Großeinsatz am Schliersee - Schwimmer offenbar vermisst

Großeinsatz am Schliersee - Schwimmer offenbar vermisst
+
Britische Soldaten in Schutzanzügen bei den Ermittlungen zur Vergiftung des Ex-Doppelagenten Skripal und dessen Tochter. Foto: Andrew Matthews/PA Wire

Kampfstoff und Nervengift

Rechercheverbund: BND beschaffte sich Probe von Nowitschok

Berlin/München (dpa) - Seit zwei Monaten rätseln Ermittler, wer den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter mit dem Kampfstoff Nowitschok in England vergiftet hat. Weil die Substanz einst in der Sowjetunion entwickelt wurde, richten sich die Vorwürfe des Westens gegen Russland.

Nun wollen "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR gemeinsam mit der "Zeit" (Mittwoch) herausgefunden haben, dass sich auch die Bundesrepublik Mitte der 90er Jahren eine Probe des Nervengifts verschafft habe.

Der Auslandsgeheimdienst BND sei durch einen Überläufer aus Russland an den gefährlichen chemischen Kampfstoff gekommen. Auch die Bundeswehr sei in den Vorgang eingebunden gewesen, berichten die Medien unter Berufung auf Personen, die an der Entscheidung beteiligt gewesen seien.

Die Bundesregierung und der BND erklärten den Zeitungen und den Sendern auf Anfrage, zu "nachrichtendienstlichen Angelegenheiten grundsätzlich nur den geheim tagenden Gremien des Deutschen Bundestages" Informationen zu geben.

Skripal und seine Tochter Julia waren Anfang März im südenglischen Salisbury vergiftet worden. Großbritannien geht davon aus, dass dabei ein Stoff aus der Nowitschok-Klasse verwendet wurde, und macht Russland für den Anschlag verantwortlich. Die Kampfstoffe der Nowitschok-Gruppe waren in der Sowjetunion entwickelt worden.

Der Kreml weist die Vorwürfe von sich und verweist darauf, dass das Gift, mit dem die Skripals angegriffen wurden, in mehreren Ländern hätte produziert werden können. So hatte Tschechiens Präsident Milos Zeman zugegeben, dass auch in seinem Land noch vor wenigen Monaten mit einer Nowitschok-Variante experimentiert wurde.

Laut den beiden Zeitungen und den beiden Sendern war die damalige BND-Operation innerhalb der Bundesregierung umstritten. "Wir wollten auf keinen Fall den Eindruck erwecken, als würden wir uns selbst für solche Chemiewaffen interessieren", wird eine mit den damaligen Diskussionen vertraute Person zitiert. Mit Wissen von Kanzleramt und Verteidigungsministerium sei die Probe in einem schwedischen Labor analysiert worden. Was aus der Probe wurde, ist unklar. Die heutige Bundesregierung bemühe sich nun, den Vorgang zu rekonstruieren.

SZ-Artikel

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mehr Rente für sieben Millionen Mütter? Minister macht neuen Vorschlag
Mit einer kleinen Justierung will Sozialminister Hubertus Heil mehr Frauen von der Mütterrente profitieren lassen: Sieben statt drei Millionen Rentnerinnen sollen mehr …
Mehr Rente für sieben Millionen Mütter? Minister macht neuen Vorschlag
Türkei-Krise spitzt sich zu: Spott für Erdogan-Anhänger - Touristen profitieren von Lira-Krise
Die Ankündigung höherer US-Strafzölle trifft die Türkei schwer. Erdogan forderte Bürger auf, bestimmte US-Produkte fortan zu boykottieren. Wir berichten im News-Ticker.
Türkei-Krise spitzt sich zu: Spott für Erdogan-Anhänger - Touristen profitieren von Lira-Krise
Chef des Richterbundes zu Fall Sami A.: Innenminister hat Unabhängigkeit der Justiz angegriffen
Der Fall Sami A. sorgt für Empörung. Im Blickpunkt: Horst Seehofer. FDP-Vize Kubicki rügt „unglaubliches Versagen“. Die zuständige Richterin sieht „die Grenzen des …
Chef des Richterbundes zu Fall Sami A.: Innenminister hat Unabhängigkeit der Justiz angegriffen
Aktuelle Umfrage zur Landtagswahl 2018 in Bayern: Debakel für Söder - brisantes Duell im Schatten der CSU
Am 14. Oktober 2018 findet die bayerische Landtagswahl statt. Verteidigt die CSU die absolute Mehrheit? Die aktuellen Umfrageergebnisse und eine darauf basierende …
Aktuelle Umfrage zur Landtagswahl 2018 in Bayern: Debakel für Söder - brisantes Duell im Schatten der CSU

Kommentare