Ein Teilnehmer auf einer Demonstration gegen die Wahlergebnisse der US-Präsidentschaftswahl trägt eine QAnon-Flagge.
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Ein Teilnehmer auf einer Demonstration gegen die Wahlergebnisse der US-Präsidentschaftswahl trägt eine QAnon-Flagge.

Filmemacher deckt auf

Verschwörungsideologie QAnon: Identität von „Q“ bekannt? Anführer soll sich selbst enttarnt haben

  • Felix Durach
    vonFelix Durach
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Die QAnon-Bewegung geriet durch den Sturm auf das Kapitol immer mehr in den öffentlichen Fokus. Nun soll die Identität ihrers Anführers gelüftet worden sein.

Washington D.C. - Die US-amerikanische QAnon-Bewegung erhielt vor allem durch den Sturm auf das Kapitol erhöhte Aufmerksamkeit in aller Welt. Viele Teilnehmer an den Unruhen rund um das US-amerikanische Parlament gaben sich als Anhänger der Verschwörungsideologie zu erkennen. Dabei ging vor allem das Bild von Jake Angeli, der mit nacktem Oberkörper und Büffel-Kopfschmuck im Kapitol stand, um die Welt. Auch Angeli ist bekennender QAnon-Anhänger.

QAnon-Bewegung in den USA: Donald Trump als Heilsbringer gegen Pädophilen-Ringe

Die dem Rechtsextremismus nahe Bewegung, die in den USA ihren Ursprung hat, verbreitet unter anderem Verschwörungserzählungen, wonach die politische und gesellschaftliche Elite einen Pädophilen-Ring betreibe, der aus dem Blut entführter Kinder ein Verjüngungsmittel herstelle. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump wird dabei von QAnon-Anhängern vor allem als eine Art Heilsbringer verehrt, der sich gegen die herrschenden Eliten zu Wehr setzen würde.

Verbreitet werden die kruden Verschwörungserzählungen vor allem auf Imageboards im Internet. 2017 begann ein vermeintlicher Insider der Trump-Administration, der sich „Q“ nannte, auf der Plattform 4Chan die Ideologien zu verbreiten. Später soll er auf die Plattform 8kun gewechselt sein. Die Identität hinter „Q“, der mit seinen Postings über die Jahre weitere Verschwörungserzählungen anheizte und dazu beitrug, dass die Gruppe sich immer weiter radikalisierte, blieb bisher jedoch immer ein Rätsel. Bis jetzt.

Der QAnon-Anhänger Jake Angeli (m.) während des Sturms auf das Kapitol im Januar 2021.

QAnon-Bewegung: Identität von Anführer augedeckt? Er soll hinter „Q“ stecken

Der Filmemacher Cullen Hoback der die QAnon-Dokumentation „Q: Into the Storm“ für den US-Sender HBO produziert hat, gibt an, in seinen Recherchen auf die wahre Identität des vermeintlichen Insiders gestoßen zu sein. Bei „Q“ soll es sich demnach Ron Watkins halten, der bis 2020 als Administrator auf 8kun aktiv war. Aufgrund der Verbindung zu 8kun wurde schon länger spekuliert, dass Watkins die wahre Identität von „Q“ kenne.

Hoback sprach deswegen im Rahmen seine Dokumentation mehrmals mit Watkins und nahm die Interviews auf. In einem Gespräch wechselte Watkins beim Sprechen über „Q“ plötzlich in die erste Person und könnte sich so selbst enttarnt haben. „Im Grunde waren es drei Jahre Geheimdiensttraining. Normalos beizubringen, wie man Geheimdienstarbeit macht. Im Grunde das, was ich bereits zuvor anonym gemacht habe, aber nie als Q“, sagte Watkins auf eine Frage Hobacks über die Methoden der Bewegung.

USA: Filmemacher will Identität von QAnon-Anführer aufgedeckt haben - „Er wusste es und ich wusste es“

Als Ron Watkins seinen Fehler bemerkte, musst er lachen und ergänzte hastig: „Niemals als Q, das verspreche ich. Denn ich bin nicht Q.“ Hoback kommentierte das Interview in seiner Dokumentation mit den Wort „Ron hatte einen Fehler gemacht. Er wusste es und ich wusste es.“

Watkins flüchtete sich nach dem Interview in Ausreden. Einen Tag bevor „Q: Into the Storm“ in den USA erstmals ausgestrahlt wurde schickte er eine Nachricht an seine 150.000 Follower bei Telegram: „Freundliche Erinnerung: Ich bin nicht Q.“ Kurze Zeit später behauptete Watkins gemeinsam mit seinem Vater Jim, dem Betreiber von 8kun, Hoback selbst stecke hinter „Q“.

QAnon-Bewegung: Identität von „Q“ bekannt? „Immer auf den Moment gewartet“

Dem Sender CNN erklärte Dokumentarfilmer Hoback, er selbst habe ebenfalls seit längerer Zeit Watkins hinter dem Pseudonym „Q“ vermutet. Er habe „immer auf den Moment gewartet, in dem Ron ein Fehler unterlaufen würde“. Inwieweit diese Entwicklungen Einfluss auf die QAnon-Bewegung haben, bleibt abzuwarten. Ohnehin wurde es mit dem Ausscheiden von Donald Trump aus dem Präsidentenamt etwas ruhiger um die Gruppierung. (fd)

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