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Putin gehen die Soldaten aus: Jetzt greift er zu „unkonventionellen“ Methoden

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Im Ukraine-Krieg erleidet Russlands Militär hohe Verluste. Um das Truppendefizit zu beseitigen, bedient sich Putin wohl unkonventionellen Methoden.

München — Nach wochenlangen Schwierigkeiten und Rückschlägen läuft der Ukraine-Konflikt für die Truppen des russischen Machthabers Wladimir Putin nun einfacher. Nach der Eroberung von Luhansk wollen sie jetzt auch Donezk einnehmen. Diese Karte zeigt, wo der Ukraine-Krieg wütet.

Dennoch leistet die Ukraine erbitterten Widerstand und fügt dem russischen Militär hohe Verluste zu. Um die gefallenen Soldaten zu ersetzen, weicht Russland offenbar auf unkonventionelle Methoden aus. Dazu gehören wohl unter anderem Rekrutierungen in Gefängnissen und das Versprechen von hohen finanziellen Vorteilen.

Ukraine-News: Putin rekrutiert jetzt wohl aus Gefängnissen - Video soll Wagner-Rekrutierung zeigen

In der Geheimdiensteinschätzung vom Dienstag (12. Juli) bestätigte das britische Verteidigungsministerium einen Personalmangel auf russischer Seite: „Personalmangel bei den russischen Streitkräften könnten das russische Verteidigungsministerium dazu zwingen, zu unkonventionellen Rekrutierungsmethoden zu greifen.“ So will Moskau laut London Häftlinge in Gefängnissen rekrutieren. Diese würden dann in der berüchtigten Wagner-Söldnergruppe mit engen Beziehungen zum Kreml dienen.

„Sollte das wahr sein, weist dieser Schritt wahrscheinlich auf Schwierigkeiten beim Ersetzen der erheblichen russischen Verluste hin“, so das britische Verteidigungsministerium. Moskau könnte dabei bereits angefangen haben, diesen Plan in die Tat umzusetzen. Der Kreml-Kritiker Igor Suschko veröffentliche ein Video auf Twitter, dass die Rekrutierung von Häftlingen in einer Strafanstalt in Adygeja im Nordkaukasus im südlichen Teil Russlands zeigen soll. Unter Berufung auf Quellen des russischen Menschenrechtlers und Aktivisten Vlad Osetschkin schrieb Suschko, 300 Personen seien rekrutiert worden.

Ukraine-News: Putin-Befehl an russische Regionen - Forderung nach jeweils einer Freiwilligen-Truppe

Im Hintergrund des Ukraine-Krieges wurde auch oft über eine mögliche Generalmobilmachung in Russland spekuliert. Zwar trat sie entgegen den Erwartungen bisher nicht ein, doch die US-Zeitung The New York Times berichtete von einer „heimlichen Mobilisierung“. Russland habe ein Problem mit Rekrutierung und Mobilisierung, sagte der unabhängige russische Analyst Kamil Galeev gegenüber der Zeitung. Verzweifelt versuche Moskau mit allen möglichen Mitteln mehr Soldaten zu rekrutieren. Im Internet und mit Plakaten auf Straßen werden für Kämpfer geworben.

Moskau vermeidet es, die Invasion der Ukraine als einen Krieg zu bezeichnen und spricht stattdessen von einer „militärischen Spezialoperation“. Dies verhindert allerdings die Einberufung von Reserven des russischen Militärs. Als Alternative sollen jetzt nach Vorstellung der russischen Führung offensichtlich mehr Freiwilligen-Bataillone in den Krieg ziehen.

Nach einer Einschätzung des amerikanischen Institute for the Study of War (ISW) muss jede der 85 russischen Region auf Befehl des Kreml jeweils eine Einheit aus Freiwilligen bereitstellen. Dies würde die russische Truppenstärke deutlich erhöhen: Laut dem Institut können so 34.000 neue Soldaten zusammengezogen werden. Dabei handle es sich um Verträge mit einer Laufzeit von sechs Monaten und einer Bezahlung von etwa 3.750 bis 6.000 Dollar.

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Allerdings gilt es auch zu beachten: Bei den meisten dieser schnell und unkompliziert rekrutierten Soldaten fehlt die nötige militärische Erfahrung. Ohne Training könnte sich der Einzug in den Krieg für sie zu einem Selbstmord-Szenario entwickeln. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass die alternativen Rekrutierungsmethoden des Kreml tatsächlich ihre Wirkung entfalten. Die hohen Bezahlungen für den Militärdienst dürften dazu beitragen. Mit stattlichen Summen lockt das russische Militär neue Rekruten an, wie die New York Times berichtete.

Die Bezahlungen für Soldaten wurden demnach deutlich hochgeschraubt. Vor dem Ukraine-Krieg belief sich das monatliche Gehalt eines Soldaten auf nur 200 Dollar, wobei der durchschnittliche Monatsgehalt in Russland um die 700 Dollar beträgt. Im militärischen Bereich hat sich die Lage nun fundamental geändert: Laut der amerikanischen Zeitung erhalten Freiwillige jetzt ein Gehalt von 2.000 bis 6.000 Dollar. Von den Bezahlungen könnten sich auch Arbeiter, deren Betriebe aufgrund von Sanktionen dicht gemacht wurden, verführen lassen.

Solche Anstrengungen des Kreml würden den Krieg zwar aufrechterhalten, das große Defizit an russischen Truppen aber nicht beseitigen, unterstrichen Analysten gegenüber der New York Times. Ob die Rekrutierungsmethoden Moskaus die Entwicklung im Krieg grundlegend beeinflussen werden, bleibt zu sehen. Jedenfalls sieht Ex-Brigadegeneral Erich Vad Putins Militär trotz der hohen Verluste im militärischen Vorteil und warnte vor einem möglichen Aus für Verhandlungen. (bb)

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