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Fast vier Stunden will Putin seine Sicht der Welt erklären.

"Die Lage wird sich in die Bahnen lenken"

Putin bereitet Russen auf längere Krise vor

Moskau - Großes Medienspektakel in Moskau: Kremlchef Putin hat sich der internationalen Presse gestellt. Die Wirtschaftsprobleme Russlands könnten bis zu zwei Jahre dauern, kündigte er an.

Kremlchef Wladimir Putin hat die Russen auf eine längere Dauer der gegenwärtigen Krise vorbereitet. Die Wirtschaftsprobleme Russlands könnten bis zu zwei Jahre andauern, sagte Putin am Donnerstag vor Journalisten in Moskau. Der Rubel könne bei einem fallenden Ölpreis weiter an Wert verlieren.

Auch Einschnitte im Haushalt seien möglich, warnte Putin. Trotzdem werde das Land seinen sozialen Verpflichtungen nachkommen. Die Währungsreserven der Zentralbank und die Polster der Regierung seien solide. „Die Lage wird sich in die Bahnen lenken“, meinte er.

Abhängigkeit vom Ölverkauf reduzieren

Allein an Währungsreserven hat Russland nach Darstellung von Putin rund 419 Milliarden US-Dollar (340 Milliarden Euro). Putin lobte die jüngsten Schritte der Zentralbank und der Regierung zur Stützung des Rubel als „angemessen“.

Bei seiner zehnten großen Jahrespressekonferenz im World Trade Center in Moskau kündigte der Präsident auch an, die Abhängigkeit des russischen Haushaltes vom Ölverkauf zu reduzieren. „Anders wird es nicht funktionieren“, sagte Putin.

Putin äußerte Verständnis für russische Soldaten an der Seite der Separatisten in der Ostukraine. „Alle Menschen, die dem Ruf des Herzens folgen oder freiwillig an irgendeinem Kampf teilnehmen - einschließlich in der Ukraine - sind keine Söldner, da sie dafür kein Geld bekommen“, sagte er bei seiner Jahrespressekonferenz am Donnerstag in Moskau.

Putin rief die ukrainische Regierung mit Nachdruck auf, die Wirtschaftsblockade der Separatistengebiete sofort aufzuheben. „Die Versuche der Führung in Kiew, die Lage mit einer Blockade zu lösen, sind aussichtslos und schädlich - auch für das ukrainische Volk“, meinte Putin.

Putin erkennt Chodorkowski Recht auf politische Arbeit zu

Ein Jahr nach der Freilassung des früheren Öl-Managers Michail Chodorkowski hat der russische Präsident Wladimir Putin seinem Kritiker das Recht auf politische Betätigung zuerkannt. „Das ist seine Wahl“, sagte Putin am Donnerstag in Moskau vor Journalisten. Der 51 Jahre alte Chodorkowski hatte sich in seinem Exil angesichts der Wirtschaftskrise in Russland zuletzt als Regierungschef ins Gespräch gebracht und auch eine Kandidatur bei der Präsidentenwahl nicht ausgeschlossen. „Wo will er denn kandidieren?“, fragte Putin unter dem Gelächter der kremltreuen Presse.

Der einst reichste Mann Russlands ist seit seiner Entlassung aus dem Straflager nicht in seine Heimat zurückgekehrt - auch aus Angst vor einer neuen Festnahme. Er habe Chodorkowski nicht deswegen begnadigt, weil er an die Zusicherung geglaubt habe, dass sich sein Kritiker nicht politisch engagiere. Es sei eine Entscheidung aus rein humanitären Gründen gewesen, betonte Putin. Chodorkowski habe sich von seiner kranken Mutter verabschieden wollen. „Eine Mutter ist eine heilige Angelegenheit“, sagte der Präsident. „Ich bereue nichts“, meinte Putin. Chodorkowskis Mutter Marina starb in diesem Jahr.

Kreml-Homepage

dpa

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