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Recep Tayyip Erdoğan: Sohn eines Seemanns wird Staatspräsident der Türkei

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Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, spricht während der ersten Gesprächsrunde im Kongresszentrum von Kuala Lumpur bei einer Konferenz islamischer Staaten.
Recep Tayyip Erdoğan ist seit 2014 der Staatspräsident der Republik Türkei. © picture alliance/Iskandar/BERNAMA/dpa

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan – alles rund um seine Partei, seine politische Laufbahn und sein Privatleben.

Istanbul – Am 26. Februar 1954 wurde Recep Tayyip Erdoğan als Sohn einer georgischen Familie geboren, die sich in Istanbul ansiedelte. Sein Vater Ahmet Erdoğan war von Beruf Seemann. Er arbeitete eine Zeit lang bei der türkischen Küstenwache. Der Name Recep Tayyip hat folgende Bedeutungen: Recep steht für den siebten Monat des islamischen Kalenders (Erdoğans Geburtsmonat). Tayyip hieß bereits sein Großvater mit zweitem Vornamen. Zur Familie gehören außerdem Mutter Tenzile Erdoğan sowie drei Brüder, eine Schwester und ein Cousin. Die Schule beendete Erdoğan mit einem Fachabitur für Imame – schon damals fiel Erdoğan für seine Verbundenheit zum Islam auf. Ob er tatsächlich ein Studium der Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften abgeschlossen hat, dazu gibt es keine Belege.

Politische Karriere – Erdoğan als Oberbürgermeister und Präsident

Recep Tayyip Erdoğan gewann im August 2014 die Präsidentschaftswahlen und trat sein Amt am 28. August an. Im Jahr 2014 fand die erste direkte Wahl in der Türkei statt: Das Volk entschied darüber, welchen Kandidaten es als Präsidenten einsetzen wollte. Die Amtszeit eines türkischen Staatspräsidenten dauerte gewöhnlich fünf Jahre. Anschließend war eine einmalige Wiederwahl möglich. 2017 kam es zu einem Verfassungsreferendum. Unter der neuen Verfassung wurde Erdoğan in seinem Amt bei Wahlen erneut bestätigt und verfügt seitdem über erweiterte Rechte.

Beliebtheit in der Bevölkerung erlangte der Präsident bereits als Oberbürgermeister von Istanbul. Er setzte sich beispielsweise dafür ein, die Strom- und Wasserleitungen zu modernisieren und städtische Entsorgungsdienste zu verbessern. Seine religiös-konservativen Ansichten kamen unter anderem bei der Separation von Schulbussen für Mädchen und Jungen zum Ausdruck.

Gefängnisstrafe für Erdoğan

Erdoğans politische Karriere verlief jedoch nicht ohne Dämpfer. Dazu noch einmal zurück an den Anfang seiner Laufbahn: Ab 1984 war er Vorsitzender der Wohlfahrtspartei (RP), die dem Laizismus (Trennung von Staat und Religion) in der Türkei offenkundig abgeneigt war. Verschiedene Gründe wie die Nähe zum Dschihad führten dazu, dass die Partei durch gerichtlichen Beschluss 1998 untersagt wurde. Ihre Nachfolgerpartei – der islamischen Tugendpartei (FP) – ereilte 2001 das gleiche Schicksal.

Recep Tayyip Erdoğan begab sich in dieser Zeit selbst auf politisches Glatteis, indem bei einer Rede aus einem islamischen Gedicht zitierte. Ihm wurde vorgeworfen, dadurch religiösen Hass in der Bevölkerung zu schüren. Der Vorfall brachte ihm eine Haftstrafe von zehn Monaten und eine hohe Geldstrafe ein. Zudem legte das Gericht ihm ein Politikverbot auf. Nach vier Monaten kam er 1999 jedoch aus dem Gefängnis frei. Nach der Haft bereitete er sich auf die Gründung der AKP vor, die aus der inzwischen verbotenen Tugendpartei hervorging.

Erdoğans Partei – die AKP

Die AKP – was für „Adalet ve Kalkınma Partisi“ steht – gibt es seit 2001. Einer ihrer Gründungsväter ist Recep Tayyip Erdoğan. Ihre politische Ausrichtung gilt als rechtspopulistisch und neoosmanisch. Neoosmanismus beschreibt insbesondere die Ausrichtung auf die arabische Welt (das ehemalige Osmanische Reich) und eine Sympathie der Türkei mit dem Islam. Obwohl sich die „Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung“ als konservativ-demokratisch einstuft, werfen ihr Beobachter eine Reislamisierung der Republik und ihrer Gesellschaft vor.

Die AKP verfügt über die größte Fraktion im türkischen Parlament. Im Jahr 2018 bildete sie ein Wahlbündnis mit der Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP), die rechtsextreme Ansichten vertritt. Bei den Wahlen 2018 musste die AKP zwar Verluste hinnehmen, konnte mit der MHP aber eine Mehrheit der Abgeordneten im Parlament erreichen. Bei den Kommunalwahlen 2019 büßte die AKP ihren Vorsprung vielerorts gegen die Republikanische Volkspartei (CHP) ein.

Erdoğan: Ministerpräsident dank Verfassungsänderung

Erdoğans Partei AKP erzielte bei den Parlamentswahlen 2002 einen klaren Sieg. Darüber konnte sich der spätere Präsident allerdings nur bedingt freuen: Das Politikverbot hinderte ihn daran, den Posten des Ministerpräsidenten zu bekleiden – denn dieser war rechtlich nur einem Parlamentsabgeordneten vorbehalten. Das Amt übernahm daher sein Stellvertreter Abdullah Gül. Eine Verfassungsänderung kippte schließlich das Verbot. Gemeinsam mit einer annulierten Wahl in der Provinz Siirt gelangt es Erdoğan, wieder als Abgeordneter tätig zu sein. Am 12. März 2003 trat er dann seine neue Rolle als Ministerpräsident an, sein Vorgänger Gül setzte er als Außenminister ein.

Erdoğan und seine Politik heute

Kritiker hat Recep Tayyip Erdoğan sowohl im eigenen Land als auch weltweit. Die Vorwürfe sind vielfältig, unter anderem gehören dazu folgende Aktivitäten:

Recep Tayyip Erdoğan – seine Ehe und Familie

Erdoğan heiratete am 4. Juli 1978 seine Ehefrau Emine Erdoğan (geborene Gülbaran). Emine kommt ebenfalls aus Istanbul und ist die Tochter einer Familie mit arabischen Wurzeln, die ursprünglich aus Ostanatolien in die Metropole kam. Vor ihrer Heirat gehörte sie der islamischen Frauenvereinigung „İdealist Kadınlar Birliği“ an. Sie und ihr späterer Ehemann trafen sich erstmals auf einer Konferenz. Ihr konservativer Kleidungsstil mit Kopfbedeckung sorgte mehrfach für Kontroversen, da die Säkularität in der Türkei den Hidschab als Kleidungsstück in staatlichen Einrichtungen verbot. Mit den Jahren fand jedoch eine Lockerung dieser Tabus statt und mittlerweile ist die Präsidentengattin häufiger mit Kopftuch bekleidet bei staatlichen Veranstaltungen zu sehen. Das Paar hat vier Kinder: die beiden Söhne Ahmet Burak und Necmeddin Bilal sowie die Töchter Esra und Sümeyye.

Der Palast des Präsidenten – wie Erdoğan mit seiner Familie lebt

Das Zuhause von Recep Tayyip Erdoğan und seiner Familie ist ein Palast – auf Türkisch heißt der Präsidentschaftspalast Cumhurbaşkanlığı Külliyes. Das Gebäude befindet sich außerhalb der Innenstadt von Ankara auf der Waldfarm Atatürk Orman Çiftliği. Der riesige Komplex war anfangs für den Sitz des Ministerpräsidenten gedacht. Erdoğan entschied jedoch kurz nach seinem Amtseintritt als Staatspräsident, dass er den Staatspalast beziehen werde. Der Amtssitz gehört mit rund 1.000 Zimmern zu den größten seiner Art weltweit. Schon die Errichtung des Bauwerks war nicht frei von Problemen: Von 2011 bis 2014 unterlag es einem gerichtlich angeordneten Baustopp – aufgrund der Missachtung von Gesetzen und Auflagen. Die Waldfarm stellt eigentlich ein grünes Naherholungsgebiet der Hauptstadt Ankara dar. Eine Bebauung hätte daher nicht genehmigt werden dürfen. Erdoğan stellte sich gegen den Beschluss des Gerichtes und führte den Bau weiter fort. Erster wichtiger Gast war Papst Franziskus, der den Palast 2014 besuchte.

Die Frage um seine Größe – Steckbrief zu Erdoğan

Recep Tayyip Erdoğan misst 1,85 Meter in der Größe. Er besitzt die türkische Nationalität und gehört der muslimischen Religion an. Mit mittlerweile über 60 Jahren ist sein ehemals dunkelbraunes Haar heute ergraut. Er hat braune Augen. Sein Markenzeichen ist ein schmaler Oberlippenbart, dem mancher Kritiker eine politische Bedeutung zuspricht. Tatsächlich sagt die Form des Schnurrbartes in der Türkei einiges über die Gesinnung seines Trägers aus. Einen kurz rasierten Schnurrbart mit freier Oberlippe – wie ihn Erdoğan präsentiert – bevorzugen häufig fromme Muslime.

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