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Selenskyj bestreitet Raketen-Fehler – Nato-Diplomat entsetzt: „Ukraine zerstört Vertrauen“

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Von: Franziska Schwarz

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Der Raketen-Zwischenfall in Polen hat große Sorgen geschürt. Wolodymyr Selenskyj sieht weiter keine Beteiligung der Ukraine – und erntet Entsetzen.

München - Ein russischer Angriff auf Nato-Gebiet? Der Raketeneinschlag in Polen mit zwei Toten hat international Wellen geschlagen. Der Gedanke an den Nato-Artikel 5 kam auf - also an den „Bündnisfall“ im Ukraine-Krieg.

Raketenbeschuss auf Polen: Selenskyj geht von Rakete aus Russland aus

Inzwischen schätzt man in der Nato und auch in Warschau selbst, dass es sich um ein ukrainisches Geschoss handelte, das einen russischen Raketenangriff in der Ukraine abwehren sollte. Auch Washington zweifelte an Beschuss auf Geheiß von Kremlchef Wladimir Putin.

Der ukrainische Präsident dementierte nun. „Ich habe keinen Zweifel, dass es sich nicht um unsere Rakete handelt“, sagte Wolodymyr Selenskyj am Mittwoch (16. November) im ukrainischen TV. „Ich glaube, dass es eine russische Rakete war, basierend auf den Berichten unseres Militärs.“

Schuldigen-Suche nach Raketeneinschlag in Polen: „Jetzt wird es lächerlich“

Kiew habe bislang keine Beweise dafür gesehen, dass es sich um eine ukrainische Rakete handelte, sagte Selenskyj in seiner Videobotschaft weiter und forderte eine gemeinsame Untersuchung. Die Verbündeten seines Landes sollten, „alle Daten“ über den Vorfall zur Verfügung zu stellen: „Wir wollen alle Details klären, alle Fakten.“

Ärger über die Verdächtigungen herrschte nicht nur in Moskau. „Jetzt wird es lächerlich“, befand ein nicht namentlich genannter Nato-Diplomat gegenüber der Financial Times. „Niemand gibt ihnen die Schuld, und jetzt lügen sie öffentlich“, zitierte ihn die Zeitung. Die Regierung in Kiew zerstöre so Vertrauen, meinte er. „Der ukrainische Präsident hat sich geirrt, als er sofort die Russen beschuldigte. Das ist ein schlechtes Vorbild“, kritisierte auch Viktor Orbáns Stabschef Gergely Gulyas Selenskyj.

Raketenbeschuss auf Polen: Strack-Zimmermann bedauert Tweet – „Indirekt zu voreilig“

Auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann sah auf Twitter zunächst Russland als Schuldigen. Den Tweet löschte sie alsbald - worauf Sandra Maischberger die FDP-Verteidigungspolitikerin in ihrem ARD-Talk noch am Abend ansprach.

„Ja, ich war indirekt zu voreilig, deshalb habe ich das getan“, sagte Strack-Zimmermann auch am Donnerstagmorgen (17. November) dem Radiosender Bayern2. Sie habe sich auf Quellen verlassen, die sich dann als nicht glaubwürdig herausgestellt hätten. „Bei dieser Diskussion darf man aber nicht vergessen, dass dieser ‚Fehlzünder‘‘ natürlich eine Tragödie ausgelöst hat.“ Die Ukraine habe sich mit einer Rakete gegen die russische Zerstörung ihrer Infrastruktur wehren wollen, die dann leider 70 Kilometer weiter westlich auf polnischem Staatsgebiet eingeschlagen sei. „Das war eine Reaktion auf einen Angriff.“ Man dürfe nicht Täter und Opfer verwechseln.

Ob es sich wirklich um ein ukrainisches Geschoss handelte, „wurde mir nicht bestätigt“, sagte Strack-Zimmermann dem Sender, „aber es waren polnische und amerikanische Experten vor Ort“. Was die „Irritation“ über den Verursacher ausgelöst habe, sei gewesen, dass die Ukraine teils noch sowjetisches Material in den Gefechten benutzt. (frs mit Material von dpa)

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