+
Hubert Aiwanger ist mit den Freien Wählern dritte Kraft im Parlament.

Aiwanger: "Wir haben uns wacker geschlagen"

München - Die Freien Wähler wollen sich von den Ergebnissen der bayerischen Landtagswahl nicht ausbremsen lassen. „Wir arbeiten weiter, frohen Mutes“, sagte Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger am Sonntagabend.

Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger sieht seine Partei in Bayern gestärkt. „Wir sind neben der CSU die Kraft in der bürgerlichen Mitte“, sagte der Partei- und Fraktionschef am Sonntag im ZDF. Die Freien Wähler hätten ihr Wahlergebnis in etwa gehalten. Dagegen „ist die FDP weg vom Fenster“. Seehofers Angebot einer engeren Abstimmung mit den Oppositionsparteien griff Aiwanger sofort auf: Er könne ja noch einmal über eine Wahlfreiheit zwischen acht- und neunjährigem Gymnasium nachdenken, schlug Aiwanger dem Ministerpräsidenten vor.

Alle Informationen finden Sie in unserem Live-Ticker

Die Freien Wähler wollen sich allgemeinen von den Ergebnissen der bayerischen Landtagswahl nicht ausbremsen lassen. „Wir arbeiten weiter, frohen Mutes“, sagte Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger am Sonntagabend im Bayerischen Fernsehen. Nach ersten Progosen kamen die Freien Wähler genau wie die Grünen auf 8,5 Prozent der Stimmen. „Wir sind auf Augenhöhe mit den Grünen“, sagte Aiwanger.

Hubert Aiwanger hatte klare Vorstellungen - und musste am Sonntagabend erkennen, dass die Wähler in Bayern sie nicht teilten. Die forsch anvisierten 15 Prozent wurden deutlich verfehlt. Mit deutlich unter neun Prozent müssen sich die Freien Wähler diesmal begnügen - nachdem sie 2008 über ein Rekordergebnis von 10,2 Prozent gejubelt hatten.

Jubel und Tränen: Landtagswahl Bayern in Bildern

Jubel und Tränen: Landtagswahl Bayern in Bildern

Die Ankündigung Aiwangers, nun auch bundesweit die Fünf-Prozent-Hürde zu knacken, dürfte im Licht der Bayern-Wahl die politischen Gegner nun etwas weniger schrecken. Doch immerhin hat Aiwanger, der studierte Landwirt mit dem starken niederbayerischen Dialekt, auch bundesweit inzwischen eine gewisse Bekanntheit erlangt.

Und schließlich ist es dem 42-Jährigen zu verdanken, dass die Freien Wähler zum zweiten Mal in Folge ins Maximilianeum einziehen. Der landespolitische Erfolg der zunächst nur in den Kommunen verankerten Gruppierung geht klar auf sein Konto. "Wenn wir sehen, dass sich die FDP gedrittelt hat, dass wir auf Augenhöhe sind mit den Grünen, dass wir drittstärkste Kraft sind, freuen wir uns", sagt Aiwanger am Wahlabend. "Für uns geht das Leben weiter wie gewohnt. Wir arbeiten aus der Opposition heraus weiter."

Bundestagswahl 2013: Ergebnisse finden Sie hier!

Der erst vor elf Jahren in die Politik eingestiegene Aiwanger ist Landtags-Fraktionschef, Chef des bayerischen Landesverbands und Chef des Bundesverbands Freie Wähler. "Wir sind nicht aufs Regieren angewiesen", hatte er schon vor der Wahl gesagt - und selbstbewusst die Bedingungen für eine mögliche Koalition mit der CSU formuliert: Nur wenn es große Zugeständnisse der Christsozialen gebe, würde er mit diesen koalieren.

Ein etwas übersteigert wirkendes Selbstbewusstsein, das aber auch als Trotzreaktion auf Beleidigungen aus seinen parlamentarischen Anfängen zu verstehen ist. "Red' Deutsch" riefen sie dem Niederbayer etwa bei seiner ersten Landtagsrede aus den Reihen der CSU entgegen.

Aiwanger, der ein langes O statt des A spricht - "Ooopfelschorle" sagt er bei der Frage nach seinem Lieblingsgetränk - ließ sich von den Attacken aber nicht verunsichern. Inzwischen genießt er auch bei Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) Respekt. Es gibt kein Thema, bei dem die Freien Wähler sich nicht mit Substanz zu Wort melden und am Image als die wahre Partei der kleinen Leute basteln. Wochenlang trieben sie die CSU und deren Koalitionspartner FDP etwa bei den Studiengebühren vor sich her.

Aiwanger betont zwar, dass die Freien Wähler kein Ein-Mann-Betrieb seien und viele fähige Köpfe hätten. Aber tatsächlich reißt der Agraringenieur, der mit seiner Landtagskollegin Tanja Schweiger seit dem vergangenen Jahr einen Sohn hat, alle Macht an sich.

Darüber gibt es immer mal wieder Murren unter den Freien Wählern. Vor allem aber scheiterten alle Versuche, weitere Alphatiere ins Boot zu holen und die Partei damit auf eine breitere Basis zu stellen: Die einstige CSU-Landrätin Gabriele Pauli schmiss Aiwanger raus. Der als Spitzenkandidat zur Bundestagswahl vorgesehene Adenauer-Enkel Stephan Werhahn verließ die Freien Wähler nach kurzer Zeit und kehrte reumütig zur CDU zurück. Und der ehemalige Industrie-Präsident Hans-Olaf Henkel macht inzwischen für die Euro-Gegner der Alternative für Deutschland (AfD) Wahlkampf.

Aiwanger geht über diese personellen Pleiten hinweg als sei nichts geschehen. Eine Revolte in den eigenen Reihen wird es trotz des etwas schwächeren Abschneidens vermutlich nicht geben. Der Jäger aus dem Dorf Rahstorf bei Rottenburg, der ohne seine Lebensgefährtin bei seinen Eltern auf dem Bauernhof lebt, dürfte weiter die unumstrittene Nummer eins bei den Freien Wählern bleiben.

AFP/dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Türkei fordert erneut Absage von „illegalem“ Kurden-Referendum
Die Türkei hat die kurdische Führung im Nordirak erneut zur Absage des geplanten Unabhängigkeitsreferendums aufgefordert und andernfalls mit Konsequenzen gedroht.
Türkei fordert erneut Absage von „illegalem“ Kurden-Referendum
Istanbuls Bürgermeister Topbas tritt nach 13 Jahren zurück
Nach 13 Jahren im Amt ist der Bürgermeister von Istanbul, Kadir Topbas, zurückgetreten. Der 72-jährige AKP-Politiker machte am Freitag keine Angaben zu den Gründen für …
Istanbuls Bürgermeister Topbas tritt nach 13 Jahren zurück
21 Flüchtlinge vor türkischer Schwarzmeerküste ertrunken
Auf dem Weg von der Türkei in die EU wählten Flüchtlinge einst vor allem die Route über die Ägäis. Inzwischen scheinen sie zunehmend auf das Schwarze Meer auszuweichen - …
21 Flüchtlinge vor türkischer Schwarzmeerküste ertrunken
Angela Merkel in München: Kanzlerin gnadenlos ausgepfiffen
Wahlkampf-Hölle für die Kanzlerin in München. Angela Merkel wurde am Freitag auf dem Marienplatz massiv ausgebuht. Zum Ticker vor der Bundestagswahl 2017.
Angela Merkel in München: Kanzlerin gnadenlos ausgepfiffen

Kommentare