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Gabriele Pauli gefällt sich als „rote Rebellin“. 

Gabriele Pauli stellt Buch vor

Rebellin zwischen Karl Marx und Kräuter-Mix

München – Ex-CSU-Rebellin Gabriele Pauli ist wieder da - und hat ein Buch im Gepäck. Das lässt die parteilose Landtagsabgeordnete von einem Roten rezensieren - SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher.

Jetzt stehen sie nebeneinander: die rote Rebellin und der rote Fraktionschef. Gabriele Pauli und Markus Rinderspacher posieren im Münchner Presse-Club, wo sie Paulis Buch „Die rote Rebellin“ vorstellen. Ein Fotograf bittet die beiden, weiter nach links zu gehen. Doch von wem aus gesehen links? „Wer von uns beiden steht denn links“, fragt Pauli. Dann sagt sie zum SPD-Fraktionschef: „Eigentlich müssten Sie links stehen.“ Eigentlich.

Es ist eine Frage, die mitschwingt an diesem Donnerstag: Wer steht wo, und warum stehen gerade die beiden jetzt nebeneinander? Pauli ist hier, weil sie ihr Buch bewerben will: Es ist ein bisschen Biographie geworden, ein bisschen Abrechnung, ein bisschen Politik.

Rinderspacher ist hier, weil Pauli ihn gebeten hat, das Buch zu rezensieren. Er sei unvoreingenommen, sei ein „Unbeteiligter, was mein bisheriges Leben angeht“, sagt sie. Davon gibt es nicht mehr viele. Sie war in der CSU, bei den Freien Wählen (FW) war sie auch, hat eine eigene Partei gegründet, aus der sie wieder austrat. Noch sitzt sie fraktionslos im Landtag, nach der Wahl scheidet sie aus.

Bandelt sie nun mit der SPD an? Nein, sagen beide. Der Buchtitel entspreche Paulis Spitznamen, keiner parteipolitischen Präferenz. Wenn Rinderspacher über Gabriele Pauli spricht, dann sagt er immer „Frau Pauli“. Er wahrt Distanz – und zeigt die Brüche im Leben der Frau Pauli auf: „Es ist das Buch einer durch und durch konservativen Politikerin.“ Gleichzeitig bestehe Pauli mit einigen Forderungen, zum Beispiel nach einem Grundeinkommen von 1000 Euro, „jede Aufnahmeprüfung für die Linkspartei“. Im Buch lobt Pauli Karl Marx und Ludwig Erhard gleichermaßen. „Man ist geneigt zu sagen: Ja was denn jetzt?“, fragt Rinderspacher. Überhaupt: Sie sei nicht immer Rebellin gewesen: Ihre Zeit als CSU-Landrätin sei „stromlinienförmig“ verlaufen, erst mit 50 Jahren sei sie in der CSU aufmüpfig geworden.

Diese Episode kostet Rinderspacher genüsslich aus: Das Buch sei ein „Dokument, das die Unkultur der CSU beschreibt“. Frau Pauli sei von CSUlern gedemütigt worden. Dass Pauli auch mit Hubert Aiwanger (FW) abrechnet, ihn einen „Meister der Intrige“ nennt, erwähnt Rinderspacher nur am Rande. Man müsse verstehen, dass er sich „vor dem Hintergrund möglicherweise anstehender Koalitionsgespräche“ diese Aussagen nicht zu eigen mache.

Pauli wollte später wieder bei CSU oder FW landen – eine „Sehnsucht nach Rehabilitation“, meint Rinderspacher. Pauli widerspricht, schließt aber einen neuen Anlauf nicht aus: „Nur – dafür brauche ich eine Partei.“ Was sie nun vorhat? Vorträge halten, Seminare geben. Und: Möglicherweise werde sie Kräutermischungen auf ihrer Homepage anbieten.

S. Pfanzelt

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