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Angriff in Kramatorsk: Raketen-Überreste mit Aufschrift „Für die Kinder“ entdeckt - Was das heißen könnte

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Von: Momir Takac

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Nach dem Angriff auf den Bahnhof in Kramatorsk mit Dutzenden Toten werden Raketen-Überreste gefunden. Darauf steht: „Für die Kinder“. Was ist damit gemeint?

Kramatorsk/Kiew - Im Ukraine-Konflikt nimmt die Gewalt kein Ende. Mehr noch, sie nimmt zu. Nach den Gräueltaten in Butscha sieht die Welt in Kramatorsk wieder furchtbare Bilder. Bilder von Verwüstung und Tod.

Als sich am Freitag (8. April) Tausende Menschen am Bahnhof der Stadt im Osten der Ukraine versammeln, um vor den Angriffen der russischen Streitkräfte zu fliehen, schlagen plötzlich Raketen ein. Laut dem Gouverneur des Gebiets Donezk sterben 50 Menschen. Fünf davon sollen Kinder sein. Verletzt werden Pawlo Kyrylenko zufolge knapp 100 Personen.

„Für die Kinder“: Satz auf Kramatorsk-Rakete wirft Fragen auf

Die Empörung nach den Raketenangriffen in Kramatorsk war anschließend groß. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete die Attacke als „verabscheuungswürdig“, Bundeskanzler Olaf Scholz verurteilte den „grausamen“ Angriff.

Doch wer verübte ihn? Wie so oft im Ukraine-Krieg schieben sich die Parteien die Schuld gegenseitig zu. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gab Russland die Schuld. „Da ihnen die Kraft und der Mut fehlen, sich auf dem Schlachtfeld gegen uns zu behaupten, zerstören sie zynisch die Zivilbevölkerung“, schrieb er bei Instagram.

„Für die Kinder“: Schriftzug auf Kramatorsk-Rakete an Zynismus kaum zu überbieten

Moskau wiederum wiegelte ab. Russische Streitkräfte nutzten diesen Raketentyp nicht, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Damit meint Wladimir Putins Sprecher den mutmaßlich verwendeten Typen Totschka-U. Dagegen sprechen Darstellungen eines ranghohen westlichen Regierungsvertreters. „Wir wissen, dass die russischen Streitkräfte Totschka-U haben“, betonte er.

Laut Investigativreportern sollen in Belarus stationierte russische Streitkräfte Raketen dieses Typs erhalten haben. Und noch ein Detail, das besonders zynisch anmutet, könnte für eine Beteiligung russischer Truppen sprechen. Auf Überresten des Geschosses, das nahe dem Bahnhof von Kramatorsk gefunden wurde, steht in weißer Schrift auf Russisch: „Für die Kinder“.

Prorussische Separatisten werfen ukrainischen Truppen vor, Kinder im Donbass zu töten

Die prorussischen Separatisten, die Kramatorsk und das gesamte Gebiet Donezk beanspruchen, werfen den ukrainischen Truppen seit Jahren vor, sie würden mit wahllosem Beschuss auch Kinder in den selbst ernannten „Volksrepubliken“ töten. Dafür gibt es keine Beweise.

Wenn man nun aber davon ausgeht, dass die Rakete von russischen oder Putin nahe stehenden Truppen abgefeuert wurde, bedeutet es: Die Russen feuerten sie mutmaßlich ab, um die Kinder in Russland und im Donbass zu verteidigen oder gar zu rächen. Am Ende tötete die Rakete wieder Kinder. (mt/dpa)

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