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Russland-TV: Putin-Sprachrohr hetzt gegen Kanzler Scholz – „Deutschland ist das ultimative Böse“

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Von: Franziska Schwarz

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Der Putin-Freund Wladimir Solowjow ist eines der bekanntesten Fernsehgesichter Russlands. Zahlreiche Russen schauen seinen Polit-Talk - inklusive verbaler Hetze.

Moskau - „Der Sonntagabend mit Wladimir Solowjow“ heißt eine Polit-Talkshow im russischen Staatsfernsehen - aber differenziert und ausgewogen geht es dort offensichtlich nicht zu. „Deutschland ist das ultimative Böse“, brüllte der gleichnamige Moderator nun in seiner Sendung. Er habe „einen großen Hass auf Scholz und alle politischen Nazis“. Das berichtet die Bild.

Hintergrund war natürlich der Ukraine-Krieg. Bereits im Juni wurde Solowjows Hass auf Deutschland offensichtlich. Da bezeichnete Moderator Solowjow Kanzler Olaf Scholz (SPD) als „Motte“ - wegen der deutschen Waffenlieferungen an Kiew. „Den fatalen Fehler hat nicht Putin gemacht, sondern Gorbatschow, als er die Wiedervereinigung Deutschlands zugelassen hat – und Stalin, als er entschieden hat, dass Deutschland weiter existieren darf“, zitierte der Spiegel den 58-Jährigen weiter.

Russisches Staatsfernsehen: Der Moderator Wladimir Solowjow auf dem Internationalen Wirtschaftsforum 2022 in St. Petersburg
Wladimir Solowjow im Juli 2022 © IMAGO/Evgeny Biyatov

Auch die dpa-Korrespondentin Hannah Wagner war entsetzt über Solojows „Polit-Talk“. In einer Mai-Sendung äffte er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nach, um sich anschließend über die im Asow-Stahlwerk gefangen genommenen ukrainischen Soldaten lustig zu machen, berichtete sie. Nicht mal den Heldentod habe Kremlchef Wladimir Putin ihnen gegönnt, spottete Solojow. Und die eingeladene RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan kommentierte dazu nur: „Sie haben sich ergeben, weil sie Nazis sind.“ Kein Wunder, dass Kritiker in Solojow einen der wichtigsten Propagandisten des Kremls sehen. 

Putin-Freund im Live-TV: „Hitler war ein sehr mutiger Mensch“

Entgleisungen leistet sich Solowjow nicht erst seit dem Ukraine-Krieg. Im Februar 2021 bezeichnete er Adolf Hitler laut der Moscow Times in seiner Show als „sehr mutigen Menschen“ und lobte seine Leistung als Soldat im Ersten Weltkrieg. Lettlands Außenminister Edgars Rinkevics verkündete anschließend ein Einreiseverbot für Solowjow. Solowjow hat seine Show seit 2012, laut dem Grimme-preis ausgezeichneten Portal dekoder.org ist sie quotenstark.

Zum Kriegsausbruch hatten die EU und Kanada Solowjow mit Sanktionen belegt. T-online.de berichtet kurz darauf von einem Wutanfall Solowjows deswegen. Natürlich wieder im TV. Das entsprechende Youtube-Video ist mittlerweile - zumindest in Deutschland - nicht mehr verfügbar.

Russlands Staatsfernsehen und seine Rolle im Ukraine-Krieg

Im Zuge der russischen Invasion in die Ukraine verbietet der Kreml es, vermeintliche Falschnachrichten über Russlands Streitkräfte zu verbreiten. Offiziell sprechen Russlands Präsident Wladimir Putin und seine Gefolgschaft nur über eine „militärische Spezial-Operation“. Bei Verstoß gegen das neue Gesetz drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Die Journalistin Marina Owsjannikowa hatte im März 2022 den Live-Protest im russischen Staatsfernsehen gegen die russische Invasion in die Ukraine gewagt. Russland verhängte Geldstrafen gegen sie.

Die Verbreitung der russischen Staatsmedien RT und Sputnik ist in der EU sei Anfang März verboten, weil ihnen Kriegspropaganda vorgeworfen wird. Im Juli scheiterte RT France mit seiner Klage gegen das EU-Sendeverbot vor dem Europäischen Gerichtshof. Auch der Ableger RT Deutschland darf hierzulande nicht senden

Die kremlkritische russische Zeitung Nowaja Gaseta musste im März ihre Veröffentlichung einstellen. Zuvor hatte sie zum Beispiel für einen Artikel bei einem Psychiater angefragt. Er sollte Solowjows TV-Auftritte begutachten, wie die FAZ berichtete. Seine Diagnose: psychotische Entgleisungen. (frs mit dpa-Material)

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