+
Wladimir Putins Markenzeichen: sein eiskalter Blick.

Das sind seine verrückten Vorlieben

Skurriler Herrscher: So tickt Putin wirklich

Moskau - Wladimir Putin gilt als einer der mächtigsten Männer der Welt. Seine Vorlieben und seine Familie aber bleiben ein Geheimnis. Recherchen eines britischen Journalisten werfen nun ein neues Licht auf den Paten im Kreml.

Geht es um Wladimir Putin, dann üben sich russische Medien entweder in betonter Zurückhaltung, oder sie heben ab: Von einem Rätsel, einem personifizierten Geheimnis, sogar von einem Mysterium ist dann die Rede. Nicht alle Journalisten loben aus Überzeugung, viele tun es aus Sorge um ihre Existenz, ihr Leben und ihre Angehörigen.

Putin mag demütige Zeitgenossen. Und rätselhaft zu sein wie eine Sphinx – im Inland wie im Ausland –, das liebt er. Was zur Folge hat, dass über seine Gewohnheiten, Vorlieben, seine Familie und vor allem seine beiden Töchter nur sehr wenig durchsickert.

Umso interessanter ist, was der britische Journalist Ben Judah über den am 7. Oktober 1952 in Leningrad (St. Petersburg) geborenen Unnahbaren mit dem eiskaltem Blick ausgegraben und im US-Magazin „Newsweek“ veröffentlicht hat. Es sind faszinierende Einblicke in das Leben eines skurrilen Herrschers.

Dass der einstige KGB-Offizier – der bereits mit 16 Jahren zum Geheimdienst wollte – ein Machtmensch ist, wurde der Welt in den vergangenen Monaten drastisch vor Augen geführt. Dass er auch ein Nachtmensch ist, war dagegen kaum bekannt. Erst gegen 11 Uhr pflegt er aufzustehen. Zum Frühstück begnügt sich der neue Zar, der standesgemäß in der luxuriösen ehemaligen Zarenresidenz „Novo Ogarijowo“ bei Moskau residiert – mit Fruchtgetränken, Hüttenkäse und Omelett. Und dann wird geschwommen, bis zu zwei Stunden lang. Er tut es in seinem von hohen Mauern umgebenen Domizil, das auch über einen Hubschrauber-Landeplatz, modernste Sportanlagen und Pferdestallungen verfügt.

Für Wladimir Wladimirowitsch Putin kommt seine Person immer zuerst. Was zur Folge haben kann, dass selbst engste Mitarbeiter schon mal bis zu vier Stunden auf eine Audienz warten müssen. Putin empfängt an einem schweren Holztisch, auf dem weder ein PC noch ein Handy zu finden ist. Beides ist ihm zu unsicher. Er traut niemandem. Seine Termine absolviert er im 15-Minuten-Takt. Und am Sonntag geht er zur Beichte.

Putin arbeitet am liebsten im Schloss „Novo Ogarijowo“. Moskau mag er nicht. Es ist ihm zu laut und zu schmutzig. Weshalb er den Kreml nur zu offiziellen Anlässen betritt, dann aber in maßgeschneiderten Anzügen.

So, wie man ihn auch bei Auslandsreisen erleben kann. Er reist wie ein Zar. Nicht in einer goldenen Kutsche, wohl aber mit eigenem Toilettenpapier, eigenen Handtüchern und eigener Bettwäsche. Von Staatsempfängen abgesehen, wo seine Leibwache sogar die Herstellung der Speisen überwacht, verschmäht er ausländische Lebensmittel – weshalb der Frachtraum seiner Maschine auch damit gut bestückt ist. Putin, der Kämpfer, hat Angst vor Vergiftung.

Apropos kämpfen: Damit kennt er sich nun wirklich aus. Bereits während seines Jura-Studiums in Leningrad widmete er sich hingebungsvoll den Kampfsportarten Judo und Sambo (ein russisch-sowjetischer Kampfsport). Und wurde darin so gut, dass er 1976 sogar den damaligen sowjetischen Judo-Weltmeister Wladimir Kjullenin auf die Bretter gelegt haben soll. Als Kampfsportler, Oben-ohne-Reiter, wackerer Petri-Jünger und schießfreudiger Nimrod präsentiert er sich bis heute gerne. „Seine Russen“ lieben diese Bilder ihres wackeren Chefs, der es der Welt zeigt.

Ein Sportsmann mag er sein, doch mit den Regeln nimmt er es nicht so genau. Putin spielt gerne Eishockey. Und ab und zu dürfen russische Oligarchen mit ihren Teams gegen seine Truppe antreten – wobei Verlieren Pflicht ist. In diesem Punkt versteht Putin keinen Spaß.

Wie auch dann, wenn es um seine Familie geht. Dass er sich von seiner Frau Ludmilla, einer Deutschlehrerin, nach 31 Ehejahren scheiden ließ, ist bekannt. Und das war’s dann auch. Seine beiden Töchter Maria (1985 in Leningrad geboren) und Jekaterina, die 1986 in Dresden zur Welt kam, haben den Status eines Staatsgeheimnisses. Bekannt wurde inzwischen nur, dass Maria mit ihrem holländischen Freund Jorrit Faassen zuletzt in den Niederlanden in einem sündteuren Luxus-Appartement bei Den Haag lebte. Es kam im Zusammenhang mit dem Absturz von MH17 über der Ostukraine, bei dem auch viele Niederländer starben, ans Licht. Inzwischen soll sie unter dem Druck der Öffentlichkeit das Land verlassen haben oder untergetaucht sein.

Enthüllt wurde auch, dass Maria ihren Jorrit – der zu Putin „Pa“ sagen darf – in Moskau kennenlernte. Der Kremlherr scheint seinen Schwiegersohn in spe zu mögen, denn als der in Moskau in einen Verkehrsunfall mit dem Bankier Matwej Oerin verwickelt und von dessen Leibwächter verprügelt wurde, schritt „Pa Putin“ ein: Oerin verlor die Lizenzen für seine vier Banken und seine Villa wurde von der Polizei gestürmt. Die Bodygards sollen in Arbeitslagern gelandet sein.

Sich mit Putin oder auch nur einem Familien-Mitglied anzulegen, ist gefährlich. Da scheint es denn doch besser, zu loben statt zu kritisieren.

Von Werner Menner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Von der Leyen verteidigt Waffenlieferungen an Peschmerga
Die Bundeswehr bildet seit 2014 kurdische Peschmerga-Kämpfer für den Kampf gegen die Terrormiliz IS aus. Angesichts der militärischen Eskalation im Nordirak hat die …
Von der Leyen verteidigt Waffenlieferungen an Peschmerga
Steinmeier: Radikalisierung rechtzeitig verhindern
Zum 40. Jahrestag der Ermordung von Hanns Martin Schleyer hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dazu aufgerufen, alle Formen des Terrorismus rechtzeitig zu …
Steinmeier: Radikalisierung rechtzeitig verhindern
Katalonien-Konflikt: Guardiola bringt spanische Regierung gegen sich auf
Bei einem Referendum stimmten 90 Prozent der Wähler für die Abspaltung Kataloniens von Spanien - die Unabhängigkeit der Region wurde aber noch nicht erklärt. Das zweite …
Katalonien-Konflikt: Guardiola bringt spanische Regierung gegen sich auf
Herrmann: Mehr als 3250 „Reichsbürger“ in Bayern
Bei einigen „Reichsbürgern“ sieht der Verfassungsschutz eine „erhebliche Gewaltbereitschaft“. Allein in Bayern gibt es nach laut Innenminister Joachim Herrmann (CSU) …
Herrmann: Mehr als 3250 „Reichsbürger“ in Bayern

Kommentare