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John Cleese bei einem Besuch in Berlin

Jahrealter Fake feiert im Netz ein Comeback

Die Queen übernimmt für Trump: Der Witz, den John Cleese nie machte

Los Angeles - Im Netz kursiert nach der Trump-Wahl ein offener Brief, vermeintlich von John Cleese. Geschrieben hat er den Text nicht. Aber er zeigt: US-Wahlen bieten öfter mal Stoff für Witze.

Gut fünf Tage liegt die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten zurück - für viele Internet-User offenbar der passende Zeitpunkt, die Sache so langsam mit schwarzem Humor zu nehmen. Und wer könnte für solch ein Unterfangen eine bessere Vorlage liefern als John Cleese; jener Brite, der vor 47 Jahren „Monty Python‘s Flying Circus“ auf die TV-(Röhren)-Bildschirme brachte?

So kam in den vergangenen paar Tagen im Netz zusammen, was scheinbar zusammengehörte: Auf Reddit und verschiedensten Facebook-Seiten, auch bei Twitter und indirekt sogar im Blog des ARD-Hauptstadtstudios tauchte der Link zu einer vermeintlichen Reaktion Cleeses auf die Trump-Wahl auf: Ein offener Brief, der die USA und ihre Wahlbevölkerung auf die Schippe nimmt - und sarkastisch neuen Anspruch der Briten auf das Land proklamiert.

Nur an Utah hat die Queen „kein Interesse“

„An die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika: Im Lichte Ihres Versagens, einen kompetenten Präsidenten der USA zu wählen und sich auf diesem Wege selbst zu regieren, setzen wir Sie hiermit über die Annullierung Ihrer Unabhängigkeit in Kenntnis“, beginnt der Text, der mit den Worten „Ein Brief an die USA von John Cleese“ überschrieben ist. 

„Ihre souveräne Majestät, Queen Elizabeth II., übernimmt hiermit wieder monarchische Regentschaft über alle Staaten, Gemeinwesen und andere Territorien. Mit Ausnahme von Utah, an dem sie kein Interesse hat“, heißt es weiter. Die britische Premierministerin Theresa May werde einen Amerika-Minister ernennen.

Der Witz kursierte schon zu George W. Bushs Zeiten

Ein Scherz, natürlich. Aber obendrein auch noch ein Fake. Denn der Witz ist nicht neu. Er lässt sich bis ins Jahr 2000 zurückverfolgen: Bereits nach der ersten Wahl George W. Bushs zum US-Präsidenten kursierte der Gag in Newsgroups im - damals noch jungen- World Wide Web. Nur der Name Tony Blairs stand zu dieser Zeit noch im dritten Absatz des „Briefs“ - ebenso wie 2004, als Bush wiedergewählt wurde.

Der Text stammt offensichtlich nicht aus John Cleeses Feder. Nicht nur, dass sich in der meistgeteilten Version der Webseite „cogink.com“ einige orthographische Fehler finden und Cleese auf seinen Social-Media-Kanälen nie auf der Werk verwies. Verschiedene Quellen, etwa die Hoax-Jäger der US-Page „snopes.com“ haben die Genese des Texts zurückverfolgt. Und herausgefunden, dass es sich um ein über die Jahre gewachsenes Gemeinschaftswerk verschiedenster, privater - meist britischer - Nutzer handelt. Eine Art Wikipedia des Witzereißens über die USA.

Die passenden Minister für ein „Piratenschiff“?

Der kleine virale Spaß zeigt also wohl vor allem: Geschichte wiederholt sich doch. Insbesondere, wenn es darum geht, dass Briten die Stirn über die Wahlentscheidungen der US-Amerikaner runzeln.

Und John Cleese? Der hat sich natürlich auch schon über den kommenden Präsidenten Trump geäußert. Allerdings nicht in einem Brief, sondern zusammen mit seinen „Monty Python“-Kollegen Eric Idle vor laufenden Kameras in Conan O‘Briens Talkshow „Conan“.

Er freue sich besonders auf das „interessante“ Kabinett Trumps, scherzte Cleese. Mit möglichen Ministern wie Newt Gingrich - der bereits die Wiedereinführung eines Komitees gegen „unamerikanische Umtriebe“ anregte - und dem republikanischen Gouverneur Chris Christie könne Trump große Unternehmungen angehen: „Er könnte mit dem Haufen ein Piratenschiff führen!“, spottete der Brite.

fn

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