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Mitra Sharifi NeystanakVorsitzende des AGABY e.V.

Aktion gegen Diskriminierung

„Rassismus wird wieder salonfähig gemacht“

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München - Es soll ein lautes Zeichen werden. Zum Internationalen Tag gegen Rassismus am Montag rufen zwei Vereine bayernweit die Menschen auf die Straße. Sie wollen den immer schärfer werdenden Parolen von rechts Argumente entgegesetzen.

Seit Mitra Sharifi Neystanak 1985 aus dem Iran nach Deutschland kam, hat sich integrationspolitisch viel getan. „Es hatte sich wirklich zum Positiven entwickelt. Die Bereitschaft, Vielfalt in der Gesellschaft zu akzeptieren, ist gestiegen“, sagt die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns (AGABY). Doch diese positive Entwicklung stehe derzeit still. „Ich habe sogar das Gefühl von einem Rückschlag“, sagt Sharifi Neystanak. Mit den hohen Flüchtlingszahlen sei der Rassismus wieder salonfähig geworden. Und das will sie nicht hinnehmen.

Deshalb ruft der AGABY-Verein gemeinsam mit dem Netzwerk Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern heute zu einer bayernweiten Aktion auf. Um 17.30 Uhr gehen in 16 Kommunen des Freistaats, darunter in München, Nürnberg und Sharifi Neystanaks Heimatstadt Bayreuth, Menschen auf die Straße. Zum Internationalen Tag gegen Rassismus wollen die Initiatoren „lauter sein gegen Rassismus“ – so das Motto. Sie wollen ein Zeichen setzen, gegen Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus.

Die Aktion ist auch eine Reaktion auf die politische Entwicklung der vergangenen Monate. „Die Erfolge von AfD und rechtsradikalen Gruppierungen machen uns große Sorgen“, sagt Sharifi Neystanak. Nicht nur wegen der Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte, sondern weil sich eine fremdenfeindliche Geisteshaltung auch auf das Klima in der Gesellschaft auswirke. „Das bekommt jetzt nochmal eine neue Intensität, die Stimmung wird aggressiver, die Sprache, auch in der Politik, härter.“ Sie ist der Meinung, die Flüchtlinge würden instrumentalisiert, „um die Ressentiments gegenüber sogenannten Fremden als große Gefahr für die Gesellschaft zu inszenieren“. Leider würden diese Vorurteile auch von Teilen der Politik verstärkt.

Zudem werden derzeit viele Dinge, für die Sharifi Neystanak und ihre Mitstreiter jahrelang gekämpft haben, wieder rückgängig gemacht. „Freizügigkeit, Aufhebung von Residenzpflicht, die Abschaffung von Sachleistungen“ – alles wieder in Frage gestellt. Dazu die Diskussionen in den sozialen Medien, die durch Gerüchte oder Lügen befeuert würden. „Die Angst frisst sich durch die Köpfe und Herzen der Menschen.“

All das zeige, dass Rassismus nicht nur am Rande der Gesellschaft, bei den Rechtsradikalen, zu verorten sei, sondern nach wie vor in der Mitte der Gesellschaft verankert ist. „Jeder von uns – und da nehmen wir auch die Migranten nicht aus – muss sich mit dem Thema auseinandersetzen.“ Das soll auch ein Ziel der Aktion sein. „Das Bewusstsein schärfen. Und Menschen zusammenzuholen, die sich in diesem Bereich engagieren wollen.“ Gemeinsam müsse man mit den Menschen ins Gespräch kommen und Aufklärung leisten, „um dem Rassismus den Wind aus den Segeln zu nehmen“.

Sie will die Menschen ermutigen, sich gegen den Alltagsrassismus zu stellen, den auch sie erlebt hat. Sie hat schon im Iran Böll, Brecht und Hesse gelesen. „Aber als ich nach Deutschland kam, hatte ich das Gefühl, nicht als Mensch mit individuellen Fähigkeiten und Interessen wahrgenommen zu werden. Ich wurde auf meine Herkunft, meine Religion reduziert.“ Diese Einstellung verletze tagtäglich viele Menschen. „Wenn man zum Vorstellungsgespräch nicht eingeladen wird, wenn man die Wohnung nicht kriegt, weil man Ausländer ist. Oder wenn man Kopftuch trägt und deshalb sofort als inkompetent abgestempelt wird.“ Es sind diese vermeintlich kleinen Dinge, die oft „verbaute Lebenschancen bedeuten“.

Aber Mitra Sharifi Neystanak sieht in der aktuellen Debatte auch eine Chance. „Ich hoffe darauf, dass die Zivilgesellschaft sagt: Okay, der Rassismus ist jetzt sichtbar. Jetzt ist die Zeit, sich damit auseinanderzusetzten, sich dagegen aufzustellen.“ Und zwar laut. Damit sie die vergangenen 30 Jahre nicht umsonst gekämpft hat.

Die Aktion:„Lauter sein gegen Rassismus“ findet in vielen bayerischen Kommunen statt. Eine Übersicht gibt es auf www.agaby.de

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