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Wirbel um TV-Bericht: ARD gibt Fehler an Merz-Kritik zu - CDU über „Geisterfahrt“ erbost

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Von: Patrick Freiwah

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Nicht nur Thema bei den Grünen: der reiche CDU-Chef Friedrich Merz und seine „Lebenswirklichkeit“
Nicht nur Thema bei den Grünen: der reiche CDU-Chef Friedrich Merz und seine „Lebenswirklichkeit“. © IMAGO/Christian Spicker

Betreibt der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz eine Politik für das deutsche Bürgertum? Die Grünen sind skeptisch - und ein Schnittfehler sorgt für Kritik an der ARD aus der Union.

Berlin/München - Sogar gegenüber einem „normalen Bundestagsabgeordneten“ ist Friedrich Merz wohlhabend. Das sorgt bei politischen Gegnern regelmäßig für Kritik. In einer Rede im Bundestag ergriff nun die Grünen-Fraktionvorsitzende Britta Haßelmann das Wort und attackierte den CDU-Chef scharf. Es ging um das Thema Bürgergeld.

Aufgegriffen wurde die Rede (13. November) von der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. Die ARD muss nun jedoch zurückrudern und sieht sich im Internet selbst Kritik ausgesetzt. Als die Vorsitzende der Bundestagsfraktion über die „Lebenswirklichkeit“ von Merz erzählte, führte ein Schnittfehler des TV-Magazins zu scharfer Kritik aus der Union - inmitten der Diskussionen um den Qualitätsanspruch der Öffentlich-Rechtlichen.

Bürgergeld-Debatte: Haßelmann kritisiert Merz - ARD schneidet Lacher rein

Während der Rede von Haßelmann spielte die ARD das Bild eines lachenden Merz ein, der an der Seite von Parteifreund Thorsten Frei hämisch grinst. Das Problem: In Wirklichkeit war die gezeigte Szene nicht die Reaktion auf Haßelmanns Worte. Im TV-Sender Phoenix wurde die Bundestagsrede übertragen - und dort hat eine derartige Reaktion von Merz schlichtweg nicht stattgefunden.

Nach Angaben des ARD-Hauptstadtstudios gegenüber Merkur.de handelte es sich lediglich um eine Panne. Die Szene mit dem Lacher von Merz habe einige Sekunden zeitversetzt stattgefunden. Man habe den Fehler bereits korrigiert und den Beitrag in der ARD-Mediathek samt eines Transparenzhinweises ausgetauscht. In der öffentlichen Äußerung zum Vorfall hieß es: „Im Bericht aus Berlin vom 13.1.2022 wurde im Beitrag über den Streit um das Bürgergeld ein falsches Bild eingesetzt. Wir bitten dafür um Entschuldigung und werden das Bild im Beitrag korrigieren und ihn neu in der Mediathek hochladen.“

Naturgemäß reagierte die Union erbost, um den Parteichef in Schutz zu nehmen. Merz-Fraktionskollege Frei lässt gegenüber Bild.de wissen: „Durch den unpassenden und unseriösen Zusammenschnitt von Fotos und Filmausschnitten trägt Journalismus nicht zur Aufklärung bei, sondern fördert die Polarisierung der Gesellschaft!“. Mit Hermann Gröhe zeigt sich ein weiterer CDU-Parteifreund des 67-Jährigen erbost - und spricht von einer „Geisterfahrt“ der ARD.

Friedrich Merz und seine „Lebenswirklichkeit“ - ARD gibt Fehler zu

Worum ging es in der Rede von Haßelmann eigentlich? Friedrich Merz, der sich öffentlich mal der „Mittelklasse“ zugehörig fühlte, ist in Wirklichkeit wohlhabend und sorgte vor einigen Wochen auch bei der pompösen Hochzeit von Finanzminister Christian Lindner für Aufsehen, weil er mit dem Privatjet nach Sylt reiste. „Jemand mit so einer Lebenswirklichkeit kann sich nicht in die Rolle einer alleinerziehenden Mutter hineinversetzen“, lautet Haßelmanns These in Bezug auf das geplante Bürgergeld und Anmerkungen von Merz, es würde Betrug leichter machen und nicht genug Anreize zum Arbeiten setzen.

Auch trotz und wegen der Korrektur gab es schließlich weiterhin Kritik an der ARD – User fordern, eine Richtigstellung müsse auch im TV erfolgen, weil im Internet viele ältere Bürger gar nicht oder kaum erreichbar seien. (PF)

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