Putschversuch in Türkei

Türkisches Gericht verurteilt hunderte Menschen - Höchststrafen von bis zu 79-facher lebenslanger Haft

  • vonAstrid Theil
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Über vier Jahre nach dem Putschversuch in der Türkei verhängte ein Gericht Strafen gegen hunderte Personen. Einige erhielten Höchststrafen in Form einer Verurteilung zu 79-facher lebenslanger Haft.

  • Im Jahr 2016 kam es in der Türkei zu einem Putschversuch gegen Präsident Erdogan und seine Regierung.
  • Nun hat ein Gericht in der türkischen Hauptstadt Ankara hunderte Personen verurteilt, die an dem Putsch beteiligt gewesen sein sollen.
  • Darunter sollen hochrangige Militärs, Piloten und Polizisten sein.

Ankara - Der Putschversuch in der Türkei liegt mehr als vier Jahre zurück. Nun hat ein Gericht in der Hauptstadt Ankara hunderte Urteile gegen am Putsch beteiligte Personen gefällt. In dem Hauptverfahren sind mehr als 475 Menschen angeklagt worden. Darunter seien auch Anführer, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag (26. November 2020) berichtet hat.

Die Urteile wurden unter anderem wegen „Umsturzversuchs“, „Attentats auf den Präsidenten“ und „vorsätzlicher Tötung“ gefällt. Es wurden Strafen von bis zu 79-facher lebenslänglicher Haft unter erschwerten Bedingungen erteilt. Laut der Nachrichtenagentur Anadolu befinden sich unter den Verurteilten hochrangige Militärs, Piloten und Zivilisten. Sie seien alle rund um den Luftwaffenstützpunkt Akinci an der Putschnacht beteiligt gewesen. Der Putsch wurde von diesem Stützpunkt aus geleitet.

Nach Putsch in der Türkei: 250 Tote und über 2000 Verletzte

Am Abend des 15. Juli 2016 hatten Teile des Militärs versucht, gegen Erdogan und seine Regierung zu putschen. In der Nacht kam es in Istanbul und Ankara zu Kämpfen zwischen den Putschisten und staatstreuen Sicherheitskräften. Die Putschisten waren mit Panzern und Kampfjets ausgestattet und feuerten unter anderem auf Zivilisten, die sich ihnen entgegenstellten. Erdogan hatte die Zivilbevölkerung zuvor dazu aufgerufen. Das Parlamentsgebäude in Ankara wurde im Zuge der Kämpfe beschossen. Über 250 Menschen wurden in der Putschnacht getötet und etwa 2000 verletzt. Der Putschversuch wurde schließlich von der Regierungsmacht niedergeschlagen.

Verurteilung durch Gericht in Ankara: Höchststrafen von 79-facher lebenslanger Haft

Die Höchststrafen von 79-facher lebenslanger Haft erhielten unter anderem Piloten, die in der Nacht das Parlament und das Polizeihauptquartier bombardiert haben sollen. Darüber hinaus wurden vier Männer verurteilt, die ein Attentat auf den Präsidenten geplant haben sollen, erhielten Höchststrafen. Der Gerichtsprozess hatte bereits am 1. August 2017 begonnen. Die türkische Regierung sieht in dem Prediger Fethullah Gülen den Hauptverantwortlichen des Putsches. Dieser lebt in den USA und weist den Vorwurf nach wie vor vehement zurück. Einer Aussage des türkischen Innenministers zufolge seien bis zum heutigen Tag 292.000 Menschen in Einsätzen der Regierung gegen die Gülen-Bewegung festgenommen und 96.000 verhaftet worden. Auch weiterhin werde nach Beteiligten gesucht.

Bereits im Juni dieses Jahres wurden zahlreiche Personen verurteilt, die an dem Putsch partizipiert haben sollen. Einige Experten gehen nach wie vor davon aus, dass Präsident Erdogan den Putsch im Jahr 2016 selbst inszeniert habe. (at)

Rubriklistenbild: © Xinhua/dpa

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