Putins „Heimkehr“ könnte sich nach diesem Verständnis nicht auf die Ukraine beschränken. Das sollte auch andere Länder, die einst Teil der UdSSR waren, alarmieren.

Dieses Eingeständnis der imperialen Ambitionen Putins blieb auch in der Ukraine nicht ungehört.

„Putins Geständnis der Landnahmen und der Vergleich mit Peter dem Großen beweisen: Es gab keinen ‚Konflikt‘, sondern nur die blutige Beschlagnahme des Landes unter dem erfundenen Vorwand des Völkermords“, twitterte der ukrainische Präsidentenberater Mykhailo Podolyak etwa als Reaktion. (rjs)

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