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Putin äußert sich erstmals zur Gegenoffensive – auf Donbass-Eingeständnis folgt Erdogan-Loblied

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Von: Hannes Niemeyer

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Die Ukraine startet im Krieg eine Gegenoffensive. Laut Putin müsse man abwarten, „womit diese endet“. Für Erdogan hat der Kreml-Boss aber nur lobende Worte.

Kiew – Blamage für Russland im Ukraine-Krieg? Die Truppen von Präsident Wolodymyr Selenskyj sind in einigen Gebieten des Landes wieder auf dem Vormarsch und holen sich in wenigen Tagen zurück, was Russland in vielen Monaten mühevoll erobert hat. Beinahe täglich gibt es Berichte über zurückeroberte Gebiete, beispielsweise in der Region Charkiw. Russische Soldaten sollen teils fluchtartig die Orte verlassen und dabei militärische Ausrüstung und Waffen einfach zurückgelassen haben. Und nicht nur im Krieg zeichnet sich ein neuer Kurs ab, sogar in Putins Propaganda-Maschinerie ändert sich die Tonart.

Während es in der Ukraine offenbar nicht nach Plan für Russland läuft, warb Wladimir Putin derweil mal wieder um Unterstützung aus vermeintlich wohlgesonnen Ländern. In Usbekistan traf der Kreml-Chef auf Chinas Präsidenten Xi Jinping sowie den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Vor allem das Treffen von Putin und Xi wirkte trotz aller Vornahmen, an einem Strang ziehen zu wollen, allerdings erstaunlich inhalts- und euphorielos. Am Rande der Treffen äußerte sich Putin allerdings auch zum Kriegsverlauf in der Ukraine.

Ukraine-Gegenoffensive: Putin gesteht „geringes Tempo“ bei Vormarsch im Donbass ein

Denn nicht nur in der Region Charkiw lief es zuletzt offenbar ungünstig für die Russen, auch im Donbass stockt Putins Kriegsmaschinerie. „Unsere Offensivoperationen im Donbass werden nicht ausgesetzt“, erklärte Putin am Freitagabend bei einer Pressekonferenz zum Abschluss des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) in Usbekistan, musste aber auch eingestehen, dass die Offensive vor Ort lediglich „in geringem Tempo voran“ gehe. Trotzdem würde man „immer neue Gebiete“ einnehmen. Der russische Präsident spielt mittlerweile auch auf Zeit, behauptet, man habe es nicht eilig, die „spezielle Militäroperation“ zu beenden. Das große Kriegsziel, die „Befreiung“ der Donbass-Region bleibe weiterhin bestehen.

Gleichzeitig sprach Putin auch beim SCO-Treffen erstmals über den Rückeroberungszug der Ukrainer. Mehr als ein geheimnisvolles „schauen wir, wie diese sich entwickelt und womit sie enden wird“ brachte er allerdings nicht an. Stattdessen verwies er auf die Truppenstärke seiner Armee. „Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass wir nicht mit der ganzen Armee kämpfen“, drohte er. Allerdings hieß es zuletzt, Russland entsende vorerst keine neuen Truppen.

Bleiben im Gespräch: Der türkische Präsident Erdogan (l.) und der russische Präsident Putin.
Voll des Lobes für Erdogan (l.) war Putin (r.) beim Treffen in Usbekistan. © IMAGO/Alexandr Demyanchuk

Putin spricht bei SCO-Treffen erstmals über Ukraine-Gegenoffensive – und schwärmt dann von Erdogan

Dass es keine Friedensgespräche gebe, sieht Putin auf der Pressekonferenz in Verantwortung von Ukraine-Präsident Selenskyj. Im Gegensatz zu seinem ukrainschen Widersacher geräter bei seinem türkischen Amtskollegen Erdogan aber ins Schwärmen. Putin zeigte sich voll des Lobes und würdigte Erdogans „bedeutenden Beitrag“ im Versuch, den Konflikt zu beenden. Erdogan hatte in der Vergangenheit immer wieder für Treffen zwischen Putin und Selenskyj geworben, sich selbst dabei als Vermittler angeboten und war auch federführend beim Deal zur Ausfuhr von Getreidelieferungen aus der Ukraine. Putin versicherte Erdogan indes, dass Moskau großes Interesse an engeren Beziehungen zu Ankara habe und bereit sei, die russischen Exporte in das Land „erheblich auszubauen“.

Als der große Staatsmann konnte Putin sich beim SCO-Treffen allerdings nicht aufspielen. Stattdessen kam der Eindruck auf, der Kreml-Boss habe ein wenig an seinem Status eingebüßt. Selbst Kirgisistans Präsident ließ Putin warten, weshalb von einer „öffentlichen Demütigung“ die Rede war. (han/dpa)

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