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André Wendt bei der Haushaltsdebatte im sächsischen Landtag.

Realsatire im Sachsen-Landtag

AfDler verzettelt sich komplett: Video erheitert das Netz

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Leipzig - Eine Flut von Anträgen hatte die AfD im sächsischen Landtag gestellt. Der Abgeordnete André Wendt geriet selbst ganz durcheinander - und sorgte für Szenen wie bei Loriot.

Fast 40.000 Mal aufgerufen wurde auf YouTube ein Video, das Marc Dietzschkau, Pressesprecher der SPD im sächsischen Landtag, online gestellt hat. Es zeigt, wie sich AfD-Abgeordneter André Wendt selbst nicht mehr auskennt angesichts der Flut an Änderungsanträgen, die seine Partei zu den Haushaltsberatungen eingebracht hat.

Minutenlang geht es um die Reihenfolge der Anträge und welcher wie eingebracht werden soll. „74-95 bis -99. wollen Sie dazu auch etwas sagen?“, will Landtags-Vizepräsident Horst Wehner zu Beginn wissen, als Wendt eigentlich schon wieder zu seinem Platz zurück will. Wendt sucht in seinen Unterlagen, stopselt etwas vor sich hin, erklärt dann, er wolle später was dazu sagen. Doch Wehner hält ihn zurück: „Nein, das ist jetzt dran, dann müssen Sie‘s schon so machen, wie ich das möchte.“ Doch das scheint gar nicht so einfach zu sein, Wendt blättert weiter verwirt in seinen Unterlagen, wirkt verunsichert, erklärt dann aber zur Beruhigung aller: „Ich habe schon viel mehr durchgestanden, danke“.

„Fassen Sie sich, kommen Sie wieder runter“

Nach knapp vier Minuten und einigen Lachsalven aus dem Plenum gelingt es den beiden Männern endlich, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Wendt schafft es, sich in der richtigen Reihenfolge zum richtigen Antrag zu äußern, ermahnt den Saal aber erst noch: „Fassen Sie sich, kommen Sie wieder runter“.

Marc Dietzschkau, der das Video online stellte, sagte gegenüber dem Stern, er wollte eine exemplarische Szene zeigen, wo sich die AfD selbst verzettelte beim Versuch, „das Parlament zu trollen“. Hintergrund: Die AfD habe die Haushaltsberatungen durch eine Flut an Anträgen massiv in die Länge gezogen. Die Debatte begann schon morgens um zehn, die Szene passierte gegen 21.45 Uhr.

Reaktionen im Netz sind geteilt

Auf YouTube und Twitter ist der Spott über das Video, das an eine Szene aus Loriot erinnert, groß. „Erschreckend, dass der Typ aus Steuergeldern bezahlt wird“, schreibt einer. Ein anderer: „Es ist eben einfacher, auf Marktplätzen zu krakeelen, als sich mit den Niederungen der täglichen Parlamentsformalien zu beschäftigen“. 

Viele regen sich aber auch darüber auf, dass die anderen Parlamentarier ständig in Gelächter ausbrechen. „Das bestätigt bestimmt bei vielen das Gefühl, dass Politiker eine elitäre Gruppe bilden, die sich über den einfachen Bürger erhebt“, lautet ein YouTube-Kommentar. 

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