Claudia Stamm wartet auf den Bericht der Staatsregierung.

Frauenanteil in Unternehmen

Der Staat hat Quoten-Probleme

München – Firmen, an denen der Freistaat beteiligt ist, haben kaum weibliches Spitzenpersonal. Die Opposition ist empört.

Eigentlich ist die CSU gerade dabei, sich mit mehr Frauenförderung anzufreunden. Für die Führungsgremien der Partei gilt seit 2010 eine Quote von 40 Prozent. Im Koalitionsvertrag in Berlin ist ein Frauenanteil von 30 Prozent in Aufsichtsräten großer Unternehmen festgeschrieben – die CSU trägt es grundsätzlich mit. Nun wird es für die Partei aber an einer weiteren Quotenfront ungemütlicher: beim Frauenanteil in Unternehmen des Freistaats.

In Vorständen und Geschäftsführungen der 70 Firmen, an denen der Freistaat beteiligt ist, saßen 2014 gerade einmal 14 Frauen – von 110 möglichen Posten. Das entspricht einer Quote von rund 13 Prozent. In Aufsichtsräten wurden von 110 Posten 17 weiblich besetzt. Quote: 15 Prozent. Die Zahlen stammen aus dem Beteiligungsbericht der Staatsregierung, die Finanzstaatssekretär Johannes Hintersberger (CSU) gestern im Haushaltsausschuss vorstellte. Die Opposition ist empört. Eine „Katastrophe und ein Offenbarungseid“, schimpft der SPD-Abgeordnete Harald Güller. „Es hat sich nullkommanull bewegt“, sagt Claudia Stamm von den Grünen.

Im Vergleich zum Vorjahr ist der Frauenanteil in Unternehmen, in denen die CSU-Staatsregierung direkt Einfluss nehmen kann, damit nur marginal gestiegen. Der geringe Anteil ist grundsätzlich nichts Neues. Anfang des vergangenen Jahres beantragte die Opposition aber einen Bericht der Staatsregierung. Zudem müsse ein Konzept her, wie mehr Frauen in Führungspositionen kommen können. Die CSU lehnte ab, legte aber kurz darauf einen eigenen Berichtsantrag vor. Eigentlich sollte dieser Bericht schon im vergangenen Sommer vorliegen. Die Staatsregierung verschob ihn mehrmals. Bis heute lässt er auf sich warten. Trotzdem verteidigt sich Hintersberger gegen die Kritik: „Es ist falsch, wenn Sie sagen, dass wir das Thema nicht ernst nehmen.“

Die Zahlen sprechen dagegen. Auch bei Neubesetzungen kommen nur wenige Frauen zum Zug. 2013 wurden nach Angaben des Finanzministeriums zwölf Spitzenpositionen neu besetzt. Nur zwei Frauen bekamen einen der Jobs. Der Freistaat sei in der Pflicht, sagt Claudia Stamm. Andere Staaten wie Frankreich hätten sich längst Zielmarken für Frauenquoten in ihren eigenen Unternehmen gesetzt. Die Ziele würden regelmäßig übererfüllt.

Auch CSU-Abgeordneten geht die Situation auf die Nerven. Der CSU-Abgeordnete Ernst Weidenbusch etwa stänkert gestern im Haushaltsausschuss gegen die Münchner Flughafengesellschaft. Wenn es um die Neubesetzung von Spitzenposten gehe, seien dort immer nur Männer im Gespräch. Das müsse sich ändern.

Die Staatsregierung will nun in die Offensive gehen. Der Bericht komme in den nächsten Wochen, hieß es gestern im Finanzministerium. Den Quotenstreit dürfte dann in die Fortsetzung gehen.

Til Huber

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