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Ukraine-Krieg stockt: Putins Wut trifft Russlands Geheimdienst - „Massensäuberung“ im FSB

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Von: Felix Durach

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Wladimir Putin ist wohl nicht zufrieden mit dem Verlauf des Ukraine-Kriegs. Die Wut des Autokraten über ausbleibende Erfolge traf nun offenbar den eigenen Geheimdienst.

Moskau - Nach außen gibt sich Wladimir Putin mit Blick auf den Fortschritt der russischen Truppen im Ukraine-Krieg noch siegessicher. In einer Ansprache im russischen Staatsfernsehen am Dienstag bekräftigte der 69-Jährige erneut die selbsternannten Ziele des russischen Militärs: Die Ukraine bilde eine „Dreieinigkeit“ mit Russland und Belarus und müsse deswegen von den Nationalsozialisten befreit werden. Der Westen führe hingegen einen wirtschaftlichen Blitzkrieg gegen Russland, der jedoch gescheitert sei. Die Propaganda-Maschine im Kreml läuft also weiter und verbreitet ein ganz eigenes Bild von dem Krieg in der Ukraine, der in Russland nicht einmal beim Namen genannt werden darf.

Ukraine-Krieg: Putin will endlich militärische Erfolge - russische Großoffensive erwartet

Experten sehen den russischen Machthaber jedoch verstärkt unter Druck. Innerhalb weniger Tage wollten die russischen Truppen zu Beginn des Krieges die ukrainische Hauptstadt Kiew erreichen und einnehmen. Eine Gefangennahme oder Ermordung von Präsident Wolodymyr Selenskyj sollte daraufhin den Krieg zugunsten Russlands beenden. So zumindest die Theorie.

In der Realität mussten Putins Truppen ihre Bestrebungen bezüglich der ukrainischen Hauptstadt aufgeben und sich im Osten des Landes neu gruppieren und verstärken. Von dort aus wird in den kommenden Tagen der Start einer russischen Großoffensive erwartet. Putin braucht große Siege im Ukraine-Krieg, die er seinen Anhängern präsentieren kann. Immer wieder im Fokus ist dabei der Tag des Sieges am 9. Mai. An diesem Tag feiern die Russen den Sieg der Sowjetunion über das nationalsozialistische Deutschland und an diesem Tag will Putin auch einen Sieg über die Ukraine feiern.

Ukraine-Krieg: Putins Wut trifft wohl den eigenen Geheimdienst - 150 Agenten entlassen

Dass der Krieg bisher nicht nach den Vorstellungen Putins verläuft, zeigt nun auch ein Bericht des Recherche-Netzwerks Bellingcat, demzufolge sich die Wut des russischen Autokraten nun in Richtung seines eigenen Geheimdienstes gerichtet hat. Im FSB soll es demnach zu einer regelrechten „Massensäuberung“ durch den Präsidenten gekommen sein. 150 Agenten sollen auch aufgrund von Versäumnissen, die den Ukraine-Krieg betreffen, aus dem Geheimdienst entlassen, einige von ihnen sogar festgenommen worden sein. Die entlassenen und verhafteten Agenten sollen davor mit der Spionage und Kontrolle den ehemaligen Ländern der Sowjetunion vertraut gewesen sein - also auch der Ukraine.

Bereits vor wenigen Wochen wurde aus dem Kreml berichtet, dass Putin den Abteilungs-Chef des FSB, Sergej Beseda, unter Hausarrest gestellt hatte. Wie der russische Journalist und Kreml-Kritiker Andrei Soldatov auf Twitter vermeldet, soll Beseda nun in das Gefängnis Lefortovo am Rande der Hauptstadt Moskau gebracht worden sein. Schon bei seiner Festnahme wurde darüber spekuliert, ob Beseda Putin mit falschen Informationen über die Lage in der Ukraine vor der russischen Invasion versorgt hatte. Die Verlegung nach Lefortovo bezeichnete Soldatov gegenüber der britischen Times als „sehr starkes Zeichen“, wie Putin in Zukunft Fehlverhalten im Rahmen des Ukraine-Kriegs bestrafen wird. Die Berichte lassen sich aufgrund des aktuellen Kriegsgeschehens jedoch nicht unabhängig überprüfen.

Wladimir Putin bei einer Ansprache während seines Besuchs des Kosmodroms Wostotschny.
Wladimir Putin hat Berichten zufolge eine echte „Massensäuberung“ im russischen Geheimdienst durchgeführt. © Evgeny Biyatov/dpa

Ukraine-Krieg: Macron sicher - Putin hat „entschieden, dass er nicht aufhören wird“

Dass sich Putin trotz der Rückschläge im Ukraine-Krieg nicht von seinem Ziel abbringen lassen wird, ist auch die Meinung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Präsident Wladimir Putin habe „entschieden, dass er nicht aufhören wird“, sagte Macron der Wochenzeitung Le Point. „Er braucht einen militärischen Sieg für sich selbst“, auch wenn er verstanden habe, dass die Ukraine sich nicht unterwerfen werde. Macron blickt dabei sorgenvoll auf die drohende Großoffensive in der Ostukraine. Putin wolle „einen Sieg und eine glorreiche Militärparade am 9. Mai“. Aus diesen Gründen, „glaube ich ziemlich wenig an unsere kollektive Fähigkeit, (Putin) kurzfristig an einen Verhandlungstisch zu bringen“, so Macron weiter.

Wozu Putins blindes Streben nach militärischen Erfolgen führen kann, kann man aktuell auch an den andauernden Kämpfen um die Hafenstadt Mariupol sehen, wo nach Angaben der ukrainischen Regionalverwaltung über 20.000 Menschen ihr Leben verloren haben. (fd)

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