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Teilmobilmachung in Russland: Spannend ist, was Putin in seiner Rede nicht gesagt hat

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Von: Franziska Schwarz

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Ukraine-Krieg: Wladimir Putin am 21. September in Weliki Nowgorod
Aufnahme vom 21. September: Wladimir Putin bei einem Treffen mit Wirtschaftspartnern in Weliki Nowgorod © Kremlin Pool/Imago

Wladimir Putin droht im Ukraine-Krieg mit Teilmobilmachung und Atomwaffen. Dabei scheut der Kremlchef es aber, sich wirklich festzulegen, analysiert ein Thinktank.

Washington - Wladimir Putin hat mit seiner angekündigten Teilmobilmachung von etwa 300.000 russischen Reservisten einen gewaltigen Schritt gewagt. Nur, in welche Richtung? (Aus seiner Sicht) nach vorne? Angesichts der Erfolge der ukrainischen Gegenoffensive nur seitwärts? Oder hat sich der Kremlchef verkalkuliert und beschert sich aktuell selbst einen gewaltigen Rückschritt?

Viele Beobachter werten Putins Ankündigung im Ukraine-Krieg als Zeichen von Schwäche. US-Militärexperten sehen diese nun auch in Putins entsprechender Fernsehansprache an die russische Bevölkerung. Denn vieles verschwieg er bei seiner Atomwaffen-Drohung an den Westen, analysieren sie.

US-Militärexperten: Putins Rede zur Teilmobilisierung war viel zu vage

So sprach Putin in seiner Rede zwar gleichzeitig von der Teilmobilisierung, den Scheinreferenden in den pro-russischen Separatistengebieten Donezk und Luhansk sowie vom Atomwaffen-Arsenal Russlands. „Seine Absicht war, zwischen diesen Aspekten eine Verbindung herzustellen“, schätzt das Institute for the Study of War (ISW), einem Thinktank mit Sitz in Washington. Das heiße aber noch lange nicht, dass es die auch gibt.

Dann hätte Putin nämlich ausdrücklich ankündigen können, dass Nuklearwaffen auch bei Rückeroberungen der angeblich russischen Gebiete in der Ukraine zum Einsatz kommen würden. Das tat er nicht, beobachtet das ISW in seiner Lageanalyse vom 21. September. Stattdessen sprach er von einer Bedrohung durch den Westen. Ebenso begründete er in seiner Fernsehansprache die Teilmobilisierung nicht mit den besetzten Gebieten in der Ukraine, sondern mit der „inzwischen mehr als 1000 Kilometer langen Frontlinie“ im Kriegsgebiet.

Putin-Rede zum Ukraine-Krieg: „Keine Eskalation in der Rhetorik“

„Putins Rede sollte nicht als Drohung verstanden werden, dass Russland Nuklearwaffen gegen die Ukraine einsetzt, falls diese ihre Gegenoffensive fortsetzt“, so das Fazit der ISW-Militärexperten. Ihnen fällt auch auf, dass sowohl Putin als auch sein Verteidigungsminister Sergej Schoigu betonten, Moskau kämpfe nicht gegen Kiew, sondern gegen die Nato und den Westen. „Dieses Narrativ ist alt und unterscheidet sich nicht groß von der Begründung, mit der Putin den Überfall auf die Ukraine startete“, schreibt das ISW. „Die jüngsten Wiederholungen von Putin und Schoigu bedeuten keine Eskalation in der Rherotik“, urteilt das ISW.

Und weiter: „Putins Ankündigung der Teilmobilmachung zeigt viele Probleme Russlands angesichts seiner aktuellen Niederlagen im Kriegsgebiet, und diese werden sich in den kommenden Monaten höchstwahrscheinlich auch nicht lösen.“ (frs)

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