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Ukraine-Krieg: Putins internationale Freunde - und seine prominenten Gegner in Russland

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Von: Magdalena von Zumbusch

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Jair Bolsonaro und Wladimir Putin im Februar im Kreml.
Jair Bolsonaro und Wladimir Putin im Februar im Kreml. © Mikhail Klimentyev/dpa

Wer hält noch zu Wladimir Putin? Und wer spricht sich im eigenen Land gegen ihn aus? Das sind die loyalen Verbündeten des Präsidenten und die lauter werdenden Gegner in Russland.

Moskau – Mit dem Ukraine-Krieg hat sich der russische Präsident Wladimir Putin Europa und die USA endgültig zum erbitterten Feind gemacht. International hat er allerdings nach wie vor eine Handvoll treuer Unterstützer.

Ukraine-Krieg: Putins internationale Freunde - Belarus‘ Präsident Lukaschenko

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko steht fest hinter dem Narrativ Putins, dass durch den Einmarsch in der Ukraine Frieden in den ukrainischen Kriegsgebieten geschaffen werden solle: „Willst du Frieden, bereite dich auf den Krieg vor“, sagte er zum Geschehen und sicherte Russland seine Unterstützung zu. Lukaschenko ist spätestens seit Putins Unterstützung im Zuge der Proteste in Belarus im Sommer 2020 von Russland stark abhängig.

Putin und seine internationalen Unterstützer: Syriens Machthaber Baschar-Al Assad

Bedingungslos solidarisch mit dem russischen Präsidenten hat sich seit dem Einmarsch in der Ukraine insbesondere der syrische Präsident Baschar al-Assad gezeigt, in dem Putin durch die tatkräftige Unterstützung im syrischen Bürgerkrieg einen treuen Freund gefunden zu haben scheint. „Was heute geschieht, ist eine Korrektur der Geschichte und die Wiederherstellung des Gleichgewichts der Welt“ zitierte die syrische Nachrichtenagentur Sana den Präsidenten.

Wladimir Putin: Auch Irans Präsident Ebrahim Raisi hält weiter zum russischen Präsidenten

Auch der iranische Präsident Ebrahim Raisi steht bislang vorbehaltlos hinter Wladimir Putin. Die angeblichen Sicherheitsbedenken Putins angesichts der Osterweiterungen der Nato seien für den iranischen Staatspräsidenten nachvollziehbar, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Irna. Dieser Rückhalt liegt weniger nahe als der vonseiten Syriens; die russisch-iranischen Beziehungen sind bei weitem nicht so eng wie das Band zwischen Russland und Assad. Im Iran steht den pro-russischen Kräften ein Lager entgegen, das sich für eine Annäherung an den Westen und de USA ausspricht. Die Zusammenarbeit zwischen den Staaten in der Vergangenheit scheint jedoch die Beziehung so weit gefestigt zu haben, dass sich Putin beim Einmarsch in der Ukraine der diplomatischen Unterstützung des Iran sicher sein kann.

Ukraine-Krieg: Nordkoreas Diktator Kim Jong-un unterstützt Wladimir Putin

Die USA selbst betreibe eine Politik der Einmischung in die Staaten, denen sie Sicherheit und Demokratie bringen wollten, verurteile aber „Selbstverteidigungsmaßnahmen, die andere Länder zur Verteidigung ihrer eigenen, nationalen Sicherheit ergreifen“, hieß es zuletzt aus Pjöngjang. Die Stellungnahme des Außenministeriums Nordkoreas machte deutlich: Die Führung Nordkoreas bewertet das russische Vorgehen als nachvollziehbare Reaktion auf die Politik des Westens - insbesondere auf die der USA.

Pro-russisches Lager in Venezuela: Maduro ist ein Verbündeter von Putin - auch Bolsonaro sucht Kontakt

Auch in Südamerika halten sich pro-russische Lager: Die Staatsführung Venezuelas hat ihre Verbundenheit mit Putins Russland in den vergangenen Tagen ebenfalls bestätigt. Der Bruch des Minsker Abkommens habe „internationales Recht verletzt und stellt eine schwere Bedrohung der Russischen Föderation, seiner territorialen Integrität und Souveränität dar“ - diese Stellungnahme veröffentlichte Staatschef Nicolás Maduro auf Twitter.

Brasiliens umstrittener Präsident Jair Bolsonaro hält sich unterdessen betont neutral. Bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau im Februar sagte der rechte Staatschef, Brasilien sei „solidarisch“ mit Russland. Er ließ es allerdings offen, ob er sich dabei auf den Konflikt mit der Ukraine bezog. Seinem Stellvertreter Hamilton Mourão sprach Bolsonaro nach dessen Solidaritäts-Adresse an die Ukraine kurzerhand das Recht ab, sich zu Angelegenheit zu äußern.

Russlands zurückhaltendere Freude: Indiens Premierminister Narendra Modi, Chinas Staatschef Xi Jinping

Die Statements der indischen und chinesischen Nachrichtenagenturen zu den Geschehnissen der vergangenen Tage halten sich mit Kritik gegen Russland zurück, hier von Freunden zu sprechen scheint allerdings übertrieben: Das Verständnis für Putins Vorgehen ist nach den Aussagen der indischen und chinesischen Führung aus den vergangenen Tagen deutlich zurückhaltender. „Wir sollten die Mentalität des kalten Krieges aufgeben und den legitimen Sicherheitsbedenken aller Länder Bedeutung beimessen“, so der chinesische Staatspräsident Xi Jinping. Die chinesische Außenamtssprecherin Hua Chunying äußerte sich noch vorsichtiger: „Die Ukraine-Frage ist in ihrem historischen Hintergrund komplex.“

Indien ist von Energie- und Waffenlieferungen Russlands abhängig, andererseits ist es auch bestrebt, die wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA nicht zu gefährden. Indiens Premierminister Modi äußerte sich dementsprechend bisher kaum zum Einmarsch in der Ukraine und enthielt sich auch bei der Abstimmung des UN-Rats gegen die die russische Aggression.

Putin: Entschiedene Gegner in Russland - aber (noch) zu wenige

In Russland protestiert ein schon seit langem bestehender Kreis an Gegnern gegen das Vorgehen des Präsidenten in der Ukraine. Während in den Medien fast ausschließlich die Handvoll prominenter russischer Gegner thematisiert wird, wie Alexej Nawalny oder Michail Chodorkowski, sind seit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine die seit jeher Putin skeptisch gegenüberstehenden Zirkel der russischen Bevölkerung unter teils großen Risiken auf der Straße und im Internet aktiv.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern etwa hat sich in einem öffentlichen Brief entschieden gegen den Einmarsch in der Ukraine gewendet. Auch eine Gruppe russischer Künstler - darunter die Schauspielerin Tschulpan Chamatowa und der Schriftsteller Dmitri Bykow - ist mit einer Erklärung ins Zentrum der westlichen Berichterstattung gerückt: „Der von Russland begonnene Krieg gegen die Ukraine ist eine Schande. Das ist unsere Schande, aber leider wird die Verantwortung dafür noch von unseren Kindern, einer ganz jungen Generation und von noch nicht einmal geborenen Russen getragen werden müssen“, lautet ein Ausschnitt dieser Erklärung.

Die auch in Deutschland namhafte Autorin Ljudmila Ulitzkaja verurteilte den Einmarsch der Ukraine ebenso deutlich; als „politisches Verbrechen, das später in den Geschichtsbüchern auch so beschrieben sein wird“.

Doch eine Aussicht darauf, dass sich die entschiedene Verurteilung Putins durch verschiedene Kreise Intellektueller auf breitere Schichten der russischen Bevölkerung ausweitet, besteht wohl nicht, befürchtet Ulitzkaja: „Unsere Gesellschaft befindet sich in tiefster Apathie, Niedergeschlagenheit und Angst“, so die Autorin. Der russische Machtapparat kann großflächige Proteste gegen den Ukraine-Einmarsch in der eigenen Bevölkerung wohl auch weiter unterdrücken.

Eine bekannte russische Menschrechtlerin prophezeit zuletzt allerdings auch: Die Stimmung in Putins Russland werden sich „ändern“. (mzu)

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